Herbert Kickl hält seine Neujahresansprache dieses Jahr in Kärnten, teilt dabei freilich heftig gegen die Bundesregierung aus, zeigt sich vor seinen tausenden Gästen aber auch emotional. Vor der Klagenfurter Messehalle wird mit Plakaten und Parolen gegen das blaue Treffen demonstriert. Im „Krone“-Livestream oben können Sie das Event verfolgen.
Die Veranstaltung, für die auf Plakaten mit „Kickl kommt heim“ geworben wird, bildet den politischen Start ins neue Jahr für die Bundes-FPÖ. Wie gewohnt heizte ab 10 Uhr die John-Otti-Band dem Publikum ein, bevor die FPÖ-Spitzen aus ganz Österreich in einem feierlichen Zug einmarschierten.
Eine Stunde später ging es dann los und vom Rednerpult wurde ausgeteilt: Nach dem Klagenfurter Stadtparteiobmann Gernot Darmann und dem Kärntner Landesparteichef Erwin Angerer gehört die Bühne Kickl selbst.
Zwischen Rundumschlag und Melancholie
Für ihn wurden rund 90 Minuten Redezeit reserviert – und die nutzte er wie gewohnt für einen Rundumschlag gegen die Regierung („eine dreifärbige Hydra mit zu vielen Köpfen“, die „Österreich in den Rollator-Modus“ versetzt habe), den Bundespräsidenten („der Schulsprecher“), die EU („der Abschleppwagen Österreichs“) und viele mehr. Vor allem zu Beginn gab es aber auch persönliche Worte, wirkte der FPÖ-Chef fast melancholisch: Die Bühne hier sei „zu groß für ihn alleine“, seine Mama, die er am Sonntag besuchen will, solle sich zudem nicht so viele Sorgen um ihn machen.
Vor den Toren der Messehalle fanden bereits vor 10 Uhr Proteste gegen das blaue Großevent statt – auf Plakaten sind unter anderem Sprüche wie „Kein Fußbreit dem Faschismus“ und „Smrt Fašizmu“ (deutsch: Tod dem Faschismus) zu lesen. „Wir sind heute hier, weil wir aufzeigen, wie hetzerisch und verachtend Kickl und seine Partei sind“, sagt eine Demonstrantin.
Auf der anderen Straßenseite drängen etliche Menschen ins Messezentrum, wo sie auch mit Metalldetektoren kontrolliert werden. Überall spielt Musik: beim Eingang eine Trachtenkapelle, in der großen Halle die John-Otti-Band.
Aus dem ganzen Land reisten die Freiheitlichen Funktionäre an – von den Chefs der Länderorganisationen und Bundespolitiker wie Nationalratspräsident Walter Rosenkranz, über EU-Abgeordnete wie Harald Vilimsky aber auch Volksanwalt Christoph Luisser und ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler.
Kickl betritt die Bühne
Nach kurz gehaltenen Reden von Darmann und Angerer nimmt Kickl die Bühne für sich ein – immer wieder in den Kärntner Dialekt abrutschend erzählt er, wie sein „Herz pumpert“ und er ob des Applauses „Ganslhaut“ bekommt. Seinen Anhängern verspricht er: „Es wird unser Jahr, es wird ein freiheitliches Jahr!“ Er komme sich hier in Kärnten fast so vor wie der verlorene Sohn, und habe „riesen große Sehnsucht nach seinem Kärntnerland.“ Will Kickl etwa doch als Landeshauptmann in seiner Heimat kandidieren?
Jörg Haider war ein Schutzpatron der österreichischen Gesellschaft – danke Jörg! Der Koralmtunnel sollte Haider-Tunnel heißen!
Herbert Kickl über den 2008 verstorbenen Kärntner Landeshauptmann
Gegen die Regierung teilte der FPÖ-Chef in gewohnter Manier aus, bezeichnete sie als Hydra – „dreifärbig mit 21 Köpfen“ – und als „Wapplertruppe“. Österreich sei dank der Dreierkoalition im Rollatormodus. Bundespräsident Alexander Van der Bellen bekommt freilich auch Kritik ab: „Er degradiert Österreich zu einem Beiwagerl der Europäischen Union!“
Österreich ist im Rollatormodus!
kritisiert Herbert Kickl die Bundesregierung.
Kickl wenig emotional, Publikum verhalten
„Es braucht einen Volkskanzler, der die Seele des Volkes versteht“, fordert Kickl, der anders auftritt, als man ihn kennt: Seine Rede hört sich monoton an, er spricht, nicht wie sonst, wenig emotional. Das Publikum macht es ihm nach: Der Applaus ist meist verhalten, während der Bundesparteiobmann auf der Bühne steht, wird unter den Zuschauern weiter geredet. Zurufe gibt es nur ab und zu – bei Erwähnungen von Haider oder dem „Gender-Wahn“.
Bei mehreren Hütten gibt es Kaffee, Soft Drinks und Bier zu kaufen – lange muss man nirgends anstehen, die „Kärntner Schmankerl“ scheinen gar nicht zu interessieren.
Kickl spaltet die Nation
Die Freiheitlichen agieren aktuell aus einer Position der Stärke. In Umfragen stehen die Blauen historisch gut da. „Der Höhenflug der FPÖ in den Umfragen liegt nicht daran, dass der Kickl so gut ist. Sondern daran, dass diese Regierung so schwach ist“, erklärte jüngst Burgenlands SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil in gewohnt bissiger Manier.
Die FPÖ sieht das freilich anders. Obwohl: Kickl selbst spaltet nach wie vor die Nation. Im aktuellen APA-OGM-Vertrauensindex landet er auf dem vorletzten Platz. Nur ÖVP-Klubobmann August Wöginger, der aktuell mit Postenschacher-Vorwürfen zu kämpfen hat, schneidet im Ranking schlechter ab.
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