Tochter übernimmt

Generationenwechsel bei McDonald‘s-Betreiber

Vorarlberg
27.11.2025 06:06

Beim Vorarlberger McDonald’s-Betreiber Loek Versluis steht ein Generationswechsel an – Tochter Barbara übernimmt das Business. Autor Robert Schneider hat zum Doppelinterview gebeten. 

Mit Sicherheit ist er einer der umtriebigsten und unkonventionellsten Geschäftsleute in Vorarlberg. Vielleicht hängt es mit seiner Herkunft zusammen. Die Holländer sind ja sprichwörtlich dafür bekannt, dass es ein „Geht nicht“ nicht gibt, dass mit Chuzpe und Charme doch alles zu lösen ist. Zumindest in geschäftlicher Hinsicht. Denn leicht wurde es ihm hier im Ländle gewiss nicht gemacht.

Kaum ein Geschäftsmann hatte und hat noch immer mit so vielen Vorurteilen zu kämpfen wie er. Bei McDonald’s essen zu gehen, ist noch immer mit einem Naserümpfen verbunden. Gleichzeitig ist kaum ein Restaurantbetrieb derart strengen Lebensmittelkontrollen und -auflagen unterworfen wie eben diese Fast-Food-Kette.

Nun steht für den bald 65-jährigen Franchiseunternehmer Loek Versluis die Szepterübergabe an seine Tochter Barbara ins Haus, wobei er sicherlich nicht ans Aufhören denken wird. Er nicht. Zu leidenschaftlich ist er noch bei der Sache, wie sich im Gespräch herausstellt. Zu sehr liebt er seinen Beruf, den er als Gastgeber begreift. 

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Barbara musste durch alle Trainingsphasen und Hearings im Konzern in Wien hindurch, wie alle anderen Bewerber.

Loek Versluis

Während wir miteinander in der Filiale in Bürs Smalltalk halten, schweift sein Blick immer wieder ab. Kontrollblicke. Rein mechanische. Ist dieser Tisch sauber? Liegt irgendetwas am Boden? Wurde dort die Bestellung freundlich serviert? Sieht draußen auf den Parkplätzen alles aus, wie es aussehen soll? „Am meisten habe ich in meinem Leben durch das stille Beobachten gelernt“, resümiert Versluis im Interview, das ich gemeinsam mit seiner Tochter Barbara führe.

Aber es ist doch ein Generationenwechsel, der jetzt ansteht. Die Jungen haben eine andere Herangehensweise an die Materie und sich in einem Beruf ganz und gar zu verlieren, ist nicht mehr. Der in der Babyboomer-Generation arg geschundene Begriff Work-Life-Balance ist für Loeks Tochter Barbara kein leeres Wort. „Du hast viel gearbeitet, dafür warst du auch selten zu Hause“, sagt sie im Gespräch, und es klingt fast ein wenig vorwurfsvoll. Dennoch hat sie den Schritt ins eigenverantwortliche Berufsleben gewagt.

„Krone“: Barbara, war die Entscheidung, in die Fußstapfen des Papas zu treten, freiwillig? Wurde da etwa sanfter Druck ausgeübt?
Loek Versluis: Überhaupt nicht, überhaupt nicht! (Sie lacht.) Nein, jetzt aber im Ernst. Meine Eltern sagten immer: Lerne das, was dir wirklich Spaß macht. Dann unterstützen wir dich auch.

Vater und Tochter im Gespräch mit Autor Robert Schneider – natürlich im hauseigenen Café.
Vater und Tochter im Gespräch mit Autor Robert Schneider – natürlich im hauseigenen Café.(Bild: Mathis Fotografie)

Für dich, Loek, muss das doch wunderbar sein. Fräulein Tochter übernimmt das Franchise-Unternehmen. Keine feuchten Augen bekommen?
Loek Versluis: Natürlich war das mein stiller Wunsch, aber die Entscheidung lag nicht an mir. Barbara musste durch alle Trainingsphasen und Hearings im Konzern in Wien hindurch, wie alle anderen Bewerber. Da zählte es nicht, ob sie zufällig meine Tochter ist. Das war nicht so, wie man in der Politik sagt: eine gemähte Wiese.

