Snowden habe für den US-Geheimdienst CIA in Genf gearbeitet, schrieb das Internetportal "Ars Technica" am Donnerstag. Hier habe er in einer Vierzimmerwohnung gelebt und diplomatischen Schutz genossen. Unter dem Pseudonym "TheTrueHOOHA" tauschte er sich demnach in einem öffentlichen Chatroom von "Ars Technica" mit anderen über sein Leben in der Schweiz aus. Die nun publizierten Chatprotokolle zeichnen das Bild eines jungen Mannes, der Mühe hatte, sich an die Verhältnisse außerhalb seiner US-Heimat zu gewöhnen.
Als besonders lästig empfand er die hohen Preise. "Burschen, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie teuer hier alles ist", heißt es. "Du kriegst kein Leitungswasser in Restaurants. Die lassen dich dafür bezahlen. Für Glasflaschen. Fünf Dollar das Stück." Hamburger würden ganze 15 Dollar kosten und nach "fettigem Karton" schmecken.
Alles sei auf Französisch geschrieben und in Metern angegeben. "Gott, ich hasse das metrische System", schrieb Snowden. Über die Angabe der Kalorienwerte von Lebensmitteln in Kilojoules jammert er: "Ich bin doch keine Batterie!"
"Es ist, als lebe man auf einer Postkarte"
Vier Monate später, im April 2007, fand sich Snowden offensichtlich besser in Genf zurecht. "Es ist ziemlich cool bis jetzt", schreibt er. "Es ist, als lebe man auf einer Postkarte." Zudem seien die Mädchen hinreißend - und Prostitution legal. Doch sah der junge IT-Techniker auch Schattenseiten: "Die Straßen sind 35 Inches (rund 89 Zentimeter) breit. Mit 9.000 Autos drauf, zwei Tramlinien und einer Busspur. Und einer Radspur."
Snowden ärgerte sich auch ausgiebig über einen weitverbreiteten Fremdenhass im Land. "Ich hab noch nie, NIE ein rassistischeres Volk gesehen als die Schweizer. Mein Gott, die schauen auf JEDEN herab. Selbst aufeinander."
Enthüllern sollte "in die Eier geschossen werden"
Für den wohl größten Gesprächsstoff sorgen allerdings Äußerungen Snowdens, die dieser Ende 2009 machte. Bezogen auf einen investigativen Artikel der "New York Times", in dem die Zeitung als vertraulich eingestufte Aktionen der USA im Iran enthüllte, schimpfte Snowden: "Wer zum Teufel sind diese anonymen Quellen, die denen das erzählt haben? Diesen Leuten sollte in die Eier geschossen werden."
Derlei Informationen würden aus gutem Grund geheim gehalten werden, argumentiert Snowden wenig später weiter. Es gehe nicht darum, dass die Bürger es nicht herausfinden dürften, sondern darum, "dass dieser Scheiß nicht funktioniert, wenn der Iran weiß, was wir tun". Umso kurioser mutet es angesichts dieser Aussagen an, dass ebenjener Edward Snowden vier Jahre später einen der größten Datenskandale in der Geschichte der USA enthüllte. Wie es zu diesem Sinneswandel kam, kann wohl nur Snowden selbst verraten.
Genaue Aufgabe Snowdens in der Schweiz ungewiss
Noch unklar ist auch, welcher Aufgabe Snowden in der Schweiz konkret nachging. Der Schweizer Außenminister Didier Burkhalter sagte am Donnerstag, man habe noch Fragen zu Snowdens Tätigkeit als CIA-Agent in Genf, nachdem man zu geäußerten Fragen nur eine "diplomatische" Antwort aus den USA erhalten habe. "Sie haben geantwortet, dass sie die Schweizer Gesetze geachtet und nie etwas besonders Problematisches getan hätten." Man habe die "sehr diplomatische" Antwort zur Kenntnis genommen, aber auch entschieden, weitere Punkte mit Washington zu erörtern, so Burkhalter.
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