Den Sommerhit des Jahres 2025 hatten wir schon im März – mit „Show Me Love“ eroberte WizTheMC aka Sanele Sydow die Charts und auch die Bühnen. Mit der EP „Yebo“ gab er unlängst noch mehr Kostproben seines Könnens ab – wird 2026 sein Jahr? Wir haben nachgefragt.
Seele, Freude und eine untrügliche Liebe zur Melodie – das sind die drei Hauptzitate in der Musik von Sanele Sydow, der unter seinem Alias-Namen WizTheMC gerade die Musikwelt von Berlin aus aufmischt. Geboren ist Sydow im südafrikanischen Kapstadt, zog aber bereits als Zweijähriger mit seinen Eltern ins niedersächsische Lüneburg. In der 77.000-Einwohner-Stadt wuchs er beschaulich auf und kam früh mit Musik in Berührung. Der Wunsch, selbst Lieder zu kreieren und damit auf die Bühne zu gehen, hatte sich früh herausgebildet. „Spätestens nach dem Sommer 2014 war das für mich klar“, erinnert er sich im „Krone“-Gespräch an sein 15-jähriges Ich zurück, „ich fing damals mit Freunden zu rappen an und habe im Kinderzimmer Beats gebastelt und Texte geschrieben. Das fiel mir unheimlich leicht und war eine Zäsur in meinem Leben. Die drei, vier Jahre davor bin ich voll auf Foto und Film abgefahren, habe mir dort auch schon viel Wissen angeeignet. Dann kam die Musik.“ Sydow sah im Fernsehen eine Doku darüber, wie man seine Träume verwirklicht und stellte sich einen Zehnjahresplan auf.
Dritte Heimat Kanada
Nächster Stopp: Nordamerika. Mit 18 zieht Sydow selbstständig nach Toronto in Kanada, um seinem Traum von einer selbstständigen Karriere als Musiker näherzukommen. „In meinem Zehnjahresplan war ein Punkt, meinen Akzent zu verlieren, den ich mir in Lüneburg angeeignet habe. In Toronto bin ich mehrmals die Woche bei Open-Mic-Abenden aufgetreten und musste mich auf Englisch beweisen. Ich habe insgesamt vier Jahre in Kanada gelebt und dabei irrsinnig viel gelernt. Wahrscheinlich mehr über mich selbst und das Leben an sich als über die Musik.“ Während andere Jungkünstler instinktiv nach Berlin, London oder Los Angeles ziehen würden, konzentrierte sich Sydow früh auf Kanada. „Künstler wie Drake oder The Weeknd kommen von dort, Toronto ist längst auch eine Musikhauptstadt geworden. Sie wird im Vergleich zu L.A. oder New York nur oft übersehen – was ein großer Fehler ist.“
An Berlin kam WizTheMC früher oder später auch nicht mehr vorbei, seine Einflüsse bezieht er aus unterschiedlichsten Bereichen. „Jeder neuer Ort, an dem man ist und jeder neue Mensch, den man kennenlernt, haben Auswirkungen auf das Songwriting. Je mehr ich kennenlerne, umso offener werde ich selbst. Ich liebe es, dazuzulernen und in neue Kulturen einzutauchen.“ Einige Lieder und EPs dauert es, bis ihm der Song „For A Minute“ während der Pandemie 2020 erstmals breitenwirksame Aufmerksamkeit einbringt. Er findet Verwendung in der Netflix-Produktion „Einer wie keiner“ und der beliebten Serie „Grey’s Anatomy“, was Sydow darin bestärkt, weiter alles auf eine Karte zu setzen und noch tiefer und stärker in die Welt der Musik einzutauchen. Zudem sind seine Songs, die zwischen Rap, Reggae, Pop und sanften Dancehall wabern, bekömmlich und auf Englisch gehalten. „Seit ich Musik wahrnehme, habe ich sie auf Englisch gehört. Queen und Freddie Mercury waren meine ersten Helden. Auf Deutsch erreiche ich maximal 100 Millionen Menschen, auf Englisch sind es ungefähr acht Milliarden.“
Auf der Suche nach mehr Hits
Die beiden letzten Jahre nutzte WizTheMC, um an seinem Sound zu schrauben und die nächsten Karriereschritte zu kalibrieren. Die Adaptierung hat sich jedenfalls ausgezahlt, denn durch die Zusammenarbeit mit dem Produzententeam Bees & Honey gelangen ihm dieses Jahr gleich zwei Hits. Im März katapultierte er sich mit „Show Me Love“ bis auf Platz sechs der österreichischen Single-Charts und räumte in Großbritannien dafür Silber ab, im Sommer folgte mit „Take My Mind“ die nächste gemeinsame Kooperation, die in die Radios und Gehörgänge der immer zahlreicher werdenden Fans Einzug fand. Vom temporären Erfolg lässt er sich aber nicht blenden. „Es ist toll, dass ich jetzt zwei Songs habe, durch die mich die Menschen erkennen, aber man braucht schon 20 oder 30 eines solchen Kalibers, um als Künstler eine Generation begeistern zu können. Das ist auf jeden Fall ein Fernziel von mir, dass ich noch viele Hits veröffentlichen kann.“
Erste Gehversuche in Österreich sind bereits erfolgreich absolviert. Diesen Sommer begeisterte er im VAZ St. Pölten im Zuge des Frequency Festivals, seinen allerersten Auftritt hatte er im schwitzigen Flex Café am Donaukanal, woran er sich noch immer gerne zurückerinnert. „Ihr Österreicher hattet dort eine Energie, die war anders als sonst in Europa. Da passten keine 300 Menschen in den Raum, die Decke war niedrig und der Schweiß rann, bevor man auf die Bühne ging. Ich war mit dem Publikum auf Augenhöhe und hatte das Gefühl, dass jeder Mensch im Raum den Abend kollektiv gespürt hat.“ Bis zum ersten Full-Length-Album dauert es noch etwas, seine zwei Erfolgstracks und weitere Songs hat er aber Anfang November auf die EP „Yebo“, bedeutet „ja“ auf Zulu, einer der wichtigsten Sprachen im südlichen Afrika, gepackt. Indie-Sounds, Hip-Hop und Afrobeats gehen eine sommerliche Liaison ein, die den trüben Frühwinter zumindest temporär vergessen machen.
Musik als Lebenselixier
Dass mit den ersten Hits auch gesteigerte Erwartungshaltungen mit einhergehen, ist Sydow bewusst. „In erster Linie beruhigt mich die Tatsache, dass Geld reinkommt und ich erstmals überhaupt mit meiner Musik meine Miete bezahlen kann. Aber natürlich muss man nachlegen und weitermachen, was hemmend sein kann, wenn man sich zu stark auf den ersten Erfolg fokussiert. Ich mache meine Musik weiterhin mit denselben Leuten, die ich mag und denen ich vertraue und lasse mich nicht von äußeren Einflüssen verunsichern.“ WizTheMC genießt nicht nur den erfolgreichen Moment, sondern hat, ganz wie es seinem organisierten Naturell entspricht, auch mehrere Ideen für unterschiedliche Szenarien in der näheren Zukunft. „Ich weiß, dass mir die Musik liegt und dass ich in dieser Welt am besten bin. Ich will auf dieser Reise so viel wie möglich aufsaugen und für den Rest meines Lebens Musik machen.“ Und wer weiß – vielleicht kommt er dann nicht mit zwei, sondern wirklich mit 20 Hits zu einem Großkonzert nach Österreich …
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