01.07.2013 17:00 |

Vor neuem Prozess

Amanda Knox und Ex-Freund Sollecito: Bröckelt die Allianz?

Vier Jahre lang saßen Amanda Knox und ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito (kl. Bild) in Italien im Gefängnis. Die beiden waren 2009 wegen des Mordes an der Britin Meredith Kercher schuldig gesprochen und 2011 wieder freigesprochen worden. Anfang Oktober wird der Prozess in Florenz neu aufgerollt. Vor Gericht wird jedoch nur Sollecito stehen. Die brennende Frage, die sich nun stellt: Wird der 29-Jährige, der mittlerweile um Geld für seine Anwälte bettelt, die Nerven verlieren?

Engel oder Dämonen? Täter oder Opfer? Wird jemals die ganze Wahrheit über jene Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen im Jahr 2007 ans Licht kommen? "Wir werden niemals wissen, wie sich der Mord wirklich zugetragen hat. Die Einzigen, die es uns sagen können, sind Amanda Knox, Raffaele Sollecito und Rudy Guede", ließ Oberstaatsanwalt Giancarlo Galati vor Kurzem aufhorchen.

Fest steht: Wenn das Verfahren im Oktober wiedereröffnet wird, wird Raffaele Sollecito allein vor Gericht stehen. Seine ehemalige Geliebte Amanda Knox, die laut dem zu 16 Jahren Haft verurteilten Rudy Guede ihrer Mitbewohnerin Meredith Kercher in einer Sex-Orgie die Kehle durchschnitt, während er und Sollecito das Opfer festhielten, bleibt in den USA.

Spendenaufruf auf Facebook
Prozess-Insider rechnen damit, dass der mittlerweile 29-jährige promovierte Informatiker dem Druck nicht standhalten wird. Auf seiner Facebook-Seite ruft Sollecito verzweifelt zu Spenden auf, um seine Anwälte Giulia Buongiorno und Luca Mauri bezahlen zu können. Noch im April hatte Mauri gegenüber der "Krone" bekräftigt, den Fall nicht wegen des Geldes, sondern aus Überzeugung übernommen zu haben. Doch bereits damals deutete er an: "Man kann in keinen Menschen hineinschauen, ich kann nur glauben, was mir meine Mandanten erzählen."

"Wäre einfacher, wenn ich ihr kein Alibi gegeben hätte"
Seltsam mutet auch Sollecitos jüngste Aussage gegenüber der britischen Zeitung "The Sun" an: "Es wäre für mich einfacher gewesen, wenn ich Amanda kein Alibi gegeben hätte. Aber sie trifft keine Schuld, ich habe so entschieden. Vielleicht passiert mir im Leben ja auch einmal etwas Wunderschönes als Dank." Vielleicht hat er darauf gehofft, als er sich vor wenigen Tagen mit ihr in New York getroffen hat. Es gab Küsse, Umarmungen und lange Spaziergänge. "Es hat mir so gut getan, mit Amanda gemeinsam über die Ungerechtigkeit eines neuen Prozesses zu sprechen", erzählt Sollecito später.

Wahrscheinlich bat er Knox auch um Hilfe: Geld, das er dringend braucht, hat die 25-Jährige mit ihrem Bestseller "Zeit, gehört zu werden" ausreichend verdient. Von vier Millionen Euro Vorschuss ist die Rede. Mit seinen Memoiren "Honor Bound" konnte Sollecito hingegen nicht einmal seine Schulden abstottern.

"Amanda hat mich wie ein Blitz getroffen"
1.448 Tage hat das ungleiche Paar in Haft verbracht. Verurteilt für ein Verbrechen, das sie begangen haben sollen, nachdem sie sich nur eine Woche kannten. Er, der auf den Fotos von damals wie ein gerade erwachsen gewordener "Harry Potter" wirkt, schwärmt noch heute von ihrer ersten Begegnung: "Amanda hat mich wie ein Blitz getroffen. Ich hatte wenig Erfahrung, sie mehr. Unsere Beziehung wurde schnell intensiv, und der Sex war nicht langweilig."

Gut möglich, dass er in den langen Gefängnisnächten von einer gemeinsamen Zukunft träumte. "Wir hatten zu wenig Zeit, vielleicht wären wir sonst noch immer zusammen", sagt er heute. Knox ging jedoch kurz nach ihrer Rückkehr in die USA eine Beziehung mit dem Musiker James Terrano ein - die beiden wohnen seitdem gemeinsam in der Westküsten-Metropole Seattle.

Sollecito wiederum hat in der wiedergewonnenen Freiheit nie länger als zwei Monate an einem Ort zugebracht. Das Arbeitsvisum für die Schweiz wurde vor wenigen Wochen abgelehnt. Eine kurze Beziehung mit einer entfernten Verwandten soll bereits zu Ende sein. Sein Beziehungsstatus auf Facebook lautet jedenfalls: "Es ist kompliziert." Es bleibt abzuwarten, wie er sich vor Gericht verhält, wenn er nicht mit den Augen die Blicke von Amanda Knox suchen kann.

Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).