UN-Chef Guterres:

Algorithmen verstärken Diskriminierung von Frauen

Digital
10.03.2026 09:36
Porträt von krone.at
Von krone.at

UN-Generalsekretär António Guterres warnt vor drastischen Rückschritten für Frauenrechte durch Internettechnologie und künstliche Intelligenz. „Das Patriarchat wirft immer noch einen langen Schatten in den Silicon Valleys der Welt, sie verankern die Hierarchien der Vergangenheit in der Infrastruktur der Zukunft“, erklärte Guterres zu Beginn der 70. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission in New York.

In der Technologiebranche gebe es nur ein Viertel Frauen. „Wenn Frauen am Design von digitalen Systemen nicht beteiligt sind, füllt männlicher Chauvinismus diese Lücke“, erklärte der UN-Generalsekretär in seinem im Voraus verbreiteten Redemanuskript. „Algorithmen, die Diskriminierung verdrahten, Online-Plattformen, die Megafone der Frauenfeindlichkeit sind, und künstliche Intelligenz, die Ungleichheit verstärkt, anstatt sie zu korrigieren: Die Technologie-Firmen müssen Verantwortung übernehmen.“

Frauen weltweit mit einem Drittel weniger Rechte
In der UN-Frauenrechtskommission ringen die Mitgliedsländer seit 1946 um Fortschritte bei Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen weltweit. Für Deutschland nimmt Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) teil, begleitet von einer Delegation des Deutschen Frauenrats, des Vereins UN Women Deutschland und anderer Organisationen.

Dieses Jahr steht im Mittelpunkt die rechtliche Gleichstellung und der Zugang für Frauen zur Justiz, um ihre Rechte durchzusetzen. Guterres sagte, es gebe weiter diskriminierende Gesetze – weltweit gesehen hätten Frauen nur 64 Prozent der Rechte von Männern.

„Epidemie der Gewalt“ – auch in höchsten Kreisen
Das sei nicht zufällig so, sondern es sei ein strukturelles Problem. „Wir sind eine Welt, die von Konflikten, Klimachaos, immer größeren Ungleichheiten und technologischem Umbruch unter Spannung gesetzt wird“, sagte der UN-Chef. „Und in dieser turbulenten Welt werden Frauenrechte gerade auf Hochtouren zurückgedrängt.“ Mühsam errungene Schutzrechte und die Selbstbestimmung über den eigenen Körper würden untergraben, Frauen attackiert, wenn sie sich für Menschenrechte einsetzten.

Guterres sprach auch von einer „Epidemie von Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ in Form von häuslicher Gewalt, Menschenhandel, sexueller Gewalt in Konflikten und Belästigung. „Diese Verbrechen gibt es auf jeder Ebene der Gesellschaft“, sagte der UN-Generalsekretär. „Und wir können traurigerweise beobachten, dass die Ausbeutung von Frauen und Mädchen die einflussreichsten Kreise erreichen kann – unterstützt von einer toxischen Verbindung von Geld, Patriarchat und Straflosigkeit. Das muss enden.“

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