"Arab Idol"

Palästina findet in Gaza einen jungen Superstar

Ausland
22.05.2013 12:58
Kreischende Fans versammeln sich jeden Freitag und Samstag in Cafes des Gazastreifens und Westjordanlands. Auf Großbildschirmen bejubeln sie ihren lokalen Helden Mohammed Assaf, der es bis in die Endrunde der gesamtarabischen Castingshow "Arab Idol" geschafft hat. Der 22-Jährige aus Gaza hat bei den Liveauftritten in Beirut adrett gekleidet und mit mächtiger Stimme alle Ausscheidungen und die beiden ersten Endrunden überstanden. Er gehört nun zu den letzten acht Kandidaten, die den Titel, einen Sportwagen und einen Plattenvertrag gewinnen können.

Überall schwenken die Anhänger Transparente, um die Fernsehzuschauer zu drängen, für Assaf zu stimmen. Wie beim britischen Vorbild "Pop Idol", scheidet jede Woche der Bewerber mit der geringsten Stimmenzahl aus. "Er hat es verdient zu gewinnen", sagt die 19-jährige Maja in einem Cafe von Assafs Heimatstadt Gaza. Nach einem Zug an der Wasserpfeife erklärt sie warum: "Seine Stimme ist großartig, seine Bühnenpräsenz noch besser, niemand dort ist wie er. Er ringt um das Ansehen von Palästina und Gaza. Ich bin so stolz, dass er von hier ist."

Selbst Palästinenserpräsident Abbas unterstützt den Sänger
Assaf, der in der Sendung als Vertreter "Palästinas" präsentiert wird und inzwischen auch in den israelischen Medien Beachtung findet, wird nicht nur in der breiten Öffentlichkeit bewundert, sondern auch von prominenten Politikern im Westjordanland. So rief Palästinenserpräsident Mahmud Abbas den jungen Sänger an, und der kommissarische Regierungschef Salam Fajad unterstützt ihn mit Einträgen auf seiner Facebook-Seite.

Als Assaf fünf Jahre alt war, kehrte seine Familie aus dem libyschen Misrata, wo der Vater als Buchhalter gearbeitet hatte, in den Gazastreifen zurück. Dort sang der Bursche mit Inbrunst nationalistische Palästinenserlieder, was ihm bereits TV-Auftritte bescherte. Und auch seine Titelauswahl bei "Arab Idol" ist politisch beeinflusst.

"Palästina, der Norden wie der Süden, zwei Brüder in der Arabischen Welt", hieß der Refrain bei seinem jüngsten Auftritt. Das Saalpublikum in der libanesischen Hauptstadt hielt Kufiyas (traditionelle arabische Kopfbedeckung, bei uns auch als "Pali-Tuch" bekannt, Anm.) hoch und die Jury, zu der arabische Popgrößen gehören, klatschte ekstatisch mit. Doch die Konkurrenz in der Castingshow, die vom saudi-arabischen Sender MBC live in Beirut produziert wird, ist beinhart. Zu den Interpreten aus dem gesamten Nahen Osten und Nordafrika, die es bis hierher geschafft haben, gehört auch ein Bewerber aus der umkämpften syrischen Stadt Aleppo.

Hamas-Aktivisten legen dem Gesangstalent Steine in den Weg
Aber auch Assaf musste viele Schwierigkeiten überwinden, um auf die große Bühne zu gelangen. Die strikte israelische Blockade des Gazastreifens, seit die radikalislamische Hamas dort 2007 an die Macht kam, macht einem das Leben nicht leichter. "Gaza ist eben nicht nur Terrorismus, Tod und Gewalt", sagt Zuschauerin Sana beim Public Viewing der letzten Sendung. "Wir haben Künstler, die ihr Talent entwickeln wollen und die dafür ein wenig Freiheit brauchen", ergänzt sie.

Die Hamas missbilligt allerdings unislamische Veranstaltungen wie "Arab Idol". Doch auch wenn Hamas-Aktivisten auf Facebook eine Kampagne gegen die Assaf-Euphorie starteten, hielt sich die Führung bisher lieber heraus. Assafs Eltern (Bild 3), die ihre Wohnung mit "Arab Idol"-Aufnahmen des Sohns geschmückt haben, wissen, dass er zu Hause seinen Erfolg nicht verwerten kann. "Die Jugend hier will normal leben", sagt die Mutter Umm Schadi, Lehrerin in einem Flüchtlingslager. "Aber dafür muss sie aus ihren harten Lebensumständen ausbrechen." Und Vater Dschaber sagt: "Wenn er davon leben will, muss er Gaza leider verlassen."

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