Krise in Griechenland
Nun lebt auch die Bildungsschicht auf der Straße
In Griechenland verändern die "neuen Obdachlosen" das Bild der Straßen. Betroffen sind im fünften Jahr der Krise immer häufiger Leute zwischen 30 und 45 Jahren, oftmals Akademiker und Freiberufler wie Designer und Journalisten. Es handelt sich um Menschen, die ins soziale Abseits gerutscht sind, ohne je alkoholkrank, drogensüchtig oder psychisch krank gewesen zu sein, sagt Ada Alamanou von der Hilfsorganisation Klimaka. In Griechenland des Jahres 2013 ist kaum jemand mehr vor Obdachlosigkeit sicher.
Mehr als 20.000 Menschen leben auf der Straße
Nach aktuellen Schätzungen leben in Griechenland mehr als 20.000 Menschen auf der Straße, die Hälfte davon allein in Athen. Wie viele Obdachlose es genau sind, ist schwer zu sagen, denn das löchrige soziale Netz in Griechenland konnte Armut bereits vorher nicht gut auffangen. Inzwischen sind selbst in der pittoresken Altstadt Athens immer öfter in Hauseingängen zusammengekauerte Figuren zu sehen.
Ausländer, die auf der Straße leben, wurden zuletzt immer wieder Opfer von Neonazi-Attacken. Auch er habe schon Übergriffe auf Obdachlose gesehen, sagt Leon. Die soziale Ausgrenzung von Armen nehme allerdings im Allgemeinen zu, selbst nächste Verwandte würden nicht helfen.
Unter den Wohnungslosen macht sich Verzweiflung breit: Knapp die Hälfte gibt an, keine Freundschaften mehr zu schließen. Fast ein Fünftel soll schon einen Selbstmordversuch hinter sich haben, heißt es in einer aktuellen Studie. Die Mehrheit der Obdachlosen lebt demnach von Almosen und hat weniger als 20 Euro im Monat in der Hand. Die Betroffenen beklagen, sie seien für den Staat und die meisten Mitmenschen unsichtbar.
Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer. Trotz der fehlenden Anteilnahme der Mehrheit habe die Zahl derer, die sich für die Obdachlosen engagieren, zugenommen, sagt die Aktivistin Alamanou, deren NGO Betroffenen mit Notunterkünften hilft. "Die Leute sind jetzt informiert und sensibel".
Obdachlosenbewegung fordert Respekt und Unterstützung
Auch die Betroffenen selbst wollen sich organisieren. In Athen formiert sich unter dem Motto "Keine Parolen, sondern Forderungen" eine Obdachlosenbewegung, die Respekt und Unterstützung einfordert. Das bekräftigt auch Giorgos Barkouris, der durch die Hilfe von Klimaka wieder ein Dach über dem Kopf hat. Die Bewegung der Obdachlosen wolle der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten: "Für uns spielt nicht die Barmherzigkeit die wichtigste Rolle, sondern das gegenseitige Verständnis und die Solidarität".







Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.