Gefechte zugespitzt
Hoher Blutzoll in Slawjansk: 20 Separatisten tot
Awakow schätzte, dass etwa 800 bewaffnete Separatisten die Stellungen in Slawjansk halten. "Sie setzen schwere Waffen ein, schießen mit großkalibrigen Waffen, benutzen Granatwerfer und sonstige Technik", sagte der Minister. Die Regierungstruppen hätten trotz der Gegenwehr den Fernsehturm der Stadt eingenommen. Nun würden wieder ukrainische Fernsehsender ausgestrahlt.
Kugeln hätten eine Gastankstelle getroffen, die daraufhin explodiert sei, meldete Interfax unter Berufung auf Aktivisten. Ein lokales Internetportal berichtete, die ukrainischen Truppen würden keine Notarztfahrzeuge durch ihre Absperrungen passieren lassen. Ein Augenzeuge berichtete, dass die Kämpfe offenbar immer näher ans Zentrum der Stadt heranrücken.
Separatisten schossen erneut Militärhubschrauber ab
Am Nachmittag schossen die militanten Regierungsgegner erneut einen Kampfhubschrauber der Armee ab. Die Besatzung des Mi-24 habe den Absturz in einen Fluss überlebt und sei von einem Spezialkommando in Sicherheit gebracht worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Separatisten haben demnach mit großkalibrigen Waffen auf die Maschine gefeuert. Bereits am Freitag waren zwei Mi-24 abgeschossen und ein Hubschrauber vom Typ Mi-8 stark beschädigt worden.
Ein Sprecher der Aufständischen hatte zuvor gesagt, man sei "durch einen dichten Ring ukrainischer Einheiten eingeschlossen". Eine Gruppe prorussischer Separatisten floh mit mindestens zwei Panzern vor den Gefechten (Bild). Im strategisch wichtigen Slawjansk mit seinem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt sind seit Tagen ukrainische Soldaten mit Panzern, Hubschraubern und Gefechtswagen im Einsatz. Dabei gab es bereits vor der jüngsten Eskalation zahlreiche Tote.
Demonstranten verstärken Barrikaden am Maidan
Auch in der Hauptstadt Kiew haben sich die Fronten wieder verhärtet. Nach Warnungen vor Provokationen verstärkten die Demonstranten auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan ihre seit November gehaltenen Stellungen. Interimspräsident Alexander Turtschinow rief zu erhöhter Wachsamkeit gegenüber prorussischen Kräften auf: "Ihr Ziel ist, die Führung in Kiew zu stürzen."
Daher seien vor dem Feiertag zum Gedenken an den Sieg im Zweiten Weltkrieg über Nazi-Deutschland strenge Kontrollen angeordnet und weitere Barrikaden errichtet worden. "Wir erwarten, dass es am 9. Mai zu Provokationen kommen könnte", sagte Turtschinow in einem Fernsehinterview. "Gegen uns wird Krieg geführt. Und wir müssen bereit sein, diese Aggression niederzuschlagen."
Ban bringt UNO als Vermittlerin erstmals ins Spiel
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon bot am Montag an, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Zugleich rief er alle Seiten auf, die schwere Krise "mit friedlichen Mitteln" beizulegen, wie es in einer Erklärung heißt. Er sei bereit, dabei "meine eigene Rolle zu spielen, wenn das notwendig ist". Er habe mit allen betroffenen Parteien gesprochen, den führenden Politikern in der Ukraine, in Russland, in der EU sowie in den USA.
Bisher spielte die UNO in den Bemühungen um eine Deeskalation in der Ukraine-Krise nur eine untergeordnete Rolle - verglichen etwa mit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Auch bei der Genfer Konferenz mit Vertretern Russlands, der Ukraine, der USA und der EU war die UNO nicht direkt eingebunden.
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