Bangladesch-Drama
Dhaka: “Letzte Überlebende” durch Brand getötet
Zunächst hatten die Rettungskräfte noch Hoffnung für die verschüttete Frau. "Wir konnten ihre Laute hören", sagte ein Feuerwehrmann. Die Frau habe sich als Sakhina Begum identifiziert. "Als wir zu ihr vordrangen, flehte sie, wir sollten sie nicht im Stich lassen." Sie sei noch mit Sauerstoff, Wasser und Nahrung versorgt worden. Dann aber brach ein Feuer aus, bei dem die Frau ums Leben kam. "Wir haben diesen Kampf verloren, das bricht uns allen das Herz", meinte der Feuerwehrmann. "Sie war eine tapfere Dame, die bis zum Schluss gekämpft hat."
"Wir glauben, sie war die letzte Überlebende"
Am vierten Tag nach dem Unglück starben die Hoffnungen, weitere Überlebende unter den Überresten des Gebäudes zu finden. "Wir glauben, dass diese Frau die letzte Überlebende war. Sollte kein Wunder passieren, denke ich nicht, dass noch jemand unter den Trümmern überlebt hat", erklärte der Feuerwehrmann. Zahlreiche Angehörige möglicher Verschütteter seien jedoch noch immer an der Unglücksstelle versammelt und hofften auf Nachricht.
Fabrikbesitzer verhaftet: "Hängt den Mörder!"
Die Nachricht von der Festnahme des Besitzers des Fabrikgebäudes, Sohel Rana, löste in der Menge am Sonntag wütende Schreie aus: "Hängt Rana, hängt den Mörder!", riefen die Menschen. Amtlichen Angaben zufolge wollte sich der Mann gerade nach Indien absetzen. Der Chef der bangladeschischen Polizeieliteeinheit, Muklesur Rahman, teilte mit, der Unternehmer sei in Benapole an der indischen Grenze gefasst und im Hubschrauber zurück in die Hauptstadt Dhaka gebracht worden. Rana ist Mitglied der Regierungspartei in Bangladesch.
Bereits am Samstag wurden drei Chefs von in dem Gebäude ansässigen Textilfabriken unter dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung festgenommen. Zudem wurden zwei Ingenieure in Gewahrsam genommen.
Protest gegen miserable Arbeitsbedingungen
Das teilweise illegal errichtete Gebäude in Dhaka war am Mittwochmorgen eingestürzt. Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen rund 3.000 Menschen in fünf Fabriken in dem Gebäude gearbeitet haben. Zahlreiche Textilarbeiter protestieren seit dem Einsturz gegen die miserablen Arbeitsbedingungen in ihrer Branche. Viele der 4.500 Textilfabriken des Landes wurden deshalb vorübergehend geschlossen, die Fabrikbesitzer erklärten den Samstag und den Sonntag zu freien Tagen.
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