Testament verfasst

Sammler Gurlitt tot: Wer erbt nun den Kunstschatz?

Ausland
06.05.2014 21:07
Nach dem Tod des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt am Dienstag stellt sich die Frage, an wen seine unschätzbare Sammlung gehen soll. Die "Süddeutsche Zeitung" will die Antwort gefunden haben: Der 81-Jährige habe demnach wenige Monate vor seinem Ableben ein Testament verfasst, in dem er seine Bilder einer Kunstinstitution im Ausland vermacht haben soll.

In Gurlitts letztem Willen sei verfügt worden, dass die Sammlung zusammenbleiben müsse. "Ich kann bestätigen, dass Herr Gurlitt vor seiner schweren Herzoperation einen Notar-Termin wahrgenommen hat", teilte Gurlitts Sprecher am Dienstagabend mit. Es sei nun Aufgabe des Nachlassgerichts, herauszufinden, ob es ein gültiges Testament oder einen Erbvertrag oder beides gebe.

Gehen Verwandte leer aus?
"Ich kann zwar verstehen, dass die Spekulationen jetzt wild blühen, werde darüber hinaus jedoch derzeit keine Stellung nehmen", erklärte der Sprecher. "Ich möchte hingegen am Tag seines Todes betonen: Cornelius Gurlitt hat einen wesentlichen Beitrag zur Versöhnung geleistet, mehr als der deutsche Staat bis dato je in dieser schwierigen Angelegenheit unternommen hat."

Gurlitt, der auch über Barvermögen verfügte, soll festgelegt haben, dass keiner seiner entfernten Verwandten Anspruch auf Teile der Sammlung bekommen soll.

In Münchner Wohnung gestorben
Der Sammler, der schon länger schwer krank gewesen war, starb am Dienstagvormittag in seiner Münchner Wohnung. Sein Arzt und sein Pfleger seien laut dem Sprecher bei ihm gewesen. Gurlitt war seit Ende des vergangenen Jahres unter amtlicher Betreuung gestanden. Nach einer Herzoperation und einem wochenlangen Klinikaufenthalt kehrte er auf eigenen Wunsch in seine Münchner Wohnung zurück. Dort wurde er in den vergangenen Wochen rund um die Uhr versorgt.

Sammlung wird weiter erforscht
In Gurlitts Münchner Wohnung war im Februar 2012 eine Sammlung von rund 1.280 Kunstwerken gefunden und beschlagnahmt worden. Dazu zählten Werke von Picasso, Chagall, Matisse, Beckmann und Nolde. Im Herbst 2013 wurde der Sensationsfund publik, später wurden auch an einem Salzburger Wohnsitz (kleine Bilder) zahlreiche Kunstwerke entdeckt. Die umstrittene Herkunft der Sammlung wird auch nach seinem Tod weiter erforscht.

Werke kurz vor Tod wieder freigegeben
Erst Anfang April hatte Gurlitt der deutschen Bundesregierung und dem Freistaat Bayern vertraglich zugesichert, seine millionenschwere Sammlung auch nach dem Ende der Beschlagnahmung von Experten untersuchen zu lassen und unter Nazi-Raubkunstverdacht stehende Werke gegebenenfalls zurückzuerstatten. Daraufhin gab die Staatsanwaltschaft die Werke frei (siehe Infobox).

Gurlitt hätte dann laut Vereinbarung die "unbedenklichen" Bilder zurückerhalten sollen. Mit dem Bekenntnis zur moralischen Verantwortung habe der verstorbene Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt ein Zeichen für faire und gerechte Lösungen bei der Rückgabe von NS-Raubkunst gesetzt, sagte die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters am Dienstag.

Beschaulicher Lebensabend endete mit Sensationsfund
Bis er ins Zentrum des wohl spektakulärsten Kunstfundes der vergangenen Jahrzehnte geriet, hatte Gurlitt ein zurückgezogenes Leben in München und Salzburg geführt. "Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt in meinem Leben", sagte er in seinem einzigen Interview im "Spiegel".

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