Massenmord-Beihilfe
Weltstrafgericht verurteilt Ex-Warlord des Kongo
Der ehemals berüchtigte Warlord mit dem Beinamen "Simba" (Löwe) leistete nach Ansicht der Richter einen "entscheidenden Beitrag" zu schweren Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er wurde insbesondere für ein Massaker im Dorf Bogoro Anfang 2003 verurteilt.
Anklage während des Verfahrens erweitert
Der in einen blauen Anzug gekleidete 35-jährige Familienvater folgte der Verlesung des Urteils konzentriert, aber ohne Zeichen von Emotionen. Zunächst schien es so, als würde er ebenso wie bereits Ende 2012 sein mitangeklagter Ex-Milizenchef Mathieu Ngudjolo Chui freigesprochen. Bei sechs Anklagepunkten lautete das Urteil auch auf Freispruch. Es sei nicht erwiesen, dass Katanga tatsächlich absolute Befehlsgewalt über die Miliz "Kräfte des patriotischen Widerstands in Ituri" hatte, stellten die Richter fest. Doch dann kam es doch noch zum Schuldspruch, denn während des Prozesses war die Anklage um Beihilfe und Komplizenschaft erweitert worden.
Nach knapp 75 Minuten forderte der Vorsitzende Richter Bruno Cotte den Angeklagten auf, sich zu erheben, und sagte: "Das Gericht spricht Germain Kantaga mehrheitlich schuldig, für Komplizenschaft bei den Verbrechen am 24. Februar 2003." Kerzengerade, die Hände hinter dem Rücken gefaltet, nahm der 35-Jährige das Urteil fast wie einen militärischen Befehl entgegen.
Miliz massakrierte über 200 Dorfbewohner
Cotte skizzierte noch einmal die grausamen Verbrechen im ethnisch motivierten Konflikt im Osten des Kongo. Katangas Miliz hatte am 24. Februar 2003 im Morgengrauen das Dorf Bogoro überfallen. Mehr als 200 Menschen, darunter zahlreiche Kinder, wurden mit Macheten niedergemetzelt, die Häuser in Brand gesteckt und die fliehenden Bewohner wie Tiere gejagt. Ziel war es, die Angehörigen des feindlichen Volksstammes Hema im Dorf auszulöschen.
Richterin scherte aus, Urteil nicht einstimmig
Die Anklage hatte in dem fast drei Jahre dauernden Prozess nach Auffassung der Richter zwar nicht zweifelsfrei bewiesen, dass "Simba" den Befehl zu dem Massaker gegeben hatte. Katanga habe aber der Kommandostruktur der Miliz angehört und die Kämpfer mit Waffen und Munition versorgt. "Germain Katanga wusste von dem verbrecherischen Plan der Milizen", sagte der Richter, daher sei der 35-Jährige mitschuldig. Eine indirekte Beweiskette führte am Ende zum Schuldspruch. Allerdings war das Urteil nicht einstimmig: Eine Richterin hatte auf Freispruch plädiert, da die Anklage während des Verfahrens geändert wurde und daher die Rechte Katangas verletzt worden seien.
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