Drama in Lampedusa
Küstenwache erst nach 45 Minuten am Einsatzort?
Sie hätten um 6.30 Uhr damit begonnen, die Schiffbrüchigen auf ihr Boot zu ziehen und eine Viertelstunde später die Küstenwache alarmiert, erzählte Nizza. Die Küstenwache wies dies zurück. Der erste Notruf sei um 7 Uhr eingegangen, 20 Minuten später seien die Retter vor Ort gewesen.
Nizza beschuldigte die Küstenwache auch, die Rettung weiterer Überlebender behindert zu haben. Mit 47 Überlebenden habe sein Boot den Hafen von Lampedusa erreicht. Er sei dann aber daran gehindert worden, wieder aufs Meer zu fahren, weil hierfür keine offizielle Erlaubnis vorgelegen habe. "Ich hätte mehr Menschen retten können", sagte Nizza. Ein Sprecher der Küstenwache widersprach dieser Darstellung. Eine offizielle Erlaubnis sei nicht nötig gewesen. Es sei aber die Aufgabe der Küstenwache, die Rettungsaktion zu koordinieren und ein Chaos zu verhindern.
Rund 300 Flüchtlinge ertrunken
Die Behörden vermuten, dass bei dem Unglück rund 300 Flüchtlinge ertranken. An Bord des gekenterten Schiffes sollen etwa 450 bis 500 afrikanische Flüchtlinge gewesen sein, die überwiegend aus Somalia und Eritrea stammten. Bisher wurden 111 Tote geborgen, 155 Menschen überlebten das Unglück.
Auch der Gouverneur der Region Sizilien, Rosario Crocetta, zeigte sich fassungslos. Es sei unverständlich, dass die EU-Grenzschutzagentur Frontex das Flüchtlingsschiff nicht bemerkt habe. "Wo war Frontex am Donnerstagmorgen?", fragte er.
"Unmenschliche Normen ändern"
Die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini, übte heftige Kritik an einem italienischen Gesetz, wonach Helfer für die Rettung illegaler Einwanderer bestraft werden können. Mehrere Fischerboote hätten daher abgedreht, ohne den Schiffbrüchigen zu helfen. "Die Regierung muss diese unmenschlichen Normen ändern", sagte Nicolini.
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