21.07.2013 19:24 |

19. Todesfall am Berg

Mutter stürzt vor den Augen ihrer Familie in den Tod

Auf der 2.635 Meter hohen Mittagspitze im Arlberggebiet ist am Samstag eine Mutter (49) vor den Augen ihres Mannes und ihrer beiden Söhne (12 und 13) sowie eines Patenkindes in den Tod gestürzt. Es ist dies der tragische Höhepunkt einer traurigen Serie: Binnen zehn Tagen starben drei Bergsteiger vor den Augen ihrer Familie - insgesamt kamen in der laufenden Saison schon 19 Menschen auf Bergen ums Leben.

Die 49-Jährige war mit ihrer Familie auf jenem Berg unterwegs, den sie von zu Hause aus in Schnann am Arlberg sehen konnte. Nach dem Gipfelsieg samt Rast stieg die fünfköpfige Gruppe talwärts, die Mutter ging als Letzte. Nach 200 Höhenmetern Abstieg hörten Ehemann und Kinder einen Schrei.

"Als sie sich umdrehten, sahen sie die Mutter in den Tod stürzen. Eine unglaubliche Tragödie", berichtete ein Alpinpolizist. Die Frau war vermutlich gestolpert und über den 40 Grad steilen Hang abgestürzt. Obwohl der Notarzthubschrauber rasch zur Stelle war, kam jede Hilfe zu spät. "Wir haben die schwer geschockten Kinder und den Mann mit dem Tau geborgen und ins Tal geflogen", so Pilot Markus Lanschützer.

Mit "Crocs" in den Tod gestürzt
Es war dies der dritte Todessturz auf Tiroler Bergen vor den Augen der Familie in nur zehn Tagen: Am 10. Juli war ein 49-jährige Bergretter und Bergführer aus der Leutasch nahe seines Hauses abgestürzt - der Sohn (14) musste zusehen. Erst am Donnerstag wurde ein Hamburger von einem Felssturz am Stuibenfall im Ötztal getötet: Gattin und Tochter (23) waren Augenzeugen.

Tragisches Unglück auch in Kärnten am Zwanzgerberg bei Klagenfurt: Ein 53-jähriger Wanderer rutschte wegen seines Schuhwerks - er trug zum Bergsteigen sogenannte Crocs - aus und stürzte 40 Meter in die Tiefe.

Bereits 19 tote Alpinsportler
In der laufenden Sommersaison kamen auf Österreichs Bergen nach Angaben von Peter Veider, dem Geschäftsführer der Tiroler Bergrettung, bisher bereits 19 Alpinsportler ums Leben. 2012 waren insgesamt 23 Tourengeher gestorben, was bereits einen dramatischen Anstieg gegenüber 2011 (zwölf Tote) bedeutet hatte.

Veider sieht die Ursachen vor allem in einem immer größeren Touristenansturm auf die wachsende Zahl von Klettersteigen, der "lässiger" werdenden Tourvorbereitung und nicht zuletzt der akut hohen Gefahrenlage dieses Sommers: "Es gibt viel Altschneereste, vor allem recht viel Schnee über 2.500 Metern - die Leute rutschen schnell aus, können die Lage offensichtlich nicht immer richtig einschätzen", so Veider.

Rettungshelikopter-Einsätze für faule Bergsteiger
Zudem setzt die Retter eine neue "Mode", so Veider explizit, zunehmend unter Druck: "Immer öfter haben Leute offensichtlich auch keine 'Lust' mehr zum Runtergehen und lassen sich dann von der 'Libelle", dem Hubschrauber des Innenministeriums, einfach ins Tal fliegen - kostet die Betroffenen derzeit ja nichts, die Öffentlichkeit aber schon."

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