Protest in Brasilien

Ureinwohner schießen Pfeile auf Polizisten

Ausland
28.05.2014 11:23
Mit Pfeil und Bogen sind Ureinwohner in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia auf die Polizei losgegangen. Sie protestieren - genau wie Zehntausende Landsleute - gegen die Fußball-Weltmeisterschaft, die immense Kosten verschlingt, während für Schulen, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen kaum Geld vorhanden zu sein scheint.

In zwei Wochen beginnt die Fußball-WM, doch die Proteste der brasilianischen Bevölkerung werden nicht weniger. Die gewaltigen Ausgaben - mit umgerechnet über 620 Millionen Euro fast dreimal so viel wie veranschlagt - sorgen genauso für Unmut wie die damit verbundene Korruption und Polizeiaktionen, bei denen Arme vertrieben werden.

Am Dienstag ist es nun erneut zu Demonstrationen gekommen, die Angaben zur Teilnehmerzahl schwanken zwischen 1.000 und 2.000 Personen. Sie sollen versucht haben, das umstrittene neue Stadion Mané Garrincha zu erreichen. Unter den Demonstranten befanden sich Medienberichten zufolge viele Alte, Obdachlose und Kinder.

Ureinwohner protestieren mit Pfeil und Bogen
Aber auch etwa 500 Ureinwohner mit traditionellem Kopfschmuck waren dabei. Sie waren zuvor auf das Parlamentsgebäude geklettert und hatten auf dem Dach protestiert. Später sollen sie mit Pfeil und Bogen versucht haben, eine Straßensperre zu durchbrechen. Ein berittener Polizist sei von einem Pfeil am Bein verletzt worden und habe operiert werden müssen, so die Behörden. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor.

Massives Polizeiaufgebot zur WM
Brasilien fährt für das Turnier vom 12. Juni bis 13. Juli in allen zwölf Spielorten an Land, zu Wasser und in der Luft ein massives Aufgebot an Soldaten und Polizisten auf. 57.000 Soldaten sowie 100.000 Polizisten von Bund, Ländern und Kommunen und andere staatliche Sicherheitskräfte sind im Einsatz. Die Armee bietet schweres Material auf: Fregatten, Korvetten, Patrouillenboote, Radarflugzeuge und Helikopter. Die Polizei hält Spezialeinheiten bereit.

Die "Weltmeisterschaft aller Weltmeisterschaften" soll es werden, wiederholt Präsidentin Dilma Rousseff wie ein Mantra. Sie versprach WM-Teams, Delegationen und Fans, dass Brasilien auf totale Sicherheit vorbereitet sei. Allein in Rio, wo am 13. Juli das WM-Finale ausgetragen wird, sind 20.000 Sicherheitskräfte im Einsatz. "Das wird die größte Sicherheitsoperation in der Geschichte Rios", sagte der regionale Vizeminister für die Sicherheit von Großereignissen, Roberto Alzir.

Immer wieder Polizeiskandale
Terroranschläge fürchten die Verantwortlichen dabei eigenen Angaben nach kaum - eher weitere Massenproteste der Einwohner. Dass diese sich von der Polizei nicht beruhigen lassen wollen, verwundert nicht, schließlich gerät diese durch Skandale immer wieder in Missgunst. Im vergangenen Jahr sorgte etwa der Fall des von Polizisten zu Tode gefolterten Hilfsarbeiters Amarildo aus der Favela Rocinha für Wut und Proteste. Und erst kürzlich wurde die Nation von brutalen Videoaufnahmen geschockt, die zeigten, wie eine schwer verletzte Frau aus einem fahrenden Polizeiauto aus dem Kofferraum hing und über die Straße geschleppt wurde.

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