Oper Graz

„Arizona Lady“: Der lange Ritt zum Happy End

Steiermark
15.03.2026 13:04

Emmerich Kalmans „Arizona Lady“ ist ein eher selten gespieltes Werk an der Grenze von der Operette zum Musical. Die Oper Graz versucht sich an einer bunt-schillernden Neuinterpretation der Rarität, die jedoch einen zentralen Mangel des Stoffes nicht beheben kann. 

Es hat schon seine Gründe, warum manche Werke zu Raritäten werden. Emmerich Kalmans Spätwerk „Arizona Lady“ ist eines dieser selten gespielten Werke, die durchaus ihren Charme haben. Kalman, der nach seinem Exil in den USA in den 1950ern mit dieser „Western-Operette“, wie er selbst es nannte, seine Karriere in Europa wiederbeleben wollte, hat dafür  zahlreiche charmante Songs komponiert. Sie bewegen sich an der Grenze von ungarischen Operetten-Klängen, für die er berühmt war, und Broadway-Musical. Ein durchtrabender Erfolg wollte diese „Arizona Lady“ aber nicht werden – wohl hauptsächlich wegen ihrer langatmigen Handlung.

Figuren neu gezeichnet, Lieder neu arragiert
Dirigent Kai Tietje und Regisseur Christian Thausing haben das Werk für Graz daher neu arrangiert und viele sympathische und auch schmissige Entscheidungen getroffen: Die Hauptfigur der Lona Farrell etwa (sympathisch aber auch etwas farblos: Frederike Haas), eine Ranchbesitzerin im männerdominierten Wilden Westen, hat man zu einer toughen Lady umgedeutet, die sich ganz bewusst dem Cowboy und Retter Roy Dexter (agil und charmant: Christof Messner) hingibt. Ihr Gegenspieler im Kampf um Farm, Cowboys und Rennpferde ist in der Grazer Version nicht wie im Original ein mexikanischer Krimineller, sondern mit Donald McDumb ein an Donald Trump angelehnter Demagogen-Gangster (großartig: Janos Mischuretz).

Frederike Haas als Lona Farrell und Christof Messner als Roy Dexter.
Frederike Haas als Lona Farrell und Christof Messner als Roy Dexter.(Bild: Werner Kmetitsch)

Auch die Songs hat Tietje neu über den Abend verteilt – im Original finden sich ein Großteil der Hits in der ersten Hälfte. Zudem hat Thausing mit dem für Bühne und Kostüme zuständigen Duo Okarina Peter und Timo Dentler eine herrlich überzeichnete und glitzernde Westernwelt auf die Bühne der Oper gezaubert, an der man sich nicht satt sehen kann und auf der er das  gewitzte Ensemble auch wundervoll in Szene setzt. Corina Koller als Alkoholhändlerin Nelly Nettleton, Ivan Orescanin als verwöhnter Städter Chester Kingsbury, Markus Butter als Sheriff Harry Sullivan und Anna Brull als Nachtclub-Sängerin Bonita stechen heraus.

Man braucht Sitzfleisch für diesen Western
Doch eines hat sich das Kreativ-Team nicht getraut – und das wäre dringend nötig gewesen: Nämlich die langatmige Story zu stutzen und den langen Ritt zum Happy End zu verkürzen. So reihen sich in dieser materialintensiven Grazer Inszenierung großartige Momente (etwa die clever und liebevoll gestalteten Duette zwischen Farrell und Dexter) und belanglose Szenen (etwa die recht halbherzig choreografierten Ballett-Nummern) aneinander.

Das Resultat ist durchaus unterhaltsam, hat auch musikalisch viele schöne Momente zu bieten. Aber man braucht halt Sitzfleisch, wenn man erleben möchte, wie diese „Arizona Lady“ ins Ziel reitet. Bei der Premiere gab es viel Applaus.

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