Beklemmendes Gefühl
Ansturm wie nie zuvor: Gefahr bei der gamescom?
Natürlich, die gamescom wird auch 2013 wieder ein Riesenerfolg werden. Im Gegensatz zu 2012 mit 275.000 Besuchern werden dieses Jahr alle Tage komplett ausverkauft sein, ein weiterer Rekordwert ist bereits sicher. Hunderttausende werfen einen ersten Blick auf heißersehnte Titel, können sie selbst anspielen und werden ganz nebenbei mit Gewinnspielen und als Spielehelden verkleideten Promo-Mitarbeitern unterhalten.
Nadelöhr für Zehntausende
Doch in all die Euphorie mischt sich heuer vermehrt ein unangenehmes Gefühl. Dazu muss man wissen, wie die Messehallen in Köln aufgebaut sind: Wer mit S-Bahn oder Zug aus der Stadt kommt, und das sind sehr, sehr viele Menschen, der betritt die Messe über den Eingang Süd. Die für die meisten Besucher interessantesten Messehallen aber liegen am ganz anderen Ende. Um sie zu erreichen, muss man an einigen anderen Hallen vorbei und schließlich durch ein Nadelöhr: einen Gang, der in zwei schmale Rolltreppen und eine relativ steile Treppe (großes Bild) mündet, die in die wichtigsten Publikumshallen hinunterführen.
Auch Messehallen überfüllt
Schon am Donnerstagnachmittag kam es hier zu einem bedrückenden Gefühl. Zwar sorgte die Messeleitung dafür, dass je die Hälfte des Gangs als Einbahn genützt wurde, um den Besucherstrom besser zu führen. Doch vor den Treppen wurde es richtig eng - nicht nur erfahrenen Journalisten war das zu viel. Zahlreiche Besucher berichteten krone.at nach der Messe von einem beklemmenden Gefühl, zumal auch einige Hallen überfüllt waren, es teils kaum ein Weiterkommen gab.
Hines von Bethesda: "Das ist es nicht wert"
Auch den teilnehmenden Firmen entging der gewaltige Besucheransturm nicht. So äußerte etwa Spieleveteran Pete Hines von Bethesda schwere Bedenken. Er twitterte: "Okay, ich werd's sagen: Sie lassen zu viele Leute zur gamescom. Die Menschenmasse ist zu groß, selbst für den vielen Platz." Es sei gut möglich, dass "etwas Schlimmes passiert", so Hines. "Das ist es nicht wert." Er habe schon an so vielen Spielemessen teilgenommen, er könne eine gutbesuchte von einer überfüllten Show unterscheiden.
Love Parade noch im Gedächtnis
Da nützt es auch nichts, dass es seitliche Verbindungen gibt, die an den Massen vorbeiführen, wenn sie kaum jemand kennt oder verwendet. Das unangenehme Gefühl, besonders im Nadelöhr keine seitliche Fluchtmöglichkeit zu haben und nicht umdrehen zu können, hat zahlreiche Besucher verunsichert. Kein Wunder, sind doch die Bilder der Massenpanik bei der Love Parade 2010 - es starben 21 Besucher, 541 wurden verletzte - besonders den Deutschen noch gut im Gedächtnis.
Wer wie krone.at seit gut einem Jahrzehnt von gamescom bzw. Games Convention berichtet, dem drängt sich der Verdacht auf, in Köln würden mit der Öffnung weiterer Messehallen noch mehr Besucher aufs Gelände gelassen. Dabei verteilen sich die Menschen natürlich nicht gleichmäßig - sprich: In den beliebtesten Hallen sind noch mehr Leute unterwegs.
gamescom-Sprecher: Keine Gefahr
Dass durch die Öffnung weiterer Hallen mehr Besucher eingelassen werden dürfen, bestätigte gamescom-Sprecher Franko Fischer gegenüber krone.at am Freitag. Es handle sich aber "nicht um Zehntausende", so Fischer, der jedoch keine konkreten Zahlen nennen konnte. Dieser Ausbau sei zudem schon vor einigen Jahren passiert.
Gefahr bestehe jedenfalls keine, beruhigte Fischer - man habe genügend Aufpasser im Einsatz, um die Besuchermassen zu lenken. Zudem gebe es viele Möglichkeiten, dem großen Strom durch die Nutzung seitlicher Türen zu entgehen. Die Höchstzahl zulässiger Besucher werde von den Behörden vorgegeben, so Fischer. Wenn diese erreicht sei, würden erst wieder Besucher eingelassen, wenn andere die Messe verlassen, das sei meist am frühen Nachmittag der Fall.
Umzug käme Hersteller teuer zu stehen
Bleibt dennoch zu hoffen, dass Messeverantwortliche und vor allem auch Behörden das Sicherheitskonzept in Köln einer kritischen Prüfung unterziehen - und vor allem im nächsten Jahr nicht womöglich noch mehr Menschen einlassen. Sollte die Messe weiter wachsen wollen, wird ein Umzug - einst schon der Grund für den Wechsel von Leipzig nach Köln - womöglich unumgänglich sein. Hier könnten allerdings die Spielehersteller protestieren. Schließlich zahlen sie für den Messeauftritt Millionen - bei einer größeren Location könnten die Kosten weiter steigen.
Spaß bleibt auf der Strecke
Doch auch sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass Zehntausende ungeduldige, übermüdete, unterzuckerte, dehydrierte Jugendliche und junge Erwachsene auf einem Fleck ein nicht zu unterschätzendes Pulverfass darstellen. Und abgesehen von der Gefahr einer Massenpanik: Wenn schon der Weg zu den Besucherhallen zur Qual wird, bleibt der Spaß bei der gamescom auf der Strecke. Und der sollte doch eigentlich im Vordergrund stehen.







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