Wer bereits im Vorgänger "Wargame: European Escalation" in den fiktiven dritten Weltkrieg gezogen ist, wird sich in "AirLand Battle" rasch zurechtfinden. Der Spielaufbau ist nämlich gegenüber dem Vorgänger weitgehend gleich geblieben. Nach wie vor erobert man im Einzelspielermodus auf einer Übersichtskarte entweder als NATO-General oder als Befehlshaber des Warschauer Pakts Europa. Im Gegensatz zum Vorgänger allerdings ab sofort nicht mehr nur am Boden, sondern auch mit Luftangriffen.
Auf der Übersichtskarte darf man – wie in den Strategie-Perlen der "Total War"-Reihe – Truppen verschieben, Angriffe planen und sich so Runde für Runde dem Ziel, ganz Europa zu beherrschen, annähern. Kommt es zu Feindkontakt, wechselt das Spiel in die Echtzeitstrategie-Ansicht, bei der im Verlauf der Handlung mitunter riesige Armeen aufeinandertreffen. Schade: Die Möglichkeiten auf der Übersichtskarte sind etwas begrenzt. Stellungen lassen sich beispielsweise nicht ausbauen, nur die Truppen dürfen bewegt werden.
Fad inszenierte Solokampagne fesselt nur bedingt
Eine gut inszenierte Kampagne hat "Wargame: AirLand Battle" allerdings nicht zu bieten. Tatsächlich muss der Spieler mit ein paar lieblos per Textbox eingeworfenen Infos zum Stand des Krieges vorlieb nehmen, wenn er sich in der Einzelspielerkampagne austoben will. Das schadet zwar nicht dem Gameplay an sich – schließlich machen sowohl rundenbasierte Truppenbewegungen auf der Übersichtskarte als auch die Echtzeit-Scharmützel bei Feindkontakt durchaus Laune. Allerdings hätte etwas mehr Hintergrundgeschichte dem Spiel sicher nicht geschadet.
Womöglich waren die Macher von "Wargame: AirLand Battle" aber auch einfach zu beschäftigt mit der detailgetreuen Nachbildung der unzähligen verschiedenen Einheiten, die im Spiel auf beiden Seiten zur Verfügung stehen. Da gibt es nicht einfach nur NATO und Warschauer Pakt, sondern in beiden Fraktionen nochmals Untergruppen wie etwa französische, tschechoslowakische oder DDR-Streitkräfte, die sich beim verfügbaren Kriegsgerät teils deutlich unterscheiden.
800 realitätsnahe Einheiten aus zwölf Armeen verfügbar
Tatsächlich steht dem Spieler ein recht detailgetreues Abbild des militärischen Arsenals des Jahres 1981 zur Verfügung – sowohl für die NATO als auch für die Sowjets. Die Detailverliebtheit geht so weit, dass jede Einheit – insgesamt gibt es rund 800 verschiedene Typen von Kriegsgerät und Infanterie, die das Spiel aus den Armeen von zwölf verschiedenen Ländern rekrutiert – ins Detail, bis hin zum Gewicht, möglichst realitätsnah abgebildet wird.
Die neu hinzugekommenen Flugzeuge fügen sich gut ins bereits aus dem Vorgänger bekannte Gameplay ein. Sie sind nicht fix auf der Karte stationiert, sondern werden vom Spieler bei Bedarf gerufen, um einen bestimmten Bereich von Feinden zu säubern oder gezielt einzelne gegnerische Einheiten abzuschießen. Nach einiger Zeit auf dem Schlachtfeld ziehen sich die gerufenen Flieger wieder zurück, um sich mit Nachschub einzudecken.
Tüfteln lohnt sich: Ausgewogene Armeen bringen den Sieg
Die größte Schwierigkeit in "Wargame: AirLand Battle" liegt wegen der Einheitenmasse darin, schlagkräftige Armeen aufzustellen. Weil alle Truppentypen nach dem Stein-Schere-Papier-Prinzip Probleme im Kampf gegen bestimmte andere Truppentypen haben, empfiehlt sich nämlich keineswegs die Investition in eine enorme Panzer-Armada oder totale Luftüberlegenheit.
