Wenig Skrupel
Sexismus boomt im australischen Wahlkampf
Spätestens seit der viel beachteten "Frauenhasser"-Rede der ehemaligen Ministerpräsidentin Gillard ist das Thema Sexismus auf dem Tisch. "Wenn der Oppositionsführer wissen will, was Frauenhasser und Sexisten sind, muss er nur in den Spiegel schauen", schäumte sie im vergangenen Oktober im Parlament und zeigte mit dem Finger auf Abbott.
Der 55-jährige Ironman-Triathlet, der sich schon mal in knappen Badehosen zeigt, kultiviert ein Image als Mann der alten Schule. Gillard solle "eine ehrbare Frau aus sich machen" und heiraten, meinte er einmal. Und er sinnierte schon öffentlich, ob Männer nicht physiologisch eher dazu bestimmt seien, das Kommando zu führen.
"Julia-Gillard-Wachteln - kleine Brust, Riesenschenkel"
Gillard musste sich als erste Frau auf dem Regierungschefsessel einiges gefallen lassen. Für ein Spendensammeldinner der Liberalen Partei wurden im Juni Speisekarten mit "Julia-Gillard-Wachteln - kleine Brust, Riesenschenkel" gedruckt. Ein Radiomoderator wiederum fratschelte die 51-Jährige im Studio sogar indirekt über ihr Sexleben aus und fragte, ob die Politikerin bestätigen kann, dass ihr Partner nicht schwul sei.
"In einer Kultur, in der es offenbar in Ordnung ist, in guter Gesellschaft über Geschlechtsteile der Regierungschefin zu reden, ist es nicht verwunderlich, dass Leute, die im Radio Kontroversen schüren wollen, immer tiefere Löcher der Verdorbenheit buddeln, um Frauen zu beleidigen", kommentierte daraufhin die Politikwissenschaftlerin Lauren Rosewarne.
Lange Liste mit Sprüchen unter der Gürtellinie
Australier gelten je nach Standpunkt als erfrischend direkt oder unverblümt und plump. Den Stereotyp hat etwa Filmheld Paul Hogan in der Serie "Crocodile Dundee" geprägt, der in den 1980er-Jahren mit rauem Charme den "Aussie"-Humor definierte und die Welt eroberte. Männer lachen am Biertisch, wenn ihnen ein Hang zu obszönem Humor nachgesagt wird. Eine Frauengruppe vergibt seit 20 Jahren Trophäen für hanebüchene Äußerungen. Die Auswahl an öffentlichen Männersprüchen, die Politikerinnen unter der Gürtellinie treffen, ist immer riesig.
Die Wähler lässt das Thema Sexismus offenbar dennoch kalt. Einen Frauenbonus bekam Gillard nach ihrer Rede nicht. Sogar Abbott kam bei einer Umfrage unter Frauen im Februar besser weg als sie. Die Labor-Partei ließ Gillard wegen der Umfragetiefs zwei Monate vor der Wahl fallen. Ihr Nachfolger Kevin Rudd (li. im Bild) hat mit elf von 30 zwar eine Rekordzahl von Frauen ins Kabinett geholt - in den Umfragen liegt er vor dem Wahlgang trotzdem hinten.
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