Ein kaputt gespartes Kassensystem sehen Burkhard Walla, Präsident der Ärztekammer für Vorarlberg, und Alexandra Rümmele-Waibel, Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte, als Hauptgrund für momentane Versorgungsengpässe. Wartezeiten werden immer länger, etliche Ordinationen nehmen keine neuen Patienten mehr auf.
Bis zur Kassenfusion unter Bundeskanzler Sebastian Kurz bilanzierte die damalige Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) positiv. Entsprechend dem Bedarf der Bevölkerung konnten neue Kassenstellen geschaffen und finanziert werden. Seit der Kassenfusion aber geht der zentralistischen Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) zunehmend das Geld aus. „Für dringend benötigte neue Kassenstellen fehlt das Geld“, ärgert sich Walla.
Verantwortung bei Land und ÖGK
Der Ärztekammer seien dabei die Hände gebunden: „Wir haben weder die Möglichkeit noch die Befugnis, Kassen-Ordinationen zu betreiben oder zu finanzieren“, erklärt der Präsident der Ärztekammer. Sicherstellung der Versorgung mit Kassenärzten sei Aufgabe der Sozialversicherungsträger – so wolle es auch der Gesetzgeber – und so liege seit 2024 die Verantwortung ausschließlich bei ÖGK und Land.
„Der Versorgungsbedarf steigt enorm, die Zahl der Kassenstellen jedoch stagniert“, kritisiert Rümmele-Waibel. Die Vorarlberger Ärzteschaft habe bisher mit Job-Sharing auf diesen Trend reagiert: Dabei teilen sich zwei Ärzte eine Kassenstelle und könnten dabei die Versorgungskapazität dieser einen Stelle auf bis zu 190 Prozent erweitern. „Derzeit ist aber für zusätzliche Job-Sharings kein Geld mehr vorhanden“, bedauert die Kurienobfrau. Vorliegende Anträge von Kollegen seien deshalb nicht bewilligt worden.
Sinnvolle Maßnahmen zur Patientenlenkung
Aufgrund der Wirtschaftslage sei nicht damit zu rechnen, dass über Beitragseinnahmen das benötigte Geld in die ÖGK fließe, um neue Kassenstellen schaffen können. „Hier wird der Staat kurzfristig aushelfen müssen, damit das Gesundheitssystem nicht gänzlich gegen die Wand fährt“, meint Walla. Gleichzeitig fordert er sinnvolle Maßnahmen zur Patientenlenkung: „Der vom Land angekündigte Ausbau der Gesundheitshotline 1450 beispielsweise wird aber erst dann funktionieren, wenn es auch die nötigen Kassenärzte gibt, an die man über die Nummer verwiesen wird“, ergänzt Rümmele-Waibel.
Und nicht zuletzt müsste ein gänzlich neues Finanzierungssystem angedacht werden: „Es kann nicht sein, dass die ärztliche Versorgung der Bevölkerung vom Bruttoinlandsprodukt abhängt“, erläuterte Walla, „das geht sich schon aufgrund der demografischen Entwicklung nicht mehr länger aus“. Um die kassenärztliche Versorgung der Bevölkerung zu verbessern, muss die Politik also endlich in die Gänge kommen.
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