Kriegsverbrecher

Deutscher Ex-Politiker wegen Folter vor Gericht

Ausland
03.01.2006 21:44
Der geplante Kriegsverbrecher-Prozess gegen den früheren deutschen SPD-Bundestagsabgeordneten Klaus Konrad soll in zwei Wochen in Italien beginnen. Das bestätigte das Militärgericht in La Spezia.

Der heute 91-Jährige soll 1944 in der Toskana an der Folterung und Erschießung von mindestens 54 Menschen beteiligt gewesen sein. Konrad saß von 1962 bis 1969 für die Sozialdemokraten im Landtag von Schleswig-Holstein sowie danach bis 1980 im Deutschen Bundestag.

Die Vorverhandlung in La Spezia ist für den 17. Jänner angesetzt. Ein Sprecher der deutschen Staatsanwaltschaft in Gießen sagte, das Verfahren könne auch in Abwesenheit des Angeklagten geführt werden.

Ein früheres Verfahren gegen Konrad und sechs andere Beschuldigte war 1972 eingestellt worden, weil der damalige Vorwurf des Totschlags verjährt war. Der Ex-Offizier sagte 2004 im Fernsehen, er sei nur bei Folterungen italienischer Zivilisten dabei gewesen. Er bedauere die Vorfälle, "aber erst seit die Italiener mich am Kanthaken haben".

Die Vorwürfe und Konrads Äußerungen lösten in der SPD Bestürzung aus. Die Staatsanwaltschaft La Spezia war Konrad durch alte Akten auf die Spur gekommen, die vor zehn Jahren zufällig in einem Kasten des Militärgerichts in Rom gefunden und dann ausgewertet wurden.

Nach italienischen Zeitungsberichten kam es im Juli 1944 nahe der Ortschaft Pietramala bei Arezzo zu einem Feuergefecht, als die Deutschen Soldaten aus der Gewalt von Partisanen befreien wollte. Die Bewohner seien abgeführt, verhört und gefoltert worden. Sechs vermeintliche Partisanen seien sofort erschossen worden. Später hätten die Deutschen 48 weitere Italiener mit Genickschüssen getötet.

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