Aufschub erwirkt

US-Kindermörder will vor Exekution Organe spenden

Ausland
14.11.2013 14:41
Mit einem ungewöhnlichen Angebot hat ein verurteilter Kindermörder in den USA seine unmittelbar bevorstehende Hinrichtung vorerst abwenden können. Eigentlich hätte Ronald Phillips am Donnerstag hingerichtet werden sollen, doch weil er seine Organe spenden will, gewährte ihm der Gouverneur des Bundesstaats Ohio im letzten Moment einen Aufschub, um den Fall zu prüfen.

Phillips war für die Ermordung der drei Jahre alten Tochter seiner Freundin im Jahr 1993 zum Tode verurteilt worden. Er hatte ursprünglich darum gebeten, dass seine Organe nach der Hinrichtung mit einer Giftspritze entnommen werden. Damit wollte er seiner an einer Nierenkrankheit leidenden Mutter oder der Schwester helfen, die Herzprobleme hat. Sein Antrag wurde von den Behörden jedoch mit Verweis auf "logistische Schwierigkeiten" und "Sicherheitsrisiken" zunächst abgelehnt. Nun sollen Ärzte überprüfen, ob Phillips eine zweite Chance bekommt, sein Anliegen in die Tat umzusetzen.

Ohio wagt sich auf "unbekanntes Territorium"
Der Antrag auf Organspende durch einen Todeskandidaten ist in den USA zwar kein Einzelfall, ähnliche Fälle kamen aber bislang nur äußerst selten vor - und nicht unmittelbar vor einer bevorstehenden Hinrichtung. "Mir ist bewusst, dass wir uns damit in Ohio auf unbekanntes Territorium wagen", erklärte der Gouverneur von Ohio, John Kasich, am Donnerstag. "Aber wenn ein Leben durch seine Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende gerettet werden kann, sollten wir das auch zulassen."

Anwältin: "Versuch einer letzten guten Geste"
In einer offiziellen Mitteilung des Gouverneurs hieß es, der Hinrichtungstermin werde vorerst auf den 2. Juli 2014 verschoben, um zu überprüfen, ob Phillips vor seiner Exekution "nicht-lebensnotwendige" Organe an seine schwer kranke Mutter oder Schwester spenden könne. Potenziell sollten die Organe des 40-Jährigen nach dessen Willen aber "so vielen Menschen wie möglich" zugutekommen, wie seine Anwältin, Lisa Lagos, gegenüber US-Medien präzisierte. Es handle sich nicht um eine Verzögerungstaktik, sondern um Phillips' Versuch einer letzten guten Geste, wie Lagos zudem betonte.

Hinrichtung mittels neuer Giftspritzen-Mixtur
Der bevorstehenden Hinrichtung des Kindermörders wurde in den Vereinigten Staaten auch deshalb erhöhte Aufmerksamkeit zuteil, weil Phillips als erster Todeskandidat in den USA mittels eines neuen letalen Drogencocktails hingerichtet werden sollte. Der Einsatz der neuen Mixtur für die Giftspritze wurde im Oktober angekündigt, nachdem das in mehreren Bundesstaaten verwendete Pentobarbital ausgegangen war - weil sich europäische Herstellerfirmen weigern, das normalerweise zum Einschläfern von Tieren verwendete Mittel weiter für Hinrichtungen zu liefern.

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