31.05.2014 09:00 |

PS4-Rennspektakel

Highspeed für Online-Gamer: "Driveclub" angespielt

Unweit der britischen Städte Manchester und Liverpool arbeiten die Rennspiel-Experten der Evolution Studios am ersten potenziellen Exklusiv-Rennspielhit für die PS4: "Driveclub". Eigentlich sollte der rasante Spaß ja bereits zum Start der neuen Sony-Konsole erscheinen, nach einer Verschiebung wird er jetzt aber am 8. Oktober kommen. Was Hobby-Bleifüße im Herbst erwartet, konnte krone.at bei einem Besuch beim Entwickler bereits ausprobieren.

Es ist eine gespenstische Kulisse. Die Wolken hängen tief über den kargen schottischen Highlands und im nahen See spiegeln sich die Lichter eines entfernten Dorfs, als unser Audi R8 in der Dämmerung auf die nächste Kurve der schmalen Bergstraße zurast. Die Bremsscheiben glühen hellrot, der schnell herunterschaltende Motor wechselt von Brüllen auf Stottern, als nach einem Ruck an der Handbremse das Heck ausbricht – und wir bedenklich knapp an der Streckenbegrenzung mit quietschenden Reifen um die Kurve driften. Nein, die Szene stammt nicht aus einer cineastischen Kreuzung der Streifen "Highlander" und "The Fast and the Furious". Sie kommt aus der Vorab-Version von "Driveclub" und soll veranschaulichen, was krone.at beim Studiobesuch bei Evolution zu sehen bekam.

Hersteller verspricht prächtigen Online-Hit
Geht es nach dem Hersteller und Sony, soll "Driveclub" gleich in mehreren Bereichen neue Maßstäbe am Rennspiel-Sektor setzen. Es soll nicht nur unverschämt gut aussehen und Strecken und Supersportwagen in bislang nicht gekanntem Detailgrad in Szene setzen, sondern durch eine umfangreiche Online-Komponente auch eine neue Ära beim Multiplayer-Modus von Rennspielen einläuten. Das geht so weit, dass "Driveclub" nicht offline gespielt werden kann. Jeder muss Teil eines online mit anderen Teams konkurrierenden Clubs sein.

Die Clubs – die Mitgliederzahl ist auf sechs beschränkt – schalten gemeinsam neue Inhalte frei, stellen sich den Herausforderungen anderer Clubs und fahren gemeinsam um Ruhm und Ehre. Selbst außerhalb des eigentlichen Spiels wollen die Evolution Studios dafür sorgen, dass die Spieler nie den Draht zu ihrem Club verlieren: über eine eigene Smartphone-App für Android und iOS.

Zugänglicher Mix aus Simulation und Arcade-Racer
Aber der Reihe nach. Abgesehen vom starken Online-Fokus und den optischen Superlativen, welche die neue Hardware ermöglicht, versteht sich "Driveclub" als zugänglicher Mix aus Arcade-Rennspiel und Simulation. Insgesamt 50 Supersportwagen darf man im neuesten Game der "Motorstorm"-Macher über Pisten in fünf verschiedenen Ländern jagen – wahlweise online mit Freunden gegen andere Teams oder gegen die lokale KI. Die Palette der Schauplätze reicht von den Salzebenen der chilenischen Atacama-Wüste über die borealen Wälder Kanadas, die schottischen Highlands und gletscherbedeckte norwegische Berge bis hinein in die üppigen Urwälder Indiens. Hier Eindrücke aus Indien und Chile:

Team reiste auf Suche nach Schauplätzen um die Welt
Dabei haben die "Driveclub"-Macher größten Wert auf Details gelegt. Ein Team um Art Director Alex Perkins reiste eigens an die Schauplätze, um die dortigen Landschaften fotografisch festzuhalten und sich Anregungen für die Strecken in "Driveclub" zu holen. Die Automodelle wurden in enger Kooperation mit den Herstellern der 50 Sportwagen erstellt, das Fahrverhalten wurde von mehreren Testfahrern bewertet und anschließend Punkt für Punkt als Durchschnitt der Eindrücke aller Testfahrer ins Spiel übernommen. Und für die Soundaufzeichnungen holte man die Autos auf eine Teststrecke nahe Birmingham, auf der sie – mit Mikrofonen im Innenraum, am Auspuff und am Motor ausgestattet – an ihre Limits getrieben wurden. Hier ein Vorgeschmack auf den Motorensound:

