Nach Ultimatum

Südkorea evakuiert alle Arbeiter aus Industriezone

Ausland
26.04.2013 13:31
Die südkoreanische Regierung hat am Freitag die Evakuierung aller Landsleute aus dem nordkoreanischen Industriekomplex Kaesong bekannt gegeben. Die Entscheidung sei getroffen worden, um die Sicherheit der Südkoreaner zu gewährleisten, erklärte Südkoreas Minister für Wiedervereinigung, Ryoo Kihl Jae. Das nordkoreanische Regime von Diktator Kim Jong Un hatte zuvor ein Ultimatum Südkoreas zu Gesprächen über die Zukunft der Industriezone verstreichen lassen.

In Kaesong sind 123 südkoreanische Unternehmen ansässig, die im Normalbetrieb 53.000 Nordkoreaner beschäftigen. Wegen der Spannungen zwischen den beiden Ländern hatte Nordkorea den Zugang zu der Anlage Anfang des Monats gesperrt. Am 9. April zog Pjöngjang zudem sämtliche Arbeitskräfte aus der Sonderwirtschaftszone zehn Kilometer innerhalb des nordkoreanischen Territoriums ab.

Zuletzt befanden sich noch 176 der sonst 850 südkoreanischen Mitarbeiter in der Anlage. Laut Medienberichten sollen ihnen zuletzt die Lebensmittel ausgegangen sein, weil der Norden den Industriepark komplett abgeriegelt hat. Ryoo bezeichnete den Abzug am Freitagnachmittag als "unausweichliche Entscheidung, um die Sicherheit des verbliebenen Personals zu gewährleisten".

Die Regierung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul hatte dem verfeindeten Nachbarland am Donnerstag ein 24-stündiges Ultimatum gesetzt. Sollten die Nordkoreaner nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren und über den gemeinsamen Betrieb von Kaesong sprechen, würden "bedeutsame Maßnahmen" folgen. "Wir können so nicht weitermachen", sagte ein Ministeriumssprecher. Beobachter halten auch einen dauerhaften Rückzug Südkoreas aus der Sonderwirtschaftszone nicht für ausgeschlossen.

Boykott bringt Milliardenverluste
Die südkoreanischen Unternehmen müssen aufgrund der unklaren Situation Umsatzeinbußen hinnehmen. Produktionsausfälle und sinkende Aufträge bringen zahlreiche Firmen in Bedrängnis. Seit dem Abzug der nordkoreanischen Arbeitskräfte stehen Milliardenumsätze auf dem Spiel. Die Regierung hat Finanzspritzen für betroffene Unternehmen versprochen.

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