Nach Vergewaltigung

Getötete Inderin: 3 Jahre Haft für 17-Jährigen

Ausland
31.08.2013 12:34
Das erste Urteil nach der mörderischen Gruppenvergewaltigung einer 23-jährigen Inderin ist gefallen: Der Jugendliche der Gruppe erhält die höchstmögliche Strafe, er muss drei Jahre in Haft. Sein Verteidiger Rajesh Tiwari sagte am Samstag, das Jugendgericht habe den damals 17-Jährigen allerdings nicht in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Die Eltern des Opfers reagierten empört und wollen alle Angeklagten hängen sehen.

Die Familie kündigte an, das Urteil anzufechten. Der Vater sagte: "Meine Tochter ist tot - und nachdem wir dieses Urteil gehört haben, sind wir auch tot." Das Urteil sende ein falsches Signal an andere potenzielle jugendliche Täter. "Wenn er die Tat eines Erwachsenen begangen hat, dann sollte er auch wie ein Erwachsender behandelt werden", sagte die Mutter vor dem Gerichtsgebäude. "Wir wollen alle fünf Angeklagten hängen sehen."

Der Anwalt der Familie berichtete, dass der Angeklagte in sechs von 13 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden sei, darunter Mord, Gruppenvergewaltigung, Vernichtung von Beweismaterial und Verabredung zur kriminellen Handlung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Mordprozess gegen die volljährigen Verdächtigen vor einem Schnellgericht in Neu-Delhi dauert noch an. Dieses Urteil wird in den kommenden Tagen oder Wochen erwartet. Beobachter gehen davon aus, dass die Männer die Todesstrafe erhalten. Ein weiterer mutmaßlicher Täter wurde im März erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Die Behörden sprachen von Selbstmord, seine Familie und sein Anwalt hingegen behaupteten, es sei Mord gewesen.

Urteil viermal verschoben
Das Urteil gegen den Jugendlichen war viermal verschoben worden. Anwälte wollten vorher höchstrichterlich klären lassen, ob alle Unter-18-Jährigen automatisch unter das Jugendstrafrecht fallen. Vergangene Woche machte das Verfassungsgericht den Weg frei für den Urteilsspruch. Indien hat ein progressives Jugendstrafrecht, das auch bei schwersten Delikten höchstens drei Jahre in einer Besserungsanstalt vorsieht.

Tat löste Diskussion um Frauenbild aus
Die Vergewaltigung hatte weltweit für Aufsehen gesorgt, in ganz Indien Proteste ausgelöst und ein Schlaglicht auf die im Land grassierende Gewalt gegen Frauen geworfen. Die Regierung verschärfte die Gesetze für Sexualstraftaten und versprach schnellere Gerichtsverfahren. Auch diskutierte erstmals ein größerer Teil der Gesellschaft über Frauenfeindlichkeit und weibliche Rollenbilder im Land.

Viele Demonstranten forderten bei den zahlreichen Protesten den Strang für alle Vergewaltiger, auch den Jugendlichen der Gruppe, der sich laut Staatsanwaltschaft gleichermaßen schuldig gemacht hat. In Indien können Gerichte nur bei erwachsenen Tätern in Ausnahmefällen die Todesstrafe verhängen.

Studentin nach Vergewaltigung gestorben
Der Jugendliche hat nach Polizeiangaben am Abend des 16. Dezember die junge Frau und ihren Begleiter an einer Haltestelle in den Bus gelockt, indem er vorgab, ein Fahrkartenverkäufer zu sein. Als sich die Türen geschlossen hatten, fielen die Täter über das Pärchen her. Sie schlugen laut Anklage den Freund des Mädchens mit einer Eisenstange nieder und benutzten eine zweite Stange, um die Frau zu malträtieren. Dann wurden die beiden nackt aus dem Bus geworfen. Zwei Wochen später starb die Studentin an ihren inneren Verletzungen.

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