Stattdessen gilt es, die verschiedenen Einheitentypen geschickt zu kombinieren, Panzereinheiten ausreichend Luftabwehr mit auf den Weg zu geben und Aufklärungstruppen einzusetzen, um die eigenen kostbaren Jets nicht in die gegnerische Luftabwehr fliegen zu lassen. Die eigene Armee stellt der Spieler in Form eines "Decks" zusammen, das er gegen Spielgeld mit verschiedenen Arten von Streitkräften füllt, und das in seiner Zusammensetzung möglichst ausgeglichen sein sollte.
Richtig Spaß machen die Schlachten allerdings erst im Multiplayer. Einerseits, weil das Spiel gegen menschliche Gegner aufgrund der vielen Hobbygenerälen eigenen Hinterhältigkeit noch weit fordernder und unberechenbarer ist als das gegen den Computer, andererseits, weil in den Mehrspielerpartien die Armeen von bis zu 20 Spielern – zehn pro Fraktion – aufeinanderprallen. Im Test machten gerade diese Mehrspielerpartien großen Spaß, wenngleich in richtigen Materialschlachten durchaus mal die Übersicht verloren gehen kann.
Hübsche Optik mit Multiplayer-Rucklern
Zum Problem können die Multiplayer-Scharmützel allerdings auch werden. Während die Bildrate in unserem Test im Einzelspielermodus weitgehend konstant blieb und das Spiel optisch trotz riesiger Karten auch mit hübschen Details wie sich im Wind wiegendem Gras und hübschen kleinen Städtchen zu gefallen weiß, verlangen die Einheitenmassen, die im Mehrspielermodus aufeinandertreffen, der Hardware schnell alles ab. In der Hitze des Multiplayer-Gefechts kam es auf dem Testrechner gelegentlich zu Rucklern.
Wenig auszusetzen gibt es am Sound von "Wargame: AirLand Battle". Die musikalische Untermalung ist zu keiner Zeit aufdringlich und fügt sich gut in die Schlachten ein. Und auch die Umgebungsgeräusche, allen voran die Schüsse, Detonationen und Raketen-Sounds, wissen zu gefallen.
Die Steuerung hätte etwas intuitiver ausfallen dürfen. Bis man sich in "AirLand Battle" zurechtfindet, kann durchaus einige Zeit vergehen - insbesondere, wenn man den Vorgänger nicht gespielt hat. Aber auch Strategieveteranen verlangt das Mikromanagement einiges ab, wenn erst einmal größere Armeen in die Schlacht ziehen. Gelegentlich schrammt die Steuerung in Massenschlachten schon hart am Prädikat "fummelig" vorbei.
Fazit: Mit "Wargame: AirLand Battle" liefert Focus Home Interactive anspruchsvolle Strategiekost, die vor allem durch ihren gelungenen Mehrspielerpart überzeugt. Die Einzelspielerkampagne hätte man packender inszenieren können, sie ist aber ohnedies eher Beiwerk für die spektakulären Massenschlachten gegen menschliche Spieler.
Umgesetzt ist das Spiel solide, Bugs fielen uns im Test nicht auf. Dass das Game bei Materialschlachten gelegentlich für Ruckler sorgt, ist angesichts der aufeinandertreffenden Einheitenmassen verschmerzbar. Was bleibt, ist ein spaßiges Strategie-Game mit ein paar Schwächen, aber auch einer unglaublichen Masse an verschiedenen Einheiten, das besonders Freunde von militärisch realitätsnahen Mehrspielerschlachten zum Taktieren einlädt.
Plattform: PC
Publisher: Focus Home Interactive
krone.at-Wertung: 7/10
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