Religiöse Tradition

Heiligsprechung: Der “Dienstweg” in den Himmel

Ausland
25.04.2014 17:03
Die Heiligenverehrung ist so alt wie die Kirche selbst. Wer bestimmt, wer heiliggesprochen wird? Und seit wann? Über eine 2.000 Jahre alte Tradition und ihre Wurzeln.

Am kommenden Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit im liturgischen Kalender der römisch-katholischen Kirche werden wieder einmal alle Augen nach Rom gerichtet sein: zur Heiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. Dass dieses Ereignis ein derart enormes mediales Aufsehen erregt, liegt an der außerordentlichen Beliebtheit dieser beiden bedeutenden zeitgenössischen Päpste.

Denn an sich ist die sogenannte "Kanonisation", also die Aufnahme einer Person in die Liste der Heiligen der römisch-katholischen Kirche, die im Rahmen von liturgischen Feiern angerufen und verehrt werden, keine ungewöhnliche Sache. Allein der nun heiligzusprechende Johannes Paul II. hat in seiner Amtszeit 482 Heiligsprechungen vorgenommen. Insgesamt kennt das "Martyrologium Romanum", das Verzeichnis aller Heiligen der römisch-katholischen Kirche, heute mehr als 7.000 Heilige und Selige.

Ein vollständiger Katalog aller Heiligen ist es aber nicht. Denn die gezielte Erfassung aller Heiligen mit Angaben zu Leben, Tod und Wundertätigkeit sowie deren Zuordnung zu einem Kalendertag ist kirchengeschichtlich ein recht junges Phänomen und wird erst seit Ende des 16. Jahrhunderts unternommen. 

Zunächst kein Phänomen der "Amtskirche"
Ursprünglich war die Heiligenverehrung kein Phänomen der sogenannten "Amtskirche", sondern ging direkt auf die Religiosität des Volkes zurück. Die frühen, weit über das riesige Römische Reich verstreuten Christengemeinden hielten das Gedenken an Namen und Leben von Menschen, die mit ihrem Leben und insbesondere Sterben beispielhaft gewirkt hatten, aus eigenem Antrieb hoch. Leitidee war - und ist noch heute - die Überzeugung, dass ein Mensch durch sein besonderes, beispielgebendes christliches Leben die Vollendung bei Gott erreicht habe. 

Gerade in den schweren Zeiten der blutigen Christenverfolgungen durch die römischen Kaiser in den ersten Jahrhunderten nach Christus gaben die Überlieferungen von vorbildhaften Christen den Gemeinden Halt und Mut. Ihre Gräber wurden verehrt, was auch bei den heidnischen Römern üblich und daher unverdächtig war. Erst später, als die Wirren der Völkerwanderungszeit die Begräbnisstätten außerhalb der Stadtmauern unsicher gemacht hatten, wurden die Gebeine der heiligen Märtyrer in die Kirchen gebracht und dort angebetet - der Ursprung des mittelalterlichen Reliquienkultes. 

Auf diese Weise entwickelte sich eine örtlich und kulturell recht unterschiedliche Heiligenverehrung, die wohl auch die Ablöse einer Vielzahl heidnischer Götter mit unterschiedlichen "Zuständigkeiten" durch das Christentum für die lokale Bevölkerung leichter nachvollziehbar gemacht hat. Die Grenzen zwischen Heiligenverehrung und Anbetung (die allein Gott zukommt) werden hier manchmal fließend verlaufen sein. 

Kriterien für Heiligsprechung verfeinert
Die Heiligenverehrung war schließlich wie so vieles ein Thema kirchlicher Machtpolitik geworden. Denn die bisherige Praxis der Heiligsprechung durch örtliche Bischöfe wurde etwa um das Jahr 1.000 herum von den Päpsten in Rom massiv infrage gestellt. Nur mehr die Päpste sollten ab nun die kultische Verehrung von Heiligen "erlauben" - was die Bischöfe, denen damit ihre Kompetenz zur Heiligsprechung entzogen wurde, über Jahrzehnte nicht akzeptieren wollten. 

Die Kriterien für die Heiligsprechung - wie auch für deren Vorstufe, die Seligsprechung - wurden schließlich von Papst Benedikt XIV. (Amtszeit 1734 bis 1738) erstmals umfassend geregelt und seither immer weiter verfeinert. Am Ende steht heute ein durch zahlreiche theologische Kommissionen überprüfter Prozess des "Fact Finding" über Leben und Wirken besonderer Christen, der seinen Abschluss in einer feierlichen Heiligsprechung durch den amtierenden Papst führt.

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