Flug MH370
Premier: “Wir können nicht ewig Wrackteile suchen”
"Wir suchen weiter, weil wir es den Menschen schuldig sind, alles zu tun, um dieses Rätsel zu lösen", sagte Abbott am Mittwoch im Parlament. Einschränkend fügte er hinzu: "Die Suche ist aber nicht völlig unbefristet. Trotzdem ist sie nicht etwas, was wir leicht aufgeben würden." Der Einsatz eines einzigen Aufklärungsflugzeugs kostet mehr als 60.000 Euro am Tag.
Nach gut einer Woche Suche nach der Maschine, die am 8. März mit 239 Menschen an Bord verschwunden war, ist nach wie vor noch kein Wrackteil eindeutig identifiziert, geschweige denn geborgen worden. Nach Ansicht von Forschern wird es wegen der Strömungen in der betroffenen Region immer schwieriger, die Absturzstelle noch zu finden.
Das australische Kriegsschiff "HMAS Success" will am Mittwoch ein Gebiet absuchen, in dem am Montag ein australisches Militärflugzeug ein rundes und ein rechteckiges Objekt gesichtet hatte. Zuvor hatte ein chinesisches Aufklärungsflugzeug bereits größere, weiße Objekte entdeckt. Auch Satellitenbilder hatten Gegenstände auf dem Wasser gezeigt.
Neue Satellitenaufnahmen: 122 mögliche Wrackteile
Am Mittwoch wurden dann neue Satellitenbilder der Airbustochter "Airbus Defence and Space" mit möglichen Wrackteilen präsentiert. 122 Objekte seien auf den Aufnahmen vom 23. März zu sehen, sagte der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein in Kuala Lumpur. Die Bilder stammen demnach aus der Region, wo Maschinen und Schiffe seit Tagen suchen. Nach Angaben Husseins sind einige Teile davon bis zu 23 Meter lang. Ob es sich tatsächlich um Wrackteile oder gewöhnliches Treibgut handle, sei noch unklar: "Wir müssen betonen, dass wir nicht wissen, ob diese Objekte zu Flug MH370 gehörten."
China machte erneut Druck auf Malaysia, präzise Auskünfte zu den Ermittlungen zu geben. Auf einer Kabinettssitzung betonte Regierungschef Li Keqiang nach Angaben der Staatsmedien vom Mittwoch, dass keine Mühen gescheut würden, um das Flugzeug zu finden. Malaysia solle die Suchaktion weiter koordinieren und die chinesischen Experten in die Ermittlungen einbeziehen, hieß es. China hatte sich immer wieder unzufrieden über die Informationspolitik Malaysias gezeigt.
Die malaysische Regierung hatte am Montag erklärt, die Boeing 777 sei in einem abgelegenen Gebiet des Indischen Ozeans auf der Höhe der westaustralischen Stadt Perth ins Meer gestürzt. Das Flugzeug war am Morgen des 8. März auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking aus bisher ungeklärten Gründen von den Radarschirmen verschwunden. Warum die Maschine im Indischen Ozean, weitab von ihrer normalen Flugstrecke, niederging, ist auch gut zwei Wochen nach dem Unglück völlig unklar.
Psychologin: "Transparente Kommunikation wichtig"
Offiziell wurde Flug MH370 zwar für verloren erklärt, doch die Hinterbliebenen sind nach der verwirrenden Kommunikationspolitik der malaysischen Regierung misstrauisch und fordern Beweise für den Absturz. "Wichtig wäre eine transparente Kommunikation", sagte dazu die Wiener Psychologin Irene Rausch, die auch Flugangst-Seminare leitet, am Mittwoch im Gespräch mit der APA.
Solange keine Wrackteile gefunden werden, könnte es bei Angehörigen zu einer "Realitätsverweigerung kommen". Dadurch, dass bisher nichts von der Maschine gefunden wurde, könnten sich Angehörige Hoffnung machen, dass es Überlebende gibt - "auch wenn die völlig unrealistisch ist".
Emotionale Unterstützung der Angehörigen erforderlich
Neben praktischer Unterstützung wie der Regelung von Alltagsdingen, damit die Angehörigen den Kopf freibekommen, sei nun laut Rausch emotionale Unterstützung erforderlich: "Zeit nehmen, zum Reden ermuntern, eine Schulter zum Anlehnen anbieten." Klare Gedankengänge sind für die Hinterbliebenen "nicht so gut möglich, sie befinden sich in einem Ausnahmezustand".
Bei einem plötzlichen Todesfall wie durch einen Flugzeugabsturz gebe es demnach keine Möglichkeit zum Abschiednehmen. "Hier übernehmen Ersatzrituale wichtige Funktionen", erklärte die Expertin, die auch bei der Kaprun-Katastrophe im Einsatz war. So sei es beispielsweise für den Fall, dass persönliche Gegenstände gefunden werden, wichtig, diese den Angehörigen zu refundieren - das "erleichtert die Trauer".
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