Großes Herz oder Show?

Wohin die Spenden der Politiker gehen

Innenpolitik
11.04.2026 16:00

Gerade in Zeiten der Teuerung inszenieren sich unsere heimischen Spitzenpolitiker gerne als Wohltäter. Doch wohin spenden sie? Die „Krone“ hat nachgefragt.

Die Ankündigung, einen Teil seines Gehalts spenden zu wollen, besänftigt jeden Aufschrei über hohe Politikergehälter. Mehr noch: es bringt die Inszenierung der Bescheidenheit. Gerade in Zeiten, in denen der „normale“ Bürger kaum mehr weiß, wie er sich das Leben leisten soll, sind das wichtige Sympathiepunkte.

Große Spenden-Ankündigung von Schilling
So kündigte die EU-Abgeordnete Lena Schilling an, jedes sechste Abgeordnetengehalt spenden zu wollen – also rund 10.000 Euro brutto. Mit 3.000 Euro soll halbjährlich der grüne Bürgerinitiativenverein unterstützt werden, die restlichen 7.000 Euro sollen anderen Aktivistinnen zugutekommen. Die erste Spende von Schilling, die für eine Reichensteuer mobil macht, ging an den aserbaidschanischen Klimaaktivisten Gubad Ibadoghlu und eine NGO, danach spendete sie der Organisation, die die LGBTQ+-Veranstaltung „Budapest Pride“ macht. Mit der letzten Spende zahlte sie für grüne Jungpolitiker und eine Jugendaktivistin die Reise zur Weltklimakonferenz in Brasilien.

Lena Schilling (Grüne) setzt sich für eine Reichensteuer ein.
Lena Schilling (Grüne) setzt sich für eine Reichensteuer ein.(Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)

 Elke Kahr (KPÖ) spendete mehr als eine Million Euro
Spendenkaiser unter den Politikern ist die KPÖ. Ihre Politiker spenden traditionell einen Gutteil ihres monatlichen Einkommens und behalten nur das österreichische Durchschnittsgehalt von knapp 2.700 netto. So kamen im Jahr 2025 rund 304.000 Euro für Menschen in Notlagen zusammen. Gerade in Zeiten steigender Lebenserhaltungskosten und wachsender Unsicherheit ist es wichtig, nah bei den Menschen zu bleiben, zuzuhören und konkret zu helfen“, sagt die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr, die in 20 Jahren Politik eine Summe von mehr als 1,3 Millionen Euro.

Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) ist Spendenkaiserin.
Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) ist Spendenkaiserin.(Bild: Christian Jauschowetz)

FPÖ: Einzelpersonen in Not und keine Inszenierung

Bei der FPÖ kündigten zuletzt der FPÖ-Wien-Chef Dominik Nepp und Udo Landbauer an, ihre Gehaltserhöhung spenden zu wollen. Während Nepp auf Anfrage erklärt, seine Gehaltserhöhung von 400 Euro monatlich an Einzelpersonen, die an ihn herantreten, zu spenden – zuletzt an eine alleinerziehende Mutter –, gibt sich Udo Landbauer bedeckt. Er gibt keine konkreten Auskünfte zu den versprochenen Spenden. Er wolle nicht „aus jeder Spende eine große Inszenierung machen“, habe aber laut Facebook-Video seine Bezüge gespendet.

Dominik Nepp (FPÖ) half zuletzt einer alleinerziehenden Mutter.
Dominik Nepp (FPÖ) half zuletzt einer alleinerziehenden Mutter.(Bild: Zwefo)

SPÖ-Abgeordnete spenden an Nachhilfeverein
In der SPÖ spendeten in der Debatte um die Gehaltserhöhung für Politiker die niederösterreichischen Landesräte Sven Hergovich und Ulrike Königsberger-Ludwig ihr Plus am Konto an soziale Einrichtungen. Insgesamt kamen dabei 6.220,15 Euro zustande, die an einen Nachhilfeverein gingen. Das Projekt, das die Spenden erhielt, ist mittlerweile ausgelaufen. „Aktuell spendet Hergovich für Umwelt- und Sozialprojekte“, ließ sein Pressesprecher wissen. 

Einige Politiker kündigten an, einen Teil ihres Gehalts spenden zu wollen.
Einige Politiker kündigten an, einen Teil ihres Gehalts spenden zu wollen.(Bild: Krone KREATIV/AFP, APA (5), stock.adobe.com)

NEOS und ÖVP-Politiker spenden nicht regelmäßig
Bei den NEOS und der ÖVP gab es keine fixen Spenden-Versprechen. „Was die Abgeordneten von NEOS mit ihrem Bezug machen, ist einzig und allein die Privatsache der Abgeordneten, wir haben dazu keine Informationen“, erklären die NEOS. Die ÖVP verweist auf die beschlossene Nulllohnrunde für Bundesgehälter und auf diverse Spenden-Veranstaltungen wie das „Kanzler-Match“ oder Charity-Puschen. 

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