Röchelnde Atmung, tränende Augen und winzige Nasen: Was im Internet oft als „süß“ gefeiert wird, bedeutet für viele Hunde eine lebenslange Einschränkung. Mit einer eigenen Kampagne will eine Wiener Hundetrainerin zeigen, welche Probleme oftmals hinter der sogenannten Qualzucht stecken.
In sozialen Netzwerken sammeln Videos von röchelnden Möpsen oder tollpatschigen Bulldoggen Millionen Klicks. Viele Menschen halten das für niedlich, aber für die Tiere sind Symptome wie Atemnot und Schmerzen bittere Realität.
Qualzucht hat viele Gesichter – und sie beginnt dort, wo das Aussehen wichtiger wird als die Gesundheit. Besonders betroffen sind sogenannte brachyzephale Hunderassen wie der Mops oder die Französische Bulldogge. Ihr Markenzeichen – die extrem kurze Schnauze – ist gleichzeitig ihr größtes Problem.
Fall für den Chirurgen
Verengte Nasenöffnungen, deformierte Atemwege und zu wenig Platz im Schädel führen dazu, dass viele dieser Hunde kaum Luft bekommen. Jeder Spaziergang kann zur Anstrengung werden, Hitze wird schnell lebensgefährlich. Wer genau hinhört, erkennt es sofort: Das typische Röcheln vieler Tiere ist kein lustiges Geräusch – es ist ein Kampf ums Atmen.
Großes Leid
Doch Qualzucht zeigt sich nicht nur in Atemproblemen. Überzüchtete Körperformen können auch chronische Schmerzen, neurologische Störungen oder Augenprobleme verursachen. Bei manchen Hunden hängt die Zunge dauerhaft aus dem Maul, weil der Schädel zu klein gezüchtet wurde. Andere leiden unter Wirbelsäulenproblemen oder können sich kaum noch normal bewegen.
Trotzdem boomen viele dieser Rassen. Ihr ungewöhnliches Aussehen wird zum Trend – verstärkt durch soziale Medien, in denen gerade extreme Merkmale besonders viel Aufmerksamkeit bekommen. Auf diese Problematik macht derzeit auch die Wiener Hundetrainerin Conny Sporrer aufmerksam.
Aufmerksamkeit schaffen
Mit ihrer ungewöhnlichen Kampagne unter dem Titel „Qualzucht hat viele Gesichter“ will sie das Leid hinter den vermeintlich süßen Bildern sichtbar machen. Statt Hunde zu fotografieren, stellt sie selbst in Schwarz-Weiß-Porträts typische Folgen der Qualzucht dar – etwa Atemnot oder neurologische Ausfälle.
Wir haben uns so sehr an diese Bilder gewöhnt, dass wir das Leid dahinter oft gar nicht mehr erkennen.
Conny Sporrer, Hundetrainerin und Podcasterin
Leid wird sichtbar
Die Bilder stammen vom bekannten Hundefotografen Christian Vieler und werden in den kommenden Wochen online veröffentlicht. Der Hintergrund der Aktion ist ernst: Laut österreichischem Tierschutzgesetz sind Züchtungen verboten, wenn sie vorhersehbar Schmerzen, Leiden oder gesundheitliche Schäden verursachen. In der Praxis jedoch gehören viele betroffene Rassen weiterhin zu den beliebtesten Haustieren.
Der Appell vieler Experten ist daher klar: Wer sich für einen Hund entscheidet, sollte nicht nur auf das Aussehen achten, sondern auf Gesundheit und verantwortungsvolle Zucht – oder einem Tier aus dem Tierschutz ein Zuhause geben. Denn hinter jedem röchelnden „Internetstar“ steckt ein Lebewesen, das nicht für Klicks geboren wurde. Sondern um frei zu atmen.
Falls Sie Interesse an einem Rassehund haben, dann informieren Sie sich bitte unbedingt vorab über mögliche Qualzuchtrassen und deren gesundheitliche Einschränkungen!
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