Deal abgelehnt

“Costa Concordia”: Ankläger hat Mitleid mit Schettino

Ausland
15.05.2013 21:32
Nach der Havarie der "Costa Concordia" droht Kapitän Francesco Schettino (Bild) eine Haftstrafe von 20 Jahren. "Schettino begreift nicht, dass ihm 20 Jahre drohen, sollte es zu einem Prozess kommen", betonte der ermittelnde Oberstaatsanwalt Francesco Verusio am Mittwoch. "Man behauptet, dass ich gegen Schettino sei. In Wahrheit empfinde ich Mitleid für ihn", so Verusio, nachdem seine Behörde einen Deal mit dem Unglückskapitän abgelehnt hatte. Schettino wiederum fordert wegen "moralischer Schäden" Schadenerstatz.

Der Krisenmanager der Reederei Costa Crociere, Roberto Ferrarini, der Steuermann des Schiffes sowie drei weitere Besatzungsmitglieder hatten sich am Dienstag mit der Staatsanwaltschaft über einen Vergleich geeinigt. Sie könnten demnach gegen ein Schuldeingeständnis zu Haftstrafen von bis zu zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt werden.

Ankläger: "Vorschlag der Anwälte lächerlich"
Einen Antrag des mutmaßlichen Hauptschuldigen Schettino auf einen ähnlichen Deal lehnte die Staatsanwaltschaft der toskanischen Stadt Grosseto allerdings ab. Schettinos Anwälte hatten eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten vorgeschlagen, was von Verusio jedoch als "lächerlich" zurückgewiesen wurde. Schettinos Rechtsanwalt Francesco Pepe protestierte: "Es ist skandalös. Schettino läuft jetzt Gefahr, dass allein gegen ihn ein Prozess wegen des Unglücks geführt wird."

Schettino will Geld für "moralische Schäden"
Die Rechtsanwälte des Kapitäns bestritten erneut, dass Schettino das Schiff verlassen habe, während sich noch hunderte Passagiere an Bord befunden hätten. "Die Behauptung, Schettino sei vor seiner Verantwortung geflüchtet, ist einfach absurd", betonte Pepe. Schettino fordert zudem eine Entschädigung von der in dem Fall ermittelnden Staatsanwaltschaft. Der Kapitän will Geld für "moralische Schäden" verlangen, nachdem ihn die Staatsanwaltschaft in den Ermittlungsakten als "Kriminellen" und als "genusssüchtigen Aufschneider" bezeichnet hatte.

Unglück forderte 32 Menschenleben
32 Menschen starben beim "Costa Concordia"-Unglück am 13. Jänner 2012. An Bord befanden sich damals auch 77 Österreicher. Gegen Kapitän Schettino, mehrere Offiziere und Vertreter der Reederei soll demnächst ein Prozess beginnen. Das 290-Meter-Schiff soll bis voraussichtlich September 2013 so weit gehoben werden, dass es abgeschleppt werden kann.

Gegen die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere, Betreiberin der "Costa Concordia", wird es kein Hauptverfahren geben. Sie hatte sich bereits im April mit dem Gericht auf einen Vergleich geeinigt (siehe Infobox). Das Unternehmen zahlt eine Million Euro für das Fehlverhalten seiner Mitarbeiter. Die Reederei will als Nebenklägerin Schadensersatz für den Verlust des Schiffes fordern.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
15.05.2013 21:32
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung