Stift Klosterneuburg

Fastentuch – mit himmlischem Licht gezeichnet

Niederösterreich
18.02.2026 13:00

Ein Kunstwerk, das verhüllt und gerade dadurch alles zeigt, ist ab heute in Stift Klosterneuburg gläubig zu bestaunen. Das ungewöhnlichstes Fastentuch Österreichs“

In der Fastenzeit wird der Blick traditionell eingeschränkt. Doch genau daraus entsteht heuer ein visuelles Ereignis von seltener Intensität: In der Abtei zu Klosterneuburg hängt ein Fastentuch, das nicht nur liturgisches Zeichen ist, sondern künstlerische Wucht entfaltet. Geschaffen hat es der österreichische Fotokünstler Harald Woschitz Werke seit Jahrzehnten das Unsichtbare sichtbar machen. Sein neues Tuch basiert auf Fotografie – wörtlich: Zeichnen mit Licht. Aus dunklem Grund steigen Gestalten auf, schwebend, fast körperlos. Sie wirken wie befreite Seelen, wie Visionen zwischen Tod und Auferstehung. Kein dekoratives Kirchenbild, sondern ein meditatives Kraftfeld. Wer davorsteht, merkt rasch: Dieses Werk will nicht gefallen. Es will berühren.

Tradition triff Gegenwart
Dass ein zeitgenössischer Künstler den barocken Hochaltar verhüllt, ist ein Statement. Die Augustiner-Chorherren zeigen damit definitiv Mut - und Vertrauen in die Kraft moderner Kunst. Denn das Fastentuch hat seit Jahrhunderten denselben Sinn: den Blick umlenken. Weg vom Prunk, hin zum Kern. Gerade im Kontrast zur opulenten Architektur entfaltet Woschitz’ reduziertes Bild seine maximale Wirkung. Am 19. Februar präsentiert der Künstler das Werk gemeinsam mit Reinhard Schandl der Öffentlichkeit. Bis Karsamstag bleibt die Installation zu sehen – und dürfte zu einem Fixpunkt für Kunst- und Kirchenliebhaber werden.

Warum dieses Tuch herausragt
Viele Fastentücher verhüllen. Dieses spricht. Es erzählt von Dunkelheit und Licht, von Ende und Neubeginn – ohne ein Wort, nur mit Strahlen, Schatten und Bewegung. Gerade darin liegt seine außergewöhnliche Ausdruckskraft. Man kann daran vorbeigehen. Oder stehen bleiben und sich hineinziehen lassen.

Fazit: Österreich hat viele sakrale Kunstwerke. Doch selten verbindet eines so eindringlich Tradition, Theologie und zeitgenössische Bildsprache. Dieses Fastentuch ist kein Beiwerk der Fastenzeit. Es ist ihr stilles Zentrum.

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