Fataler Zusammenstoß

Gondelunfall in Venedig: Deutscher Tourist tot

Ausland
17.08.2013 19:37
Ein deutscher Tourist ist am Samstag vor den Augen seiner Familie bei einem dramatischen Gondelunfall in Venedig ums Leben gekommen. Der 50-Jährige hatte Medienberichten zufolge mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern einen Ausflug am berühmten Canale Grande unternommen, als die Gondel mit einem Vaporetto, einem in der Lagunenstadt als Verkehrsmittel genutzten Schiff, zusammenstieß.

Wie die Lokalzeitung "Il Gazzetino" berichtete, ereignete sich das Unglück zu Mittag in der Nähe der berühmten Rialtobrücke. Dabei erfasste der Wasserbus die Gondel und schleifte sie rund 20 Meter mit.

Laut Augenzeugen habe der 50-jährige Rechtswissenschaftler, der an der Ludwig-Maximilians-Universität in München gelehrt hatte, kurz vor dem Zusammenstoß noch versucht, sich schützend vor seine dreijährige Tochter zu werfen. Dabei sei er nach Angaben von "Il Gazzetino" vermutlich erdrückt worden. Reanimationsversuche seien erfolglos geblieben, der Familienvater verstarb kurze Zeit später im Krankenhaus.

Tochter mit schweren Kopfverletzungen im Spital
Seine Tochter erlitt demnach schwere Schnittwunden im Gesicht sowie ein Schädel-Hirn-Trauma. Sie wurde ins Spital eingeliefert. Die Ehefrau und zwei weitere Kinder des Paares fielen ins Wasser, blieben aber unverletzt. Sie stehen unter Schock. Wie das Blatt weiter berichtete, hätten zahlreiche Touristen und Restaurantbesucher das Drama vom Ufer aus mitangesehen.

Der Kapitän des Vaporettos gab an, er habe die Kontrolle über sein Schiff verloren, als er versuchte, Gondeln und Wassertaxis an der Brücke auszuweichen. Der Gondoliere, der das Unglück unverletzt überstand, wird von der Polizei zum Unfallhergang befragt. Die Touristengondeln lassen aufgrund des Vorfalls den Betrieb pausieren. Wie Nicola Falconi, Präsident der Gondolieri-Vereinigung, erklärte, soll die Aktion bis Sonntag dauern.

"Ständig passieren Unfälle, aber die Stadt tut nichts"
Rechtsanwalt Mario D'Elia aus Venedig, der seit Jahren die katastrophale Verkehrslage auf dem Canal Grande anprangert, meinte gegenüber der deutschen "Bild"-Zeitung: "Das war ein Unfall mit Vorankündigung. Schlimm, dass es jetzt mit einem Toten enden muss. Ständig passieren hier Unfälle, aber das wird verschwiegen. Die Stadt tut nichts. Die Busse, Gondeln und Boote fahren, ohne Regeln zu beachten. Alles ist überfüllt. Ein Skandal."

Aldo Rato, Chef der Gondolieri-Gewerkschaft, schloss sich der Kritik an: "Wir haben schon oft gesagt, dass der Verkehr zu viel und zu schnell ist, aber niemand hört auf uns." Venedigs Bürgermeister Giorgio Orsoni gab sich geknickt: "Ich will nicht leugnen, dass der zunehmende Verkehr von Booten und Wasserbussen auf dem Canale Grande ein echtes Problem ist, das angegangen werden muss. Es schmerzt mich sehr, was passiert ist."

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