Mitten im andauernden Krieg erhöht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den politischen Druck: Ein mögliches Abkommen zur Beendigung des Konflikts soll aus seiner Sicht ein konkretes Datum für den EU-Beitritt der Ukraine enthalten.
Für die Ukraine sei es wichtig, alles dafür zu tun, bis 2027 für einen EU-Beitritt bereit zu sein, schrieb Selenskyj in sozialen Medien. Zumindest die wichtigsten Schritte werde das Land bis dahin erreichen. Zugleich stellte er klar: „Ich will ein genaues Datum.“ Sollte in einem Abkommen, das die USA, Russland, die Ukraine und Europa unterzeichnen sollen, kein konkreter Zeitpunkt festgelegt werden, werde Russland versuchen, den Beitrittsprozess zu blockieren.
Das werde Moskau nicht selbst tun, sondern „über bestimmte europäische Vertreter“, schrieb Selenskyj. Die EU sei für die Ukraine eine Sicherheitsgarantie – „konkrete Details mit einem konkreten Datum“.
Beitritt „eine der wichtigsten Sicherheitsgarantien“
Bereits Ende Jänner hatte Selenskyj einen EU-Beitritt seines Landes bis 2027 gefordert – ungeachtet teils verbreiteter Skepsis in europäischen Staaten. Damals erklärte er: „Der Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union ist eine der wichtigsten Sicherheitsgarantien nicht nur für uns, sondern für ganz Europa.“
Zugleich äußerte sich der Präsident erneut zur Frage möglicher Wahlen. „Wir können zu Wahlen übergehen, wenn es alle entsprechenden Sicherheitsgarantien gibt“, teilte Selenskyj in sozialen Medien mit. Wenn es einen Waffenstillstand gebe, werde es Wahlen geben. Damit reagierte er auf einen Bericht der „Financial Times“.
Überstürzter Wahltermin eine „dumme Idee“
Die britische Zeitung hatte berichtet, Selenskyj plane unter Druck der USA, eine Präsidentenwahl und ein Friedensreferendum noch vor dem 15. Mai anzusetzen. Demnach könnte er bereits am 24. Februar, dem vierten Jahrestag der russischen Invasion, die Wahl ausrufen. Die „Financial Times“ berief sich dabei auf ukrainische und westliche Verantwortliche, zitierte Selenskyj jedoch nicht selbst.
In seinem Beitrag betonte Selenskyj, der 24. Februar sei ein „sehr ernstes Datum“. Selbst wenn es Schritte in Richtung Wahlen gegeben hätte, halte er es für eine „dumme Idee“, an einem solchen Tag über Politik zu sprechen.
Ukrainischen Medien zufolge wies Selenskyj zudem vor Journalisten zurück, dass die USA damit drohten, ihre Sicherheitsgarantien zurückzuziehen. Diese seien nicht an Wahlen geknüpft. Die USA hätten das Thema Wahlen angesprochen, seien aber nicht auf Details eingegangen.
Abstimmung mitten im Krieg schwer durchführbar
Die Forderung nach einer Präsidentenwahl stammt ursprünglich aus Moskau. Aus russischer Sicht sei Selenskyj kein legitimer Ansprechpartner mehr. US-Präsident Donald Trump hat sich diese Forderung zu eigen gemacht. Kiew verweist hingegen darauf, dass unter dem geltenden Kriegsrecht keine Wahl stattfinden könne. Zudem sei eine Abstimmung angesichts russischer Angriffe, Hunderttausender Männer an der Front sowie Millionen Geflüchteter im In- und Ausland organisatorisch nicht durchführbar.
Bereits im Dezember hatte Selenskyj erklärt, er sei zu Wahlen bereit, wenn die USA und Europa die Sicherheit gewährleisteten. Zudem beauftragte er das Parlament, die nötigen Gesetzesänderungen für eine Wahl zu Kriegszeiten vorzubereiten.
Dass unter geltendem Kriegsrecht keine Neuwahlen abgehalten werden, ist keine ukrainische Besonderheit, sondern in vielen Ländern gängige Praxis. Russland führt seit fast vier Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.