Das Risikobild 2026

„Die USA haben die größte Keule im Dschungel“

Innenpolitik
26.01.2026 20:00

Die Lage bleibt an allen Fronten angespannt. So kann man das aktuelle Risikobild, das vom Verteidigungsministerium am Montag präsentiert wurde, zusammenfassen. Vor diesem Hintergrund stand auch die Debatte über eine Verlängerung des Wehrdienstes im Mittelpunkt der anschließenden Diskussion.

Das Risikobild 2026 beschreibt die zunehmende Abkehr von einer regelbasierten, liberalen Ordnung. Großmachtrivalitäten, Protektionismus, hybride Bedrohungen und Klimawandel prägen die Sicherheitslage. Europa muss eigenständiger agieren, seine Verteidigungsarchitektur stärken und seine Resilienz aufbauen. Österreich bleibt eng in die EU-Sicherheitsstruktur eingebettet und muss hierbei seine militärische Handlungsfähigkeit sichern, heißt es in dem 300-seitigen Bericht.

Erhöhung der Verteidigungsbereitschaft ist kein Selbstzweck
„Die Erhöhung der umfassenden Verteidigungsbereitschaft in Österreich ist kein Selbstzweck, sondern eine bewusste Reaktion auf die gewachsenen Bedrohungslagen. Nur eine wehrhafte Demokratie mit einem gut ausgestatteten Bundesheer kann uns, unser Land und unsere Werte schützen“, so Verteidigungsministerin Klaudia Tanner.

Tanner und Hameseder sprachen über die Verlängerung der Wehrpflicht.
Tanner und Hameseder sprachen über die Verlängerung der Wehrpflicht.(Bild: Carina Karlovits / HBF, Krone KREATIV)

„Die USA fühlen sich wohl in diesem Dschungel“
Eine sehr anschauliche Metapher für die veränderte sicherheitspolitische Lage auf der Welt hatte Daniel Möckli von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich parat: „Wir leben in einem Dschungel und die USA fühlen sich wohl in diesem Dschungel, weil sie die größte Keule haben.“ Wir müssten uns darüber unterhalten, ob es den Westen überhaupt noch gibt, so Möckli weiter.

Das größte Risiko für Europa sei es, wie die USA den postliberale Kräften zu erliegen und einen ähnlichen Machtwechsel zu vollziehen. „Unsere größte Aufgabe ist es daher, die liberale Demokratie zu verteidigen.“

Sie kämpfen um die Vormachtstellung
Sie kämpfen um die Vormachtstellung(Bild: AP/Susan Walsh)

Geopolitisch sieht die Analyse der Militärs die Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und China als den zentralen Strukturkonflikt. Zugleich verschiebt sich das Gewicht internationaler Institutionen. Die Vereinten Nationen, die Welthandelsorganisation und selbst die NATO verlieren an Bedeutung, während autoritäre Staaten eigene Ordnungsmodelle propagieren. Wir befinden uns in einer Art Globalisierung 2.0. - eine globalisierte Welt, die den Regeln nur 2er, alles dominierender Akteure folgt. In dieser Welt heißt es insbesondere für kleinere Staaten mitmachen oder gefressen werden.

Europa muss sich auf eigene Beine stellen
Für Europa bedeutet diese Entwicklung eine doppelte Herausforderung. Einerseits schwächt die abnehmende Verlässlichkeit der USA als sicherheitspolitischer Garant die bisherige transatlantische Sicherheitsarchitektur, andererseits zwingt die wachsende Systemkonkurrenz zu größerer Eigenständigkeit.

Keine Entspannung im Verhältnis zu Russland
Das Verhältnis zu Russland wird sich indes nicht entspannen. Russland wird bis 2035 voraussichtlich ein entscheidender, wenngleich geschwächter Akteur in Europas Sicherheitsumfeld bleiben. Sein autoritärer Kurs, die Militarisierung der Wirtschaft und die Abhängigkeit gegenüber China führen zu einem hybriden Machtprofil: außenpolitisch aggressiv, innenpolitisch fragil. 

Es wird erwartet, dass Moskau seine revisionistische Politik fortsetzen wird, jedoch nicht aus einer Position der Stärke, sondern aufgrund struktureller Verwundbarkeit. Für die EU und ihre Mitgliedsstaaten bedeutet das wahrscheinlich eine langfristige Konfrontation niedriger Intensität, gekennzeichnet durch Cyber-Operationen, Desinformation und nukleare Abschreckungsrhetorik. Militärische Auseinandersetzungen an der Peripherie Europas sind jedoch möglich.

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