Prachtvolle Full-HD-Grafik bei 30 Bildern pro Sekunde
Auch bei der optischen Inszenierung will man mit "Driveclub" – das Game soll in der finalen Version auf der PS4 in Full-HD mit einer Bildrate von 30 Bildern pro Sekunde laufen – hoch hinaus. Besonders auf die dynamische Spielwelt, in der die Rennen stattfinden, sind die Entwickler stolz. Wo früher 2D-Hintergründe Rennstrecken begrenzten, gibt's nun eine dreidimensionale Welt.

Volumetrische Wolken ziehen über die Strecken, Berge werden von sich korrekt im Wind wiegenden Bäumen gesäumt – und die Zuseher stehen dreidimensional am Streckenrand und winken den vorbeibrausenden Boliden in bester Rallye-Manier zu. Am Himmel ziehen Vögel vorbei, die Sonne spiegelt sich in Seen und auf dem Asphalt, wird sogar korrekt von Bergen und Wolken verdeckt. Auch die Wettereffekte - der Tag läuft auf Wunsch im Zeitraffer ab - können sich sehen lassen.

Kurzum: Was wir bei unserem Besuch bei den Evolution Studios zu sehen bekamen, sah tatsächlich sehr gut aus. Wenngleich man viele Errungenschaften – etwa die herumfliegenden Vögel – bei den hitzigen Rennen am Ende gar nicht bemerken dürfte. Erstaunlich: Die Vorabversion, die uns gezeigt wurde, kam vor den einzelnen Rennen trotz allem mit Ladezeiten unterhalb der 20 Sekunden aus.

Enorm hoher Detailgrad bei den einzelnen Autos
Sicher bemerken dürfte man den Detailgrad der Autos. Die wurden bis hinein ins Cockpit gemeinsam mit den Autoherstellern mit CAD-Software nachgebaut und sehen ebenfalls ausgezeichnet aus. Nicht nur äußerlich hat man sich bemüht, Sportwagen vom Kaliber eines Mercedes SLS AMG oder Pagani Huayra (siehe Video oben) möglichst exakt darzustellen.

Selbst das Interieur inklusive Tacho-Stil entspricht dem Original. Auch hat man darauf geachtet, die verwendeten Materialien möglichst lebensecht ins Spiel zu implementieren. Carbon-Bauteile zeigen bei genauer Betrachtung die Verflechtungen der einzelnen Fasern, auf Ledersitzen im Cockpit erkennt man Nähte. Aber auch hier gilt: Um den ganzen optischen Pomp zu genießen, dürfte im Rennalltag schlicht die Zeit fehlen. Das Schadensmodell, das allerdings nur kosmetische Auswirkungen auf die Boliden hat, dürfte man aber auch im hitzigsten Rennen spätestens dann bemerken, wenn die ersten Kratzer auf den edlen Karossen auftauchen.

Fahrgefühl gut getroffen, abwechslungsreiche Strecken
Was uns beim Probespielen auffiel: Obwohl man viel Wert auf Details bei den Strecken und Autos gelegt hat, ist "Driveclub" doch angenehm zugänglich. Das Fahrverhalten der einzelnen Boliden ist relativ geschickt irgendwo zwischen Simulation und Arcade-Racer angesiedelt. Das bedeutet, dass man die Boliden zwar auch ohne viel Rennspiel-Vorerfahrung bändigen kann, dennoch bleibt es herausfordernd, elegant und ohne Nutzung der Streckenbegrenzung als Berührungspunkt mit hohem Tempo um die Kurven zu jagen.

