25.07.2013 15:46 |

Nächster Polit-Mord

Tunesien: Politiker von elf Kugeln durchsiebt

In Tunesien ist am Donnerstag erneut ein bekannter Oppositionspolitiker Opfer eines Mordanschlags geworden. Mohamed Brahmi wurde vor seinem Haus in Ariana nahe der Hauptstadt Tunis erschossen, wie die staatlichen Medien berichteten. Der 58-Jährige war Parlamentsabgeordneter und Vorsitzender der Volksbewegung, einer kleinen linksgerichteten nicht religiösen Partei.

Sein Parteikollege Mohsen Nabti berichtete einem Radiosender, Brahmi sei vor den Augen seiner Familie getötet worden. Der Sender Watanya meldete, der Politiker sei von elf Kugeln getroffen worden. Die Attentäter seien mit einem Motorrad geflohen, berichtete ein Mitglied von Brahmis Volkspartei.

Bereits erste Proteste von Anhängern
Nach Bekanntwerden der Nachricht über den gewaltsamen Tod des Politikers kam es bereits zu ersten Protesten. Tausende Demonstranten versammelten sich vor dem Innenministerium in der Hauptstadt Tunis (Bild).

Da der Mordanschlag am Gedenktag zur Republiksgründung im Jahr 1957 verübt wurde, gibt es kaum Zweifel daran, dass radikalislamische Kräfte hinter der Tat stecken. "Die Nachricht ist klar. Die Täter sind gegen den Staat und die Werte der Republik", sagte Cherif Khyari von der Parteienkoalition Volksfront der dpa.

Erst im Februar war der weltliche Oppositionspolitiker Chokri Belaid von islamistischen Extremisten erschossen worden. Sein Tod löste die größten Demonstrationen seit dem Sturz des Machthabers Zine al-Abidine Ben Ali im Jänner 2011 aus. Es kam auch zu einer Regierungsumbildung. Der Attentäter ist nach wie vor auf der Flucht.

Regierung verurteilte "abscheuliche Tat"
Der Islam spielte in Tunesien lange eine so geringe Rolle wie in kaum einem anderen arabischen Land. Seit dem Sturz Ben Alis sind religiöse Hardliner allerdings wieder erstarkt. "Wir verurteilen dieses abscheuliche Verbrechen aufs Schärfste", kommentierte die Regierungspartei Ennahda die erneute Bluttat. Der Mord sei nicht nur ein Angriff auf Brahmi, sondern auf den gesamten demokratischen Übergangsprozess. Die Verfassungsgebende Versammlung in Tunesien will in Kürze ihre Arbeit an einer neuen Verfassung abschließen. Im Anschluss soll es Neuwahlen geben.

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