Schmerzen im Bein
Prügelnder Erdogan-Berater krankgeschrieben
Die Bilder der brutalen Prügelattacke waren in der Vorwoche binnen weniger Stunden um die Welt gegangen (siehe Story in der Infobox): Darauf ist Yerkel zu sehen, wie er nach dem schwersten Grubenunglück in der Geschichte der Türkei mehrmals auf einen Demonstranten eintritt - der bereits von zwei Sicherheitskräften am Boden festgehalten wird. Laut Augenzeugenberichten soll der Regierungsberater drei- oder viermal auf den Mann eingetreten haben.
Zwar entschuldigte sich Yerkel mittlerweile für die Attacke. "Der Zwischenfall tut mir sehr leid", ließ er über türkische Medien ausrichten. Erledigt ist der Fall für den Vertrauten von Erdogan - der Premier soll zudem selbst bei einem Handgemenge in Soma mitgemischt haben - damit allerdings noch nicht.
Prügelnder Berater eine Woche krankgeschrieben
Denn wie nun bekannt wurde, hat die körperliche Auseinandersetzung für Yerkel gesundheitliche Folgen: Der Erdogan-Berater sei eine Woche krankgeschrieben, weil er sich am rechten Bein verletzt hat - jenem Bein, mit dem er mehrfach auf den Demonstranten eingetreten hatte, berichtete die oppositionsnahe Zeitung "Radikal" unter Berufung auf Krankenhausdokumente.
Demnach habe sich Yerkel noch am Abend des Zwischenfalls mit Schmerzen im rechten Knie im Atatürk-Hospital in Ankara gemeldet. Gegenüber dem Krankenhauspersonal soll er dem Bericht zufolge ausgesagt haben, dass er sich bei einem Sturz verletzt habe.
"Es gibt ein zehn mal zehn Zentimeter großes Ödem und Blutergüsse am rechten Knie, an der linken Schulter und an der Brust. Die Bewegungsfähigkeit von Bein und Arm sind eingeschränkt und es gibt Schwierigkeiten beim Laufen", zitierte "Radikal" aus dem Bericht des Mediziners Servan Gökhan.
Imagedebakel für Erdogan vor Präsidentenwahl
Fest steht: Das Verhalten der Regierung nach dem Grubenunglück dürfte Erdogans Popularität nicht nur bei intellektuellen Städtern geschadet haben, von denen viele der AKP ohnehin ablehnend gegenüberstehen. Auch unter einfachen Türken auf dem Land, denen etwa das Twitter-Verbot der Regierung wenig bedeutet, könnte ein Denkprozess darüber begonnen haben, ob sie Erdogan bei der Präsidentenwahl am 10. August wählen wollen.
Erdogan hat bereits klargemacht, dass er sich als vom Volk gewähltes Staatsoberhaupt nicht auf die bislang weitgehend zeremonielle Rolle des Amtes beschränken würde. Dass Erdogan bei einer Kandidatur am Ende siegen würde, ist mangels Alternativen aus der Opposition weiterhin so gut wie sicher. Zumindest könnte aber eine absolute Mehrheit im ersten Wahlgang schwieriger werden.
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