Gut gefallen hat uns zudem, dass die Streckenauswahl nicht nur Rundkurse, sondern auch ausufernde Rallye-Pisten bietet, die auf mehreren Kilometern Distanz ordentlich Abwechslung bieten. Besonderes Highlight: Auf einem Norwegen-Track haben wir vom schneebedeckten Gipfel eines Berges bis ins Tal Vollgas gegeben und eine sich stetig ändernde Landschaft beobachtet. Dominieren zunächst Schnee und Gletscher das Geschehen, folgen beim Runterfahren Gegenden mit weniger Schnee und mehr Bäumen. Und ihr Finale findet die Strecke in einem herbstlich-bunten Wäldchen.

Fragwürdig: Online-Fokus und Mikrotransaktionen
Während an der Optik und Auto-Auswahl von "Driveclub" wohl kaum ein Spieler etwas bemängeln wird, dürften unterdessen zwei Designentscheidungen für Unmut bei manchen Spielern sorgen. Einerseits ist nämlich fraglich, wie viel Spaß Freunde gepflegter Einzelspieler-Rennen am Club-Zwang in "Driveclub" haben werden. Andererseits dürfte sich auch manch ein Nutzer an Evolutions Plan, Mikrotransaktionen in das Spiel einzubauen, stören. Wie Art Director Perkins im Gespräch mit krone.at versichert hat, werde es sich dabei aber nicht um ein "Pay to Win"-System handeln.

Autos gegen Bares und Freunde-Suchfunktion
Stattdessen sollen die Spieler gegen kleine Geldbeträge einzelne Autos gezielt freischalten können, die sonst langwierig erspielt werden müssten. Dennoch dürf einem Vollpreis-Game zu suchen haben. Schließlich ist das schnellere Freischalten von Spielinhalten eigentlich nichts Besonderes. Früher erledigte man das über Cheat-Tastenkombinationen, die in verschiedenen Online-Foren kursierten und von Spieleentwicklern zu Zwecken der Zeitersparnis von vornherein in ihre Games eingebaut wurden.

Das war zwar ebenso unehrenhaft wie das Freischalten durch Mikrotransaktionen, aber immerhin kostenlos. Dass Evolution in seinem Online-Game keine Cheats duldet, ist verständlich. Sie dann aber in Form von Mikrotransaktionen sozusagen als Echtgeld-Cheating anzubieten, dürfte einigen Spielern sauer aufstoßen. Selbst, wenn keine unfairen Wettbewerbsvorteile für zahlende Spieler entstehen.

Für Einzelspieler will man bei den Evolution Studios die Brücke zur Online-Welt schlagen, indem "Driveclub" eine Reihe von Funktionen enthält, mit denen auch einsame Wölfe schnell Anschluss an einen Club finden sollen. Konkret gibt's eine Suchfunktion, mit der das Spiel nach potenziellen Freunden und Clubs sucht, denen man sich auch dann anschließen kann, wenn man selbst über wenige PS4-Onlinebekanntschaften verfügt und primär alleine spielt. Das ändert freilich nichts daran, dass das Spiel zu einem großen Teil online stattfindet und man auf manche Annehmlichkeiten von Einzelspieler-Rennspielen verzichten muss. Dazu zählen etwa zuschaltbare Fahrhilfen für Einsteiger, wie sie in anderen Games Standard sind. Wie genau die Clubs in Evolutions kommendem Rennspiel funktionieren, wird in diesem Video erklärt:

Ersteindruck: Alles in allem haben wir das Gefühl, dass mit "Driveclub" tatsächlich ein sehr vielversprechendes Rennspiel in den Startlöchern steht. Es imponiert nicht nur optisch, sondern erfreut Motorsport-Fans auch mit ziemlich gut getroffenen Motorgeräuschen und viel Liebe zum Detail bei den einzelnen Automodellen. Auch die abwechslungsreichen und lebendigen Landschaften, durch die uns unsere Proberennen geführt haben, wussten zu gefallen. Scheitert Evolution nicht daran, den Spielern die Online-Features schmackhaft zu machen und verärgert das Entwicklerstudio die Fans nicht mit schlecht implementierten Mikrotransaktionen, steht einem heißen Rennspiel-Herbst für PS4-Gamer nichts im Wege.

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