Jagd auf Zivilisten

US-Technik ermöglicht russische Kriegsverbrechen

Elektronik
28.01.2026 12:25

Russische Truppen machen in der Ukraine mit Drohnen gezielt Jagd auf Zivilisten. Ermöglicht wird das durch Technik der US-Firma Ubiquiti, die an Russland geliefert wird, indem Sanktionen umgangen werden. Der Konzern schützt Unwissenheit vor.

Mit sogenannten First-Person-View-Drohnen machen russische Soldaten in der Ukraine Jagd auf Menschen. Um eine solche Drohne zu lenken, braucht der Pilot eine drahtlose Verbindung. Dieses Signal wird in vielen Fällen durch Funkbrücken des Milliardenkonzerns Ubiquiti bereitgestellt, wie das Investigativmedium „Hunterbrook“ aufdeckte. Die Plattform identifizierte neun russische Militäreinheiten in der Ukraine, denen Kriegsverbrechen vorgeworfen werden und diese Ausrüstung verwenden.

Zehntausende Antennen in Verwendung
Grob geschätzt sind zehntausende solcher Geräte beim russischen Militär in Gebrauch, um Drohnen zu steuern, aber auch generell für die Kommunikation am Schlachtfeld. Rund 80 Prozent der russischen Funkbrücken, auf die man gestoßen sei, waren von der Firma Ubiquiti, erklärte ein ukrainischer Kommunikationsoffizier gegenüber „Hunterbrook“. Denn „Ubiquiti ist für normale Menschen gemacht – im Grunde Plug-and-play. Es gibt unzählige Tutorials auf YouTube.“

Auch das Starlink-Satellitensystem von US-Milliardär Elon Musk wird von Russland verwendet, um Shahed-Drohnen zu steuern. Diese Verbindung ließe sich aus der Ferne abschalten, wie nun der polnische Vize-Premier Radosław Sikorski forderte. Ein Schritt, der aber auch die ukrainische Kommunikation empfindlich treffen dürfte. Ubiquiti-Antennen lassen sich jedenfalls nicht aus der Ferne deaktivieren. Neben der leichten Bedienung ist das ein weiterer Grund, warum Russland vielfach darauf setzt.

Eine ukrainische Drohne filmte auf einem Kirchturm in der russischen Region Kursk zahlreiche ...
Eine ukrainische Drohne filmte auf einem Kirchturm in der russischen Region Kursk zahlreiche Ubiquiti-Antennen, die Russland die Kommunikation am Schlachtfeld ermöglichen.(Bild: Screenshot/Telegram/Sternenko)

Russen schrieben Dankesbrief an Händler
Aber wie gelangen die technischen Komponenten der Firma dorthin, wenn doch der Export verboten ist? Durch Umgehung der Sanktionen gegen Russland, was offenbar leicht zu bewerkstelligen ist. Ein „Hunterbrook“-Reporter gab sich gegenüber internationalen Händlern mit Ubiquiti-Produkten als russischer Beschaffungsoffizier aus. Nicht nur willigten mehrere Händler ein, ihm Komponenten zu verkaufen, einer zeigte dem Reporter gar einen Dankesbrief, den ihm das russische Militär für die Lieferung geschrieben habe.

Und es wird rege gehandelt: Nach der russischen Invasion in der Ukraine stiegen Ubiquiti-Lieferungen trotz US- und EU-Sanktionen sogar um zwei Drittel an. Auch die neuesten Modelle wurden nach Russland geliefert, zum Teil über Umwege, etwa über die Türkei oder Kasachstan. Sie Verschiffung an Drittländer ist eine bekannte Taktik, um die Sanktionen gegen Russland zu übergehen. Auch der Großhändler Multilink Solutions mit Sitz in der US-Stadt Cincinnati willigte auf die Anfrage des Reporters ein, in die Türkei zu liefern.

Konzern hätte rechtliche Handhabe
Der US-Konzern Ubiquiti behauptet, dass er nicht den Überblick über alle Zwischenhändler und ihre Aktivitäten habe. Dabei hätte er sogar rechtliche Handhabe gegen Händler in Russland. Denn die Firma ließ 2025 ihr Logo von der russischen Urheberrechtsbehörde schützen – ging aber trotz dieses Erfolges nicht gegen Händler vor, die Namen und Logo ohne Erlaubnis verwenden.

Nicht erster Verstoß gegen Sanktionen
Ubiquiti drohen nun rechtliche Probleme wegen des Verstoßes gegen US-Exportbestimmungen, denn Unwissenheit schützt auch hier vor Strafe nicht. Denn laut Experten hat er die Möglichkeiten, seine Produkte etwa durch Seriennummern nachzuverfolgen. Schon 2014 musste Ubiquiti eine Geldstrafe zahlen, weil Komponenten im Iran auftauchten – ein Verstoß gegen die Sanktionen, mit denen das Mullah-Regime belegt wurde. Robert Pera, Gründer und CEO von Ubiquiti, erklärte damals: „Das kann nicht wieder passieren. Wenn doch, bekomme ich große Probleme“.

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