Barbara, was hast du ursprünglich für eine Ausbildung absolviert?
Barbara Versluis: Ich habe die Tourismusschule in Bludenz absolviert, wusste aber nie wirklich, was ich machen will. Goldschmiedin wäre etwas gewesen, was mir sehr gefallen hätte, aber auch das Erlernen von Sprachen. Und natürlich Leichtathletik, weil ich so groß bin. Da war ich richtig gut. Aber ich bin einmal beim Hochsprung auf den Rücken gefallen. Seitdem hatte ich eine Blockade im Kopf. Ich traute mich einfach nicht mehr zu springen. Also habe ich verschiedene Praktika in Lech gemacht, wo ich natürlich meine Sprachenkenntnisse einsetzen konnte. Das war eine coole Zeit. Auch in der Modebranche habe ich mich umgetrieben. Mein Mann macht das ja hauptberuflich. Er ist Franzose.

Apropos Sprache: Hat der Papa mit euch Kindern daheim Niederländisch gesprochen?
Barbara Versluis: Ich wollte das nicht. Ich sagte immer: Papa, hör auf damit, das klingt so komisch.
Loek Versluis: Sie hat einen kleinen Sohn, zwei Jahre, und mit dem rede ich wieder holländisch, wenn Opa-Tag ist. Der muss einfach mithören.

Ich möchte auf die Hofübergabe bei McDonald’s in Vorarlberg zu sprechen kommen. Loek, was glaubst du, kannst du deiner Nachfolgerin mitgeben?
Loek Versluis: Ich glaube, das ist ganz einfach: Geh in die Betriebe und schaue, was nicht funktioniert, was anders laufen sollte. Dann nimm diese Beobachtung und ändere das in deinem Betrieb.

Barbara, du bist jetzt seit wenigen Wochen Geschäftsführerin in Bürs. Keine schlaflosen Nächte gehabt?
Barbara Versluis: Natürlich. Der Papa ist eine große Vorgabe, aber ich traue mir das zu, gerade als Frau, was den Führungsstil betrifft, den Respekt untereinander. Außerdem habe ich ein Faible für Problemlösungen. Da laufe ich richtig warm, werde kreativ, auch wenn man mir das vielleicht gar nicht zutraut. Und klar, wenn es gut läuft und ich selber gut bin, möchte ich auch wachsen.

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Der Papa ist eine große Vorgabe, aber ich traue mir das zu, gerade als Frau, was den Führungsstil betrifft und den Respekt.

Barbara Versluis

Doch ganz der Papa?
Loek Versluis: Man muss immer wieder dazusagen, dass die großen Entscheidungen letztlich in Wien getroffen werden. Mit Vitamin B geht da gar nichts, auch wenn Barbara meine Tochter ist.

Eine Frage an Vater und Tochter gleichzeitig: Hat sich die Einstellung zur Arbeit in der Gesellschaft nicht radikal gewandelt?
Loek Versluis: Das Gefühl der Verantwortlichkeit hat sich sehr geändert. Wenn etwas nicht passt, bin ich halt weg. Krieg ja morgen wieder einen anderen Job. Dann die Arbeitszeiten. Du, Loek, ich hätte am Freitag gerne frei, weil ich mit meinem Hund spazieren muss. Das gab es zu meiner Zeit einfach nicht. Aber der wichtigste Punkt ist der Hausverstand. Mir kommt vor, dass er in dieser Generation kaum mehr vorhanden ist. Es ist doch normal, dass, wenn ich die Tür aufmache, sie auch wieder zumache.
Barbara Versluis: Vielleicht nicht die ganze Generation, aber ich gebe dem Papa schon Recht. Wenn man etwas kritisiert, auch wohlwollend, werden sofort die Augen verdreht.

Eine Sache muss ich noch ansprechen, die viele nicht wissen. Loek ist mit Leidenschaft in sozialen Projekten engagiert. Gerade entsteht der 6. Standort der Kinderhilfe in Österreich, ein Haus in Feldkirch, das im kommenden März eröffnet werden wird. Wirst du, Barbara, diese Idee fortführen?
Barbara Versluis: In jedem Fall werde ich diese Idee fortführen. Es ist nicht selbstverständlich, dass es mir gut geht und ich die Chancen und auch Ressourcen hatte, mich frei zu entfalten. Da ist der Papa schon ein großes Vorbild für mich.
Loek Versluis: Ich werde bei der Eröffnung „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ von Rudi Carrell singen. Er ist ja ein großer Landsmann von mir. Ich bin jetzt schon fleißig am Üben! (Beide lachen.)

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