Di, 26. März 2019
22.01.2014 15:29

Umstrittene Methode

Brüssel empfiehlt Fracking: "Kniefall vor Lobby"

Die EU-Kommission hat am Mittwoch die umstrittene Förderung von Schiefergas, das Fracking, grundsätzlich empfohlen, wobei aber ein "angemessener Umwelt- und Klimaschutz gewährleistet" werden solle. Von "sorgfältiger Prüfung" war in Brüssel die Rede. Kritiker sprechen von einem Kniefall vor der Öl- und Gaslobby. "Die Kommission hat es verabsäumt, Schiefergas als das zu benennen, was es ist: ein Umwelt- und klimapolitischer Super-GAU", sagt Grünen-Chefin Eva Glawischnig.

Bei der umstrittenen Methode werden tief liegende Gesteinsschichten angebohrt und das dort lagernde sogenannte Schiefergas und -öl mithilfe von Chemikalien gelöst. Während Umweltschützer die Methode verdammen, weil sie um das Grundwasser fürchten, lieben Industrievertreter rund um den Globus das Fracking - denn mehr Öl bedeutet niedrigere Preise.

Wachsende Sorge um umstrittene Methode
EU-Umweltkommissar Janez Potocnik sagte am Mittwoch, Schiefergas wecke in einigen Teilen Europas zwar Hoffnungen, bei der Öffentlichkeit, aber auch Befürchtungen. Die Kommission gebe "Mindestgrundsätze vor, die die Staaten befolgen sollten, um Umwelt- und gesundheitliche Bedenken auszuräumen und Betreibern und Investoren die Vorhersehbarkeit zu gewährleisten, die sie benötigen".

Gesundheits- und Umweltrisiken müssten vermieden werden, die Transparenz für die Bürger sei zu verbessern, so die EU-Kommission. In ihrer Empfehlung fordert sie die Staaten auf, Projekte vorauszuplanen, um etwaige kumulative Wirkungen zu evaluieren, bevor Genehmigungen erteilt werden.

Neben den Umweltauswirkungen müsse die "Bohrlochintegrität den Bestpraktiken entsprechen". Die Qualität von Gewässern, Luft und Boden sei an Ort und Stelle zu kontrollieren. Emissionen in die Luft vor allem durch Gasabscheiden müssten "unter Kontrolle gehalten" werden. Die Öffentlichkeit sei über die in den einzelnen Bohrlöchern verwendeten Chemikalien zu informieren.

Grüne bestürzt über Fracking-Empfehlung
Unverbindliche Auflagen beim Fracking reichen als Schutz vor den massiven Umweltrisiken nicht aus, betonte wiederum Grünen-Chefin Glawischnig. "Der Vorschlag der Kommission kommt einem Kniefall vor der Öl- und Gasindustrie gleich: Mehr dreckiges klimaschädliches Gas, weniger Erneuerbare Energien", kritisierte sie in einer Aussendung.

"Zu Recht wächst der Widerstand in der Bevölkerung gegen diese zukunftsfeindliche Technologie", ergänzte die Umweltsprecherin der Grünen, Christiane Brunner. Dass es die Kommission nun nicht einmal wage, verbindliche und harte Umweltprüfungen für das umstrittene Fracking durchzusetzen, "zeigt wie sehr ganz Europa unter dem Einfluss der Öl-und Gaslobby steht", so Brunner.

Martin: "Brüssel beugt sich Lobby-Druck"
Auch EU-Abgeordneter Hans-Peter Martin sieht seine Befürchtungen bestätigt. "Die EU-Kommission stiehlt sich hier aus der Verantwortung und beugt sich dem Lobby-Druck. Obwohl die EU-Kommission auf die Risiken beim Fracking hinweist, schließt sie ein Verbot des umstrittenen Verfahrens aus", kritisierte er die Empfehlung. Um so wichtiger sei der Druck der Bürger in Regionen, in denen umweltbedrohliches Fracking drohe.

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