Vier Jahre nach dem offiziellen Verbot kehren immer mehr Kryptowährungsschürfer nach China zurück. Begünstigt durch die Rekordjagd von Bitcoin, Ethereum und Co sowie billigen Strom ist die Volksrepublik aktuell die weltweite Nummer drei in diesem Markt.
„Bitcoin-Mining ist in China offiziell nach wie vor verboten“, sagt Julio Moreno, Chefanalyst des Research-Hauses CryptoQuant. „Dennoch gibt es weiterhin erhebliche Kapazitäten, die genutzt werden.“ Dem Branchendienst Hashrate Index zufolge wurden zuletzt 14 Prozent aller Cyber-Münzen dort geschürft.
Beim sogenannten Mining oder Schürfen stellen Nutzer Rechenkapazitäten für die Verschlüsselung und Echtheitsprüfung von Transaktionen zur Verfügung. Sie werden dafür in der jeweiligen Kryptowährung entlohnt. Da für das Mining Hochleistungsrechner benötigt werden, ist der Zugang zu günstigem Strom ein wichtiger Standortfaktor.
Strom und Rechenkapazitäten im Überfluss
In der chinesischen Provinz Xinjiang sei Energie im Überfluss vorhanden, erläutert ein lokaler Schürfer. Da sie nicht in andere Regionen transferiert werden könne, werde sie vor Ort zur Verifizierung von Kryptowährungstransaktionen genutzt. In Xinjiang befänden sich zahlreiche Mining-Projekte im Bau. Einem anderen Brancheninsider zufolge wollten einige Lokalregierungen mithilfe von Mining ihre überdimensionierten örtlichen Rechenzentren auslasten. Die chinesischen Behörden waren für eine Stellungnahme zu diesem Thema nicht zu erreichen.
Die wieder zunehmende Bedeutung des chinesischen Marktes spiegelt sich auch in den Zahlen von Canaan wider. Das Unternehmen ist der weltweit zweitgrößte Anbieter von Spezialrechnern für Krypto-Mining. Einer Pflichtmitteilung zufolge machte es im vergangenen Jahr rund 30 Prozent seines Umsatzes mit chinesischen Kunden. Laut einem Insider lag der Anteil im zweiten Quartal 2025 bei mehr als 50 Prozent. Zu den genauen Zahlen wollte sich Canaan nicht äußern. Die in Singapur beheimatete Firma weist darauf hin, dass der Verkauf von Mining-Servern in der Volksrepublik nicht illegal ist.
Veränderter Blick auf Bitcoin und Co
Bis 2021 war China der Weltmarktführer im Krypto-Mining. Dann verbot die Regierung in Peking den Handel mit und das Schürfen von Cyber-Devisen. Sie begründete dies mit Gefahren für die Stabilität des Finanzsystems und ihre Klimaschutzziele. Die Behörden sahen Bitcoin zudem als Mittel für Kapitalflucht. Viele Schürfer verlagerten ihr Geschäft daraufhin ins Ausland, unter anderem nach Nordamerika und Zentralasien.
Dem Siegeszug von Internet-Währungen tat dies keinen Abbruch. Seit dem China-Verbot hat sich der Kurs von Bitcoin zeitweise nahezu vervierfacht. Im Oktober markierte er mit rund 126.000 Dollar (rund 109.000 Euro) ein Rekordhoch. Die Abkehr von der bisherigen harten Haltung der chinesischen Behörden sei daher keine Überraschung, sagt Patrick Gruhn, der Chef von Perpetuals.com. Sein Unternehmen bietet Infrastruktur für den Handel mit Kryptowährungen an. Bei entsprechend starken wirtschaftlichen Anreizen sei die chinesische Politik flexibel, fügt Gruhn hinzu.
So trat im Sommer in Hongkong ein Gesetz zur Regulierung sogenannter Stablecoins in Kraft. Es gilt als Konkurrenzmodell zu einem entsprechenden US-Regelwerk. Der Kurs von Stablecoins ist an einen Basiswert wie den US-Dollar oder Gold gebunden. Insidern zufolge erwägt die Regierung in Peking die Genehmigung eines an den Yuan gebundenen Stablecoins. Damit solle die weltweite Akzeptanz der chinesischen Währung gefördert werden.
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