Eine kleine Geschichte der Sexarbeit: Schauspielerin Bettina Buchholz und Johannes Neuhauser (Autor und Regisseur) vom Kulturverein Etty thematisieren im Theater Tribüne „Sex in Linz“. Dokumentarisch möchte man Sexarbeit aus der Schmuddelecke holen, was nur ansatzweise gelingt.
Der Ort der Aufführung, die als Realsatire mit Herz, Humor und Tiefgang angekündigt wird, ist ideal gewählt. Bevor einst das Landestheater und dann die Tribüne einzogen, war „das Eisenhand“ Oberösterreichs erstes Sexkino. Hier nimmt die Erzählung der sächselnden Putzfrau, einer „Putzgröße in der Erotikbranche“, dargestellt von Bettina Buchholz, ihren Ausgang.
Sie zieht Bilanz: Sie hielt nicht nur die Kinoreihen sauber, sondern auch die Kabinen in Österreichs erster Peep-Show. Sie kannte die Szene, etwa die Bordellchefin Frau Eva, die sich für die Rechte der Sexarbeiterinnen stark gemacht hat. Sie erlebte mit, wie sich das Sexgeschäft in die Laufhäuser verlegte und die Puppenhäuser als neuer Trend das Milieu veränderten.
Markante Ereignisse bleiben ausgespart
Mit Videos und gedanklichen Seitensprüngen bis hin zum Absturz der Lauda Air in Bangkok zieht sie zur Pensionierung Bilanz. Manches wird verkürzt dargestellt oder ganz ausgespart: wie der Straßenstrich am Pfarrplatz oder ein aufsehenerregender Mord im Milieu.
Erst im letzten Drittel der Vorstellung offenbart sich die Intention der Theaterdoku. Sie möchte die Sexarbeit aus der Schmuddelecke holen und auf das verdienstvolle Wirken der Caritas-Beratungsstelle Lena für Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind bzw. waren, aufmerksam machen. Ein hehres Anliegen!
Es bleibt aber die Frage offen, ob Theaterpublikum die richtige Adresse dafür ist. Das Gastspiel in der Tribüne Linz ist noch am 22.11., 30.11., 5.12. und 13.12. zu sehen.
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