Carabinieri verletzt
Rom: Attentäter hatte Politiker im Visier
Bei der Attacke handle es sich um die Tat eines Einzelnen, erklärte der neue italienische Innenminister Angelino Alfano am Sonntag nach einem Besuch bei den verletzten Carabinieri im Krankenhaus. Der Schütze sei am Samstag nach Rom gereist, um eine "aufsehenerregende Geste" zu setzen. Es bestehe keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit in Italien, allerdings seien die Kontrollen rund um institutionelle Einrichtungen verschärft worden. Aus Sicherheitsgründen sollen zudem die Eskorten für die Minister und die ranghöchsten Politiker in Italien verstärkt werden.
Verletzte Carabinieri nicht in Lebensgefahr
Laut den Behörden kam der 49-jährige Preiti zu Fuß auf die Piazza Colonna, wo sich der Regierungssitz befindet. Dort sei er von zwei Carabinieri aufgehalten worden, auf die er dann das Feuer eröffnet habe. Er soll sechs Schüsse abgegeben haben. Einer der Beamten wurde dabei am Hals getroffen - er soll schwere Verletzungen an der Wirbelsäule erlitten haben und könnte gelähmt bleiben. Sein Zustand sei aber nicht lebensbedrohlich. Der zweite Polizist wurde am Bein verletzt.
Außerdem wurde auch eine Fußgängerin von einem Projektil leicht verwundet. Sie ist Medienberichten zufolge schwanger und war gerade mit ihrer Familie unterwegs. Der 49-jährige Schütze wurde unmittelbar nach dem Attentat festgenommen und ins Krankenhaus gebracht. Am Montag wurde er dann ins römische Gefängnis Rebibbia gebracht.
Luigi Preiti soll laut Medienberichten geistig verwirrt sein. Der Bruder des Schützen dementierte dies jedoch umgehend: "Er ist nicht geistig verwirrt. Ich bin sprachlos, ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist." Auch die Ex-Frau, von welcher der Mann seit drei Jahren getrennt ist, reagierte schockiert: "Ich kann nicht begreifen, warum er das gemacht hat."
Staatsanwalt: Täter wollte auf Politiker schießen
Preiti liegt derzeit mit Kopfverletzungen im Krankenhaus. Laut dem ermittelnden Staatsanwalt Pierfilippo Laviani habe der Täter eigentlich auf Politiker schießen wollen. Bei seiner Einvernahme habe der Mann angegeben, die Idee zu dem Anschlag sei ihm vor 20 Tagen gekommen: "Ich wollte die Politiker treffen, uns geht es schlecht und sie helfen uns nicht." Da er diese jedoch nicht erreichen konnte, weil er nicht in die unmittelbare Nähe des Regierungssitzes gelassen wurde, habe er das Feuer auf die Carabinieri eröffnet. Preiti scheine nicht geistig verwirrt zu sein und habe seine Tat gestanden, so Laviani, der den Täter zuvor vernommen hatte, weiter.
Der 49-Jährige soll sich die Waffe, die er benutzte, über illegale Wege besorgt haben. Preiti habe keine Waffenlizenz und sei nicht vorbestraft, erklärte Laviani. Der Mann hatte rund 50 Schuss Munition bei sich. "Es hätte ein Massaker werden können", meinten Justizbeamte laut der Zeitung "Corriere della Sera" vom Montag. Mit seiner Pistole mit abgefeilter Registriernummer, Kaliber 7,65, gab Preiti sieben Schüsse ab. Weitere Projektile trug er in einem kleinen Koffer und in seinen Taschen.
Der Täter stecke wegen seiner Abhängigkeit von Glücksspielen in schweren Nöten, erklärte Laviani. Dies hatte zur Scheidung von seiner zweiten Frau geführt, auch seine Arbeit hatte der Mann verloren. Daraufhin sei er vom norditalienischen Piemont nach Rosarno in Kalabrien zu seinen Eltern gezogen. Die Wohnung der Eltern sei bereits durchsucht worden.
Anwalt: "Er war Opfer eines Wutausbruchs"
Der Rechtsanwalt des geständigen Täters, Mauro Danielli, erklärte am Montag: "Als er von den Verletzten erfahren hat, hat er zu weinen begonnen und um Verzeihung gebeten." Der Rechtsanwalt berichtete, dass der Täter seit mehreren Jahren an Depression litt. "Er war Opfer eines Wutausbruchs, er wollte eigentlich niemandem schaden. Er ist ein harmloser Mensch."
Vorfall überschattete Regierungsangelobung
Die Schießerei sorgte für dramatische Szenen auf der zentralen Piazza Colonna im Herzen der italienischen Hauptstadt. Hunderte Menschen warteten auf die neuen Minister, die nach der Vereidigung am Präsidialsitz zu einer ersten Ministersitzung am Regierungssitz zusammenkommen sollten. Der Platz musste geräumt werden, die Sicherheitsvorkehrungen wurden erhöht.
Der Vorfall überschattete außerdem die Vereidigungszeremonie (Story in der Infobox). Die neuen Minister, die nach der Angelobung von den Geschehnissen erfuhren, zeigten sich bestürzt. "Wir müssen erst begreifen, was passiert ist", sagte etwa Verteidigungsminister Mario Mauro.
Roms Bürgermeister: "Man darf sich nicht wundern"
Roms Bürgermeister Gianni Alemanno machte das angespannte politische Klima in Italien für die Schuss-Attacke verantwortlich. "Es handelt sich um die Tat eines geistig Verwirrten, doch man darf sich nicht wundern, wenn man ununterbrochen gegen die Institutionen wettert, als wären sie abzubauen." Auf die Frage einiger Journalisten, ob er sich damit auf die Protestbewegung "Fünf Sterne" beziehe, die eine scharfe Kampagne gegen die ihrer Ansicht nach korrupten etablierten Parteien führt, antwortete Alemanno: "Ich beziehe mich auf niemanden."
Die Parlamentarier der "Fünf Sterne"-Bewegung verurteilten die Schießerei. Ihr Gründer Beppe Grillo erklärte: "Hoffentlich bleibt das ein Einzelfall. Unsere Bewegung ist nicht gewalttätig."







Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.