Bäume im Esterhazypark

Das warme Klima wandelt den alten Park der Fürsten

Burgenland
02.11.2025 09:00

Querdenken heißt es bei der Pflege des Schlossparks in Eisenstadt. Auf viele Bäume muss wahrscheinlich künftig verzichtet werden. Aber es gibt neue Exoten – und das ist, historisch betrachtet, gar nicht so ungewöhnlich.

Der Herbst hat sich schon malerisch über den romantischen Park des Schlosses Esterhazy in Eisenstadt gelegt. Wer allerdings aufmerksam durchschlendert, kann erkennen, dass auch hier der Klimawandel einiges verändert hat. Michael Manak, Leiter der historischen Esterhazy-Gärten – zeigte kürzlich anlässlich eines Symposions zum Thema, wo seine Herausforderungen liegen. Die Krone ging mit ihm auf eine Tour durch den Park.

Gärtner Michael Manak (Esterhazy-Gartenanlagen) zeigt den asiatischen Reispapierbaum (Tetrapanax ...
Gärtner Michael Manak (Esterhazy-Gartenanlagen) zeigt den asiatischen Reispapierbaum (Tetrapanax papyrificera), der sich als Park-Pflanze bewährt.(Bild: Bettina Mader)

Am augenfälligsten ist nach den allerorten von Motten befallenen Kastanien, die Veränderung der Buchen. Manak: „Einge hatten einen Sonnenbrand. Wir mussten die Kronen schneiden, deshalb sehen sie etwas armselig aus. Sie bleiben aber stehen, weil sie auch Lebensraum von Tieren, wie etwa der Schwarzspechte sind, die ihre Nester drin haben.“ Einige der mächtigen Buchen im privaten Bereich des Parks mussten bereits gefällt werden – Pilze und Schädlinge sorgen für ihr Ende.

Buchen mit beschnittenen Kronen sind zwar nicht mehr so attraktiv aber Lebensraum für Tiere.
Buchen mit beschnittenen Kronen sind zwar nicht mehr so attraktiv aber Lebensraum für Tiere.(Bild: Bettina Mader)

Zypressen sind derzeit Magelware
Sehr in Mitleidenschaft gezogen sind auch Koniferen – sie bekommen bei zuviel Hitze und zu wenig Wasser gelbe Stellen und die müssen ausgeschnitten werden. Manak: „Zypressen etwa sind zum Nachsetzen derzeit schwierig zu bekommen. Wir müssen sie aus dem Ausland holen.“ Zypressen wurden auch aus historischen Gründen nachgepflanzt. Etwa rund um den „Leopoldinen-Tempel“, wo sie schon vor 200 Jahren an einen italienischen Garten erinnern sollten.

Konifere reagiert mit gelber Verfärbung, die ausgeschnitten werden muss.
Konifere reagiert mit gelber Verfärbung, die ausgeschnitten werden muss.(Bild: Bettina Mader)
Japanischer Schnurbaum fühlt sich im Park sehr wohl. Dahinter das jüngst renovierte ...
Japanischer Schnurbaum fühlt sich im Park sehr wohl. Dahinter das jüngst renovierte Gärtnerhäuschen.(Bild: Bettina Mader)

Etwa 1000 Bäume verzeichnet der Kataster, nach dem die Baumgutachterin Helga Zodl seit 2013 ihre Kontrollen im Park durchführt. Demnach mussten Ahorne in den vergangenen Jahren im Verhältnis zum Bestand mit 22 Prozent am häufigsten gefällt werden.

Kiefern leiden sichtlich unter der Trockenheit
Gefolgt von den Kiefern, bei denen die Schädigungen auch von Laien zu bemerken sind. Zodl erwartet weitere Ausfälle: „In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird ein Drittel des Kiefern-Bestandes eingehen.“ Das sind hochgerechnet rund 30 Bäume, die allein in der Art fehlen werden. Einerseits nähren heiß-feuchte Frühlingsmonate „schlafende“ Pilze in Bäumen, andererseits bedeuten trockene Sommer Stress für die Riesen. Dann „explodieren“ die Pilze regelrecht und lassen manchen Baum im folgenden Winter bei Sturm einfach umfallen.

Artischocken wachsen jetzt auf der Terrasse vor der Orangerie
Artischocken wachsen jetzt auf der Terrasse vor der Orangerie(Bild: Bettina Mader)

Sehr wohl fühlen sich im wärmeren Klima asiatische Gewächse wie der japanische Schnurbaum und Reispapierbäume. Das Setzen von Exoten entspricht auch ganz der Philosophie der einstigen Parkgründer. Gärtner Michael Manak ist da pragmatisch: „Wir müssen studieren, was geht. Schon früher wurden Kinder-Generationen auf Reisen geschickt um zu sehen, was in anderen Ländern gedeiht.“ Auch Feigen werden nun wieder nachgesetzt oder Oliven, die mittlerweile auch im Freien überwintern. Vor der Orangerie stehen nun Artischocken, die schon in früheren Zeiten zum Esterhazy´schen Küchengarten gehörten.

Der Bachlauf darf sich zum Teil seinen Weg selber bahnen.
Der Bachlauf darf sich zum Teil seinen Weg selber bahnen.(Bild: Bettina Mader)

Der Wasserlauf, der am Teich des Leopoldinen-Tempels beginnt, wird nun wieder vollständig in Stand gesetzt und bekommt seine ursprünglichen Staustufen zurück. Sie sorgen für Kühlung und dass die Gewächse rund um genügend Wasser bekommen. Eine Holzbrücke nach historischem Vorbild führt im privaten Garten wieder über den Bachlauf.

So sorgt das neue Klima dafür, dass der Park in manchen Teilen wieder so aussieht wie im 18. oder 19. Jahrhundert. Übrigens haben die Parkgründer die Gartenräume nie so erlebt, wie nachfolgende Generationen, wie Helga Zodl wissen lässt. Denn damals waren alle Gewächse frisch gepflanzt und klein. Zodl: „Das Klima könnte dafür sorgen, dass wir eine neue Gründerzeit erleben“.

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