Kelly Dugan und Mina Walker trafen sich auf der New Yorker Kunst-Uni und wollten eigentlich Richtung Schauspiel gehen – aus reinem Spaß entstand die gemeinsame Band Daisy The Great, mit der sie heuer das dritte Album „The Rubber Teeth Talk“ veröffentlichten. So wurde aus Spaß eine Karriere – die noch immer floriert.
Kelley Nicole Dugan und Mina Walker hatten eigentlich was ganz anderes vor, als eine Indiepop-Band zu gründen. Ursprünglich trafen sie sich an der New York University Tisch School Of The Arts und wollten über kurz oder lang in die Schauspielerei eintauchen. „Diese Welt hat uns beide fasziniert“, erzählt Walker der „Krone“ im gemeinsamen Gespräch, während Dugan ergänzt, „anfangs waren wir beide uns gar nicht so nahe, bis wir auf der Uni im Fach ,Kreatives Schreiben‘ ein gemeinsames Projekt hatten und daraus einen Song kreierten. Dadurch ist unsere Freundschaft aufgeblüht.“ Zuerst arbeiten die beiden immer öfter zusammen, so ganz nebenbei passt die Dynamik auch auf der privaten Ebene, abseits all der Kunst und Kultur, mit der sich die beiden umgeben. „Ich habe in meinem Leben schon so viele Horrorgeschichten von Menschen gehört, die als gute Freunde zusammenarbeiten. Bei uns war das nie ein Thema.“ Wichtig ist dabei wohl Walkers Maxime: „Wir haben dieselben Vorstellungen, aber unterschiedliche Stärken.“ Wer das erkennt und pusht, der hat einen klaren Standortvorteil im Business.
Eine Karriere aus dem Nichts
Dass die Musik schlussendlich zu einem Business wurde, verdankt man glücklichen und unerwarteten Umständen. 2026 feiern Daisy The Great bereits ihr Zehn-Jahres-Bandjubiläum – nicht schlecht dafür, dass man sich rein aus Spaß gründete und keine Intentionen in Richtung einer Karriere oder dergleichen pflegte. „In erster Linie geht es uns darum, Leute zu treffen, eine Community aufzubauen, zusammen Musik zu machen und Spaß zu haben. Das hält uns kreativ und offen und so versuchen wir auch, uns immer einen kindlichen Zugang zum Tun zu bewahren.“ Den ersten großen Durchbruch gab es schon 2017. „The Record Player Song“, die erste richtige Single des Duos, haben sich auch die US-Spaßrocker AJR vorgenommen und breitenwirksam bekannt gemacht. Mittlerweile haben Daisy The Great monatlich mehr als 820.000 monatliche Spotify-Streams zu Buche stehen, was zu einem durchaus großen Teil am Durchbruchssong liegt.
„Eigentlich gab es den Song schon viel früher“, erinnert sich Dugan zurück, „die Musik, der Text, die Struktur – es war alles vorhanden, aber irgendwie hat es noch nicht ganz gepasst. Erst drei Jahre später, als ich an Alter und Erfahrungen dazugewonnen habe, war das Lied für mich als solches schlüssig und hat Sinn gemacht. Ich habe erst später in meinem Kopf sortiert, was ich eigentlich damit mitteilen wollte.“ Daisy The Great singen über die kleinen Tücken des Alltags, über diverse Unzulänglichkeiten, Unsicherheiten und die Erlebnisse, die das Freundinnen-Gespann gemeinsam und auch getrennt voneinander erlebte. Ernsthaftigkeit, Spaß und eine gewisse Dosis Ironie geben sich dabei die Hand. „Zu viel Ironie ist aber oft auch nur ein Weg, um sich zu verstecken“, schmunzelt Walker, „wir suchen nach der richtigen Balance und wollen es damit nicht übertreiben.“
Frühe Europaerfahrungen in Wien
Für Dugan ist es ganz natürlich, dass es eine gewisse Zeit brauchte, um sich wirklich öffnen zu können. „Um sich verletzlich zu zeigen, muss man viel Mut aufbringen, aber dabei darf der Spaß nie zu kurz kommen. Er sorgt für die kathartischen Momente und hilft, gewisse Themen leichter verarbeiten zu können. Er ist genauso wichtig wie die kleinen Momente der Ehrlichkeit und des Tiefgangs in den Texten.“ 2019 schnupperte die Band mit dem Debütalbum „I’m Not Getting Any Taller“, ein, wie es der Titel bereits suggeriert, spielerisches Coming-Of-Age-Album erstmals Luft außerhalb des Single-Hits, die Corona-Jahre nützte das Duo, um akribisch am Nachfolger „All You Need Is Time“ zu arbeiten. Der brachte sie nicht nur als Vorgruppe von The Kooks, The Vaccines oder den Indigo Girls auf die Bühne, sondern im Spätsommer 2023 erstmals nach Europa. Im Wiener Gürtellokal Chelsea spielten Daisy The Great übrigens ihr zweites Europa-Konzert überhaupt.
Diesen Frühling veröffentlichten die New Yorkerinnen das Drittwerk „The Rubber Teeth Talk“, das sich zwar nicht allzu weit von der bekannten Soundformel entfernt, die beiden aber trotzdem gereift und stellenweise auch mutiger zeigt. Entscheidend dafür war die veränderte Aufnahmemethode. Anstatt jeweils zu Hause an den eigenen Spuren zu feilen, hat man sich zusammen ins Studio eingeschlossen und ein Album erstmals als Band in einer Live-Atmosphäre aufgenommen. Das geht zugunsten der Harmonien und einer wärmeren Produktion, die das zugängliche Wesen der live auf sechs Frauen aufgequollenen Band noch akkurater einfängt. Mehr denn je stehen die beiden Gesangsstimmen im Zentrum des Geschehens. „Prinzipiell schreiben wir über uns selbst und unsere Erfahrungen. Die Dummheiten unseres realen Lebens dienen gerne als Unterlage für einen Song.“
Bewusst neue Wege einschlagen
Beim Drittwerk ist man aber doch etwas von diesem Grundprinzip abgekommen, denn es geht um Träume, die mal mehr, mal weniger wahr werden und sinnbildlich für die Taten und Entscheidungen im realen Leben stehen. Um mit Produzentin Catherine Marks zusammenarbeiten zu können, hat man sogar ein Jahr lang gewartet, bis ihr Kalender es zuließ. Auch wenn die beiden Damen ihre Songs getrennt voneinander schreiben, sie fügen sich kongruent zusammen und beweisen, dass die Bande zwischen ihnen doch stärker ist, als es ein normales Businessprojekt erlauben würde. Dass man dem viralen Erfolg von „The Record Player Song“ nicht nachläuft, sondern bewusst neue Wege einschlägt, könnte auf Langstrecke belohnt werden. Und auch auf die Schauspielambitionen müssen Daisy The Great nicht verzichten. „Das leben wir auf der Bühne und in den Musikvideos aus“, so Walker, „wir wollen mit der Band eine eigene Welt erzeugen und das geht am besten, wenn wir authentisch sind. Wir haben eine klare Vision von allem, was wir uns in dieser Band vorstellen.“
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