28.10.2013 10:28 |

Trotz Todesfällen

Immer weniger Österreicher gegen Grippe geimpft

Die Österreicher sind, was die Immunisierung gegen Grippe angeht, richtige "Impfmuffel". Immer weniger Menschen lassen sich trotz rund 1.000 Influenza-Todesfällen pro Jahr gegen die "echte Grippe" impfen. Der Tiefststand wurde mit nur noch 621.000 verwendeten Vakzine-Dosen in der Saison 2012/2013 sowie einer Durchimpfungsrate von weniger als zehn Prozent erreicht, wie eine neue Studie der Wiener Sozialmedizinerin Ursula Kunze ergab. Dies sei laut der Expertin eine "beschämende und inakzeptable Situation".

"Österreich hat in Sachen Influenza-Immunisierung eine einzigartige Position. Die Impfung wird jedem Menschen empfohlen, besonders für Personen über 50 und Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. Auf der anderen Seite gehört die Immunisierungsrate in der Allgemeinbevölkerung mit weniger als zehn Prozent zu den weltweit niedrigsten", stellten Kunze und ihre Mitautoren fest. Selbst unter den Senioren liege die Durchimpfungsrate mit rund 37 Prozent niedrig.

Die Kehrseite der Medaille, so die Expertin der MedUni Wien: "In Österreich gibt es jährlich – bei einer Bevölkerung von rund acht Millionen Menschen – rund 350.000 bis 400.000 Influenza-Erkrankungen im Rahmen durchschnittlicher, saisonaler Epidemien. Wegen des schlechten Beobachtungssystems dürften diese Schätzungen ungenau sein. Eine Studie aus der jüngeren Vergangenheit berechnete die Zahl der jährlichen Todesfälle durch Influenza mit rund 1.000 bis 1.200 für den Zeitraum zwischen den Jahren 2001 und 2009."

"Die meisten Todesfälle wären verhinderbar"
Das wären zwar weniger als die in früheren Schätzungen genannten 6.000 Opfer durch die Influenza in einer Grippe-Saison. Doch, so die Expertin: "Man muss beachten, dass die meisten dieser Todesfälle verhinderbar wären. Die niedrigeren Sterbezahlen sollten nicht zu der Meinung führen, dass Österreich kein Problem bei der Bekämpfung der saisonalen Influenza hätte."

Die Wissenschaftler analysierten in ihrer Studie die Daten über ausgelieferten Dosen von Influenza-Vakzinen und rechneten sie für jedes Jahr von 1982 bis 2011 auf die Bevölkerung um. Dabei ergab sich eine Kurve, die ab 1995 anstieg, 2006 ihren Höhepunkt erreichte und dann ständig fiel. Seit diesem Zeitpunkt ist die Durchimpfungsrate der Bevölkerung von 14,2 Prozent im Jahr 2006 auf 8,1 Prozent im Jahr 2011 gefallen – und diese Tendenz setzt sich fort.

Auch bei den absoluten Zahlen über die in Österreich ausgelieferten Vakzine zeigt sich diese Entwicklung. Kunze: "2012/2013 wurden dann nur noch 621.000 Dosen Influenza-Impfstoff verimpft." 2005/2006 waren es noch 1,137 Millionen gewesen.

"Beschämende und inakzeptable Situation"
Österreich steht damit im europäischen Vergleich jedenfalls ziemlich schlecht da: In den Niederlanden wurden bereits im Jahr 2009 460 Dosen Vakzine pro 1.000 Einwohner ausgeliefert. In Deutschland waren es 310. In Österreich hingegen wurden 2009 nur 117 Impfstoffe pro 1.000 Einwohner ausgeliefert. 2011 waren es sogar lediglich 81 Vakzine. "Die aktuelle Durchimpfungsrate mit weniger als zehn Prozent ist eine beschämende und inakzeptable Situation", so Kunze.

Die Gründe für die sinkende Zahl an Influenza-Impfungen in Österreich seien vielfältig, so die Forscherin. Die Virus-Influenza wird noch immer mit banalen grippalen Infekten verwechselt, es fehlten Maßnahmen des sozialen Marketings. Auch die Erstattung der Kosten für die Bevölkerung sei mangelhaft. Und schließlich würden auch die Angehörigen des Gesundheitswesens nicht genügend für die Propagierung der Influenza-Impfung tun beziehungsweise sich selbst immunisieren lassen.

Die aktuelle Studie wurde im Fachmagazin "Vaccine" veröffentlicht.

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen