Im Sudan in Haft

Zum Tode verurteilte Christin gebar Kind in Zelle

Ausland
28.05.2014 10:33
Jene 27-jährige schwangere Sudanesin, die Mitte Mai wegen Abfalls vom muslimischen Glauben und Ehebruchs zum Tode verurteilt wurde, hat vor Kurzem im Gefängnis ihr Baby zur Welt gebracht. Das gesunde Mädchen ist bereits ihr zweites Kind. Meriam Jahia Ibrahim Ishak und ihr eineinhalb Jahre alter Sohn sitzen bereits seit der Verhaftung der Frau im Februar hinter Gittern. Ein Diplomat, der namentlich nicht genannt werden wollte, bezeichnete die Situation der Frau als "grausam".

"Sie haben sie nicht einmal in ein Spital gebracht. Weder ich noch ihr Ehemann durften bisher das Baby sehen", erklärte Ishaks Anwalt am Dienstag gegenüber der britischen Zeitung "The Daily Telegraph". Der Jurist kämpft seit dem Urteil für dessen Aufhebung und will bis zum Obersten Gericht Sudans gehen, sollte das notwendig sein.

Über 650.000 fordern Freilassung der Frau
Eine von Amnesty International ins Leben gerufene internationale Petition für die Freilassung der Christin hat bereits mehr als 650.000 Unterschriften gesammelt. Allerdings wird diese Form des Protests wohl unbeachtet bleiben. Die NGO ist im Sudan seit 2005 verboten.

Ishak, die einen muslimischen Vater hat, ist von ihrer Mutter, nachdem der Vater die Familie verlassen hatte, christlich erzogen worden. 2011 heiratete die 27-Jährige ihren derzeitigen Ehemann, der ein Christ ist. Nach sudanesischem Recht ist aber die Ehe zwischen Muslimen und Christen verboten und wird als Ehebruch gewertet.

100 Peitschenhiebe und Tod durch den Strick
"Ich wurde christlich erzogen und habe niemals Gotteslästerung begangen", betonte die junge Frau stets vor Gericht. Eine Rückkehr zum Islam lehnte sie trotz wiederholter Aufforderungen ab. Daher wurde die 27-Jährige vom Gericht in der Hauptstadt Khartum schuldig gesprochen und zu 100 Peitschenhieben und zum Tod durch den Strick verurteilt (siehe auch Infobox).

Mit der Vollstreckung des Urteils wird aber offenbar noch gewartet, bis die Kinder der Verurteilten alt genug sind. So berichtete CNN kürzlich, dass die sudanesische Justiz in der Vergangenheit immer wieder gewartet habe, bis Todeskandidatinnen ihren Nachwuchs abgestillt hatten. Damit seien Exekutionen bis zu zwei Jahren hinausgezögert worden.

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