Schmerzen im Bein

Prügelnder Erdogan-Berater krankgeschrieben

Ausland
20.05.2014 09:47
Das Bergwerksunglück von Soma erweist sich für die Regierung von Recep Tayyip Erdogan als nicht enden wollendes Imagedebakel. Hatte der Premier selbst bei seinem Besuch am Ort des Unglücks wenig Fingerspitzengefühl bewiesen, sorgt vor allem ein Ausraster eines seiner Berater weiterhin für Empörung: Nachdem Yusuf Yerkel einen Demonstranten angegriffen hatte, ließ er sich auch noch krankschreiben, wie nun bekannt wurde - wegen Schmerzen in dem Bein, mit dem er den Mann getreten hatte.

Die Bilder der brutalen Prügelattacke waren in der Vorwoche binnen weniger Stunden um die Welt gegangen (siehe Story in der Infobox): Darauf ist Yerkel zu sehen, wie er nach dem schwersten Grubenunglück in der Geschichte der Türkei mehrmals auf einen Demonstranten eintritt - der bereits von zwei Sicherheitskräften am Boden festgehalten wird. Laut Augenzeugenberichten soll der Regierungsberater drei- oder viermal auf den Mann eingetreten haben.

Zwar entschuldigte sich Yerkel mittlerweile für die Attacke. "Der Zwischenfall tut mir sehr leid", ließ er über türkische Medien ausrichten. Erledigt ist der Fall für den Vertrauten von Erdogan - der Premier soll zudem selbst bei einem Handgemenge in Soma mitgemischt haben - damit allerdings noch nicht.

Prügelnder Berater eine Woche krankgeschrieben
Denn wie nun bekannt wurde, hat die körperliche Auseinandersetzung für Yerkel gesundheitliche Folgen: Der Erdogan-Berater sei eine Woche krankgeschrieben, weil er sich am rechten Bein verletzt hat - jenem Bein, mit dem er mehrfach auf den Demonstranten eingetreten hatte, berichtete die oppositionsnahe Zeitung "Radikal" unter Berufung auf Krankenhausdokumente.

Demnach habe sich Yerkel noch am Abend des Zwischenfalls mit Schmerzen im rechten Knie im Atatürk-Hospital in Ankara gemeldet. Gegenüber dem Krankenhauspersonal soll er dem Bericht zufolge ausgesagt haben, dass er sich bei einem Sturz verletzt habe.

"Es gibt ein zehn mal zehn Zentimeter großes Ödem und Blutergüsse am rechten Knie, an der linken Schulter und an der Brust. Die Bewegungsfähigkeit von Bein und Arm sind eingeschränkt und es gibt Schwierigkeiten beim Laufen", zitierte "Radikal" aus dem Bericht des Mediziners Servan Gökhan.

Imagedebakel für Erdogan vor Präsidentenwahl
Fest steht: Das Verhalten der Regierung nach dem Grubenunglück dürfte Erdogans Popularität nicht nur bei intellektuellen Städtern geschadet haben, von denen viele der AKP ohnehin ablehnend gegenüberstehen. Auch unter einfachen Türken auf dem Land, denen etwa das Twitter-Verbot der Regierung wenig bedeutet, könnte ein Denkprozess darüber begonnen haben, ob sie Erdogan bei der Präsidentenwahl am 10. August wählen wollen.

Erdogan hat bereits klargemacht, dass er sich als vom Volk gewähltes Staatsoberhaupt nicht auf die bislang weitgehend zeremonielle Rolle des Amtes beschränken würde. Dass Erdogan bei einer Kandidatur am Ende siegen würde, ist mangels Alternativen aus der Opposition weiterhin so gut wie sicher. Zumindest könnte aber eine absolute Mehrheit im ersten Wahlgang schwieriger werden.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
20.05.2014 09:47
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung