Vier Philippiner

Erneut Blauhelme in der Gewalt von syrischen Rebellen

Ausland
08.05.2013 17:34
Syrische Rebellen haben erneut Angehörige der UNO-Friedenstruppe in ihre Gewalt gebracht. Die vier Philippiner seien an der syrisch-israelischen Waffenstillstandslinie "zu ihrer eigenen Sicherheit" in Gewahrsam genommen worden, erklärte die Gruppe "Jarmuk-Märtyrer" am Dienstag. Truppen von Staatschef Bashar al-Assad und Kriminelle seien eine Gefahr für die Soldaten gewesen, so die Darstellung der Rebellen. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Gefangennahme scharf und forderte die sofortige Freilassung der Beobachter.

Die Rebellen brachten die Philippiner nach UNO-Angaben im Süden der Pufferzone in ihre Gewalt. In der Nähe waren bereits im März 21 philippinische Angehörige der UNO-Truppe drei Tage lang festgehalten worden. Auch dafür waren die "Jarmuk-Märtyrer" verantwortlich. Berichte über eine Geiselnahme wiesen die Rebellen damals zurück (siehe Infobox).

Rebellensprecher will Ball flach halten
Ein Sprecher der Rebellengruppe erklärte nun, der Vorfall solle nicht unverhältnismäßig hochgespielt werden: "Sie sind wohlbehalten und werden so schnell wie möglich übergeben." Die UNO-Mitarbeiter hätten sich in einem Gebiet aufgehalten, in dem es zu heftigen Kämpfen gekommen sei.

Die Friedenstruppe ist seit 1974 in der Region aktiv, um den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien zu überwachen. Auch andere Länder wie Österreich oder Indien stellen dafür Soldaten. Derzeit sind 377 Österreicher am Golan stationiert.

Sicherheitslage für Österreichs Soldaten "beherrschbar"
Der stellvertretende UNO-Missionschef am Golan, der Österreicher Stefan Thaller (Bild 2), ist "guter Hoffnung", dass die Blauhelme bald freigelassen werden könnten. Ein Verhandlungsteam sei unterwegs, und auch auf politischer Ebene seien Bemühungen um eine Freilassung im Gang, sagte Thaller in der "ZiB2" am Dienstagabend.

Zur Situation der österreichischen Soldaten befragt, meinte Thaller, die Lage sei "beherrschbar". Die Sicherheit der Soldaten stehe an oberster Stelle und die Österreicher hätten die beste Ausrüstung aller UNO-Kontingente.

Angriff auf UNO-Truppen wäre Rückzugsgrund
Zu einem eventuellen Abzug der österreichischen Soldaten sagte Thaller, mögliche "rote Linien", die die österreichischen Politiker zu einem Neuüberdenken der Stationierung bringen könnten, wären ein direkter Angriff auf die UN-Truppen, ein Angriff mit chemischen Waffen oder dass die Rotation der UNO-Truppen über israelisches Gebiet nicht mehr erlaubt werde.

Der Bürgerkrieg in Syrien hatte schon mehrfach Verwicklungen mit anderen Ländern zur Folge. So landeten etwa in der Türkei Artilleriegeschosse aus Syrien. In dem Konflikt sind laut UNO bisher mehr als 70.000 Menschen getötet worden.

USA und Russland wollen internationale Syrien-Konferenz
Indes wollen Russland und die USA zur Beendigung des Bürgerkriegs in Syrien stärker an einem Strang ziehen. Man habe sich auf die Einberufung einer internationalen Konferenz verständigt, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag nach einem Treffen mit seinem US-Amtskollegen John Kerry in Moskau.

Die Konferenz solle möglichst noch im Mai stattfinden. Alle an dem syrischen Konflikt beteiligten Gruppen sollen demnach an einen Tisch gebracht werden. Außerdem verständigten sich die USA und Russland darauf, die syrische Regierung und die Oppositionsgruppen zu ermutigen, eine politische Lösung zu finden, so Lawrow.

Bisher hatten Moskau und Washington im Syrien-Konflikt unterschiedliche Positionen vertreten: Während die russische Regierung im Assad-Regime einen Verbündeten sah, verlangten die USA dessen Sturz. Als UNO-Vetomacht blockierte Russland auch Sanktionen gegen Damaskus im Weltsicherheitsrat. Ein Ziel des Moskau-Besuch Kerrys war es deshalb, Verhandlungsspielräume auszuloten.

Internet-Blackout als Vorzeichen für Militäroffensive?
In Syrien war am Dienstag laut US-Angaben das Internet ausgefallen. Die Verbindung konnte am Mittwoch wieder hergestellt werden, wie unter anderem Google mitteilte. Auch Bewohner des Bürgerkriegslandes bestätigten, sie seien wieder mit dem Web verbunden. Schuld für den Ausfall seien Schäden an Glasfaserkabeln gewesen, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA. Die Rebellen warfen dem Regime hingegen vor, die Verbindungen gekappt zu haben, um eine Militäroffensive vorzubereiten.

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