Drama in Pakistan

Angehörige steinigen Schwangere wegen Liebesheirat

Ausland
28.05.2014 12:12
Wegen ihrer Liebesheirat haben etwa 20 Angehörige in Pakistan eine schwangere 25-Jährige gesteinigt - vor zahlreichen Zusehern, am helllichten Tag und direkt vor einem Gerichtsgebäude. Unter anderem der Vater, die Brüder und der Ex-Verlobte der Frau attackierten das Paar in der Millionenmetropole Lahore mit Ziegelsteinen und Knüppeln, so die Polizei.

Farzana Parveen war im dritten Monat schwanger, als ihr am Dienstag von ihrer eigenen Familie und ihrem Ex-Verlobten der Schädel eingeschlagen wurde. Sie hatte Mohammad Iqbal geheiratet, mit dem sie gegen den Willen ihrer Verwandten schon seit Jahren verlobt gewesen war.

Iqbal, 45, gibt an, er habe nach dem Tod seiner ersten Frau angefangen, sich mit Parveen zu treffen. "Wir haben uns geliebt", sagte er gegenüber Reportern. Die Familie der 25-Jährigen habe versucht, Brautgeld von ihm zu erpressen. Doch er habe Parveen einfach geheiratet. Ihr Vater habe daraufhin sogar eine Anzeige gegen ihn gestellt - wegen Entführung.

Schwangere widersetzte sich Familie
Das Paar sei dagegen jedoch vor Gericht vorgegangen, so deren Anwalt Mustafa Kharal. Beim Verlassen des Gerichtsgebäudes habe Parveens Familie die Eheleute abgepasst. Zuerst hätten die Angehörigen versucht, die 25-Jährige von ihrem Mann zu trennen, sie hätten sogar Schüsse in die Luft abgefeuert.

Als sich die junge Frau weigerte, hätten der Vater, die Brüder und der Ex-Verlobte Ziegelsteine von einer nahe gelegenen Baustelle geholt und damit auf die beiden eingeschlagen. Die Schwangere verstarb noch an Ort und Stelle. Von den Tätern konnte bisher nur der Vater verhaftet werden - und das auch nur, weil er sich selbst der Polizei gestellt hat. Er bezeichnete die brutale Tötung seiner Tochter laut Polizei als "Ehrenmord".

Mindestens 869 "Ehrenmorde" allein 2013
Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Commission of Pakistan wurden 2013 869 Frauen bei "Ehrenmorden" getötet. Eine weitere Organisation, die Aurat Foundation, glaubt jedoch an eine weit höhere Zahl, wahrscheinlich seien 1.000 Frauen oder noch mehr im letzten Jahr ermordet worden - von Verwandten, Ehemännern und verschmähten Liebhabern. Gerichtlich verfolgt werde nur eine verschwindend geringe Zahl der Fälle, zudem würden sich die Verfahren jahrelang hinziehen.

Überdies sieht das pakistanische Gesetz vor, dass die Opferfamilie dem Täter vergeben kann. Da es sich bei diesen Fällen überwiegend um Verwandte oder Ehemänner handle, kämen die meisten Frauenmörder straffrei davon, so die Aurat Foundation.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
28.05.2014 12:12
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung