Demos in 9 Städten

Brasilien zum WM-Start von Streikwelle überrollt

Ausland
12.06.2014 08:49
Pünktlich zum Auftakt der Fußballweltmeisterschaft ist am Donnerstag das Bodenpersonal an den drei Flughäfen von Rio de Janeiro in den Streik getreten. Nach Angaben der Gewerkschaft hat am 5 Uhr MESZ ein Fünftel der Mitarbeiter für 24 Stunden die Arbeit niedergelegt. In Natal streiken die Busfahrer, außerdem wird in nicht weniger als neun WM-Städten demonstriert.

Das Bodenpersonal in Rio habe sich "nach neun Monaten intensiver, aber erfolgloser Verhandlungen" für den Streik entschieden, erklärte die Gewerkschaft. Sie verlangt für ihre Mitglieder bis zu zwölf Prozent mehr Lohn, Bonuszahlungen für die WM und bessere Arbeitsbedingungen. Vom Streik betroffen sind Rios internationaler Flughafen Galeao, der Inlandsflughafen Santos Dumont und der Flughafen Jacarepagua für Charterflüge.

An ein Gerichtsurteil, wonach 80 Prozent der Mitarbeiter normal zur Arbeit gehen müssen, will sich die Gewerkschaft zwar halten. Gewerkschaftschef Rui Pessao rechnet aber trotzdem mit "Konsequenzen".

U-Bahn: Forderungen nicht erfüllt, Streik dennoch beendet
Die U-Bahn-Angestellten in Sao Paulo stimmten am Mittwochabend gegen einen neuen Streik, nachdem sie in der vergangenen Woche mit einer fünftägigen Arbeitsniederlegung für ein Verkehrschaos in der 20-Millionen-Metropole gesorgt hatten. Gewerkschaftschef Altino Melo dos Prazeres hatte danach mit einer Wiederaufnahme des Arbeitskampfes zum WM-Auftaktspiel am Donnerstag gedroht. Als "Hauptforderung" nannte er die Wiedereinstellung von 42 Angestellten, die wegen des Ausstands entlassen worden waren. Obwohl sie nicht wieder eingestellt wurden, stimmten die U-Bahn-Bediensteten nun aber gegen einen neuen Streik.

Auch in der WM-Stadt Natal im Nordosten Brasiliens droht am Donnerstag ein Verkehrschaos, weil die Busfahrer streiken. Wie der Gewerkschaftsführer Paulo Cesar Ferreira sagte, sind Busse und Mini-Busse von dem Ausstand betroffen - die einzigen öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt. In Natal werden vier WM-Spiele ausgetragen.

Demos in neun WM-Städten
In neun von zwölf WM-Städten soll es am Donnerstag auch wieder Demonstrationen geben. In Sao Paulo sind gleich mehrere Protestveranstaltungen geplant. Die Demonstranten werfen der Regierung vor, enorme Summen in teure Stadionbauten gesteckt und wichtige soziale Aufgaben beispielsweise im Gesundheits-, Bildungs-und Verkehrswesen vernachlässigt zu haben.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff drohte am Mittwoch, die Sicherheitskräfte würden keine Toleranz im Fall möglicher Randale zeigen. "Wir sind ein demokratisches Land und wir respektieren das Recht der Menschen zu demonstrieren", sagte sie. Doch es werde "nicht die geringste Rücksichtnahme" gegenüber denen geben, die meinten, sie könnten Vandalismus praktizieren. Die Regierung werde "die Sicherheit aller Touristen garantieren".

Eröffnungsspiel Brasilien - Kroatien in Sao Paolo
Im Corinthians-Stadion von Sao Paulo fällt am Donnerstag mit dem Auftaktspiel zwischen Brasilien und Kroatien der Startschuss für die WM. In Rio findet am 13. Juli das Finale statt. Insgesamt werden in der Metropole am Zuckerhut sieben WM-Spiele ausgetragen, das erste davon am Sonntag.

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