2024 war nicht das stärkste Jahr des Bundespräsidenten. Da hatte sich schon die Ansicht festgesetzt, Alexander Van der Bellen entrücke zunehmend der Wirklichkeit. Das soll vom gekrönten bis zum gewählten Personal in der Hofburg schon vorgekommen sein. Gegen die bis in die heutige Republik reichenden Restbestände des höfischen Zeremoniells ist kein Mensch dauerhaft immun.
Zum Glück gibt es nicht nur die Hofburg, sondern auch die „Krone“. Die wirkt als Stimme Österreichs oft als Korrektiv, wenn manchen die politische Höhenluft zu schaffen macht. In der „Krone“ können aufmerksame Politiker auch ganz praktische Anregungen für ihre Arbeit finden. So hatte der Autor dieser Kolumne am 23. Dezember empfohlen, noch vor Abschluss des Koalitionsvertrags einmal zu klären, was und wie Österreich in Zukunft überhaupt sein will.
Bedauerlicherweise hatten die Regierungsverhandler diesen freundlichen Hinweis in ihren Überlegungen nicht berücksichtigt. Dabei ist der Bundespräsident schon ein aufmerksamerer Leser der Zeitung. Er stellte in seiner Neujahrsrede diese von der „Krone“ aus gutem Grund aufgeworfene Frage, was aus diesem Land werden soll, und in welchem Land wir leben wollen?
Man kann bloß hoffen, dass Van der Bellen mit seiner Erinnerung nicht zu spät kommt, und die führenden Köpfe der Dreierkoalition beim Verfassen langer Ministerlisten sich nicht vor allem einmal nur fragen, was aus ihnen wird und wie sie leben wollen.
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