Nach Türkei-Urlaub

Erster Vogelgrippe-Alarm in Österreich

Ausland
14.01.2006 19:45
Ein Alarm um den möglicherweise ersten Vogelgrippe-Fall in Europa hat Freitagabend in Österreich für helle Aufregung gesorgt: Nach einem Türkeiurlaub, wo sie engen Kontakt zu Hühnern hatte, klagte eine Frau aus Wien über grippeähnliche Symptome. Sofort wurde die Patientin auf die Quarantänestation des Kaiser-Franz-Josef-Spitals gebracht und von Experten untersucht.

Die Frau hatte in der Türkei Freunde besucht, wie die „Krone“ berichtete, und lebte in einer abgelegenen Provinz wie die Einheimischen. Auf engstem Raum lebte sie mit möglicherweise infiziertem Geflügel, da viele Bauern ihre Tiere vor der Kälte schützen, indem sie sie ins Haus holen. Außerdem dürfte die Frau noch einen Schritt weiter gegangen sein und half beim Schlachten von Hühnern.

Als sie wieder in Wien war, klagte sie über Fieber und Husten. Alles wie bei einer Grippe. Alarmiert durch die heimische Berichterstattung über das Todesvirus meldete sie sich im Spital. Stunden später dann die Ergebnisse der Laboruntersuchung und Entwarnung. Die Frau hatte sich lediglich eine harmlose Grippe eingehandelt.

Auch in Belgien Entwarnung
Der in Belgien unter Vogelgrippe-Verdacht ins Krankenhaus eingelieferte Patient leidet nach ersten Erkenntnissen nicht an der gefährlichen Krankheit. Das erklärte Gesundheitsminister Rudy Demotte am Samstag in Brüssel. Ein Krankenhaus hatte den Fall zuvor gemeldet, weil sich der mit Grippesymptomen eingelieferte Kranke zuvor im Vogelgrippe-Gebiet in der Türkei aufgehalten hatte.

Bei dem Mann handle es sich um einen russischstämmigen Journalisten, sagte Demotte. Der belgischen Nachrichtenagentur Belga zufolge war der Mann am Donnerstag von einer Reportage im türkischen Vogelgrippe-Gebiet nach Belgien gereist.

Frau aus Krankenhaus entlassen
In der Türkei ist am Samstag eine positiv auf Vogelgrippe getestete Frau nach ärztlicher Behandlung aus einem Krankenhaus in der Zentral-Türkei entlassen worden. Gulsen Yesiltirmak sei in der Stadt Sivas auf den für den Menschen gefährlichen Virus H5N1 behandelt worden, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Sie sei in der Türkei die vierte mit dem Virus infizierte Person, die nach erfolgreicher medizinischer Betreuung wieder entlassen werden konnte. Drei Kinder waren gestorben.

Noch elf Vogelgrippe-Patienten
Elf andere Menschen würden noch in Krankenhäusern behandelt. Keiner von ihnen befinde sich in Lebensgefahr, hieß es. Ein in Diyarbakir im Südosten der Türkei gestorbenes Kind war nach Angaben der Ärzte nicht mit Vogelgrippe infiziert. Das zweieinhalbjährige Mädchen sei an einer bakteriellen Lungenentzündung gestorben, sagte der Vize-Rektor der dortigen Universitätsklinik, Eralp Arikan, am Freitag dem türkischen Nachrichtensender NTV. Das Kind habe auch keinen Kontakt zu Geflügel weder in der Familie noch in der Nachbarschaft gehabt. "Sein Tod hat nichts mit der Vogelgrippe zu tun", sagte Arikan. Andere türkische Medien hatten von einem solchen Verdacht berichtet.

Unterdessen haben Mitarbeiter des türkischen Landwirtschaftsministeriums weiteres Geflügel in Provinzen gekeult, in denen die Vogelgrippe bestätigt worden war. Nach Angaben von Landwirtschaftminister Recep Akdag sind in den vergangenen zwei Wochen mehr als 450.000 Tiere getötet worden.

Weiterer Todesfall in Indonesien
In Indonesien hat sich die Zahl der Todesopfer der gefährlichen Vogelgrippe-Variante H5N1 auf zwölf erhöht. Tests hätten bestätigt, dass eine diese Woche in Jakarta gestorbene 29-jährige Frau der Krankheit erlag, teilten die Gesundheitsbehörden am Samstag mit. Die Frau habe vor ihrer Erkrankung Kontakt zu Geflügel gehabt, hieß es.

Es wurde zudem noch auf ein weiteres Testergebnis gewartet. Dabei ging es um einen 39-jährigen Mann, der vor kurzem ebenfalls vermutlich an Vogelgrippe starb.

An der auch für den Menschen lebensgefährlichen Virus-Variante H5N1 starben in Südostasien und China seit 2003 mehr als 70 Menschen. Experten befürchten, dass das Virus mutieren und dann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